Positiv:
Wieder eines dieser Bücher, bei denen man traurig ist, wenn man schlussendlich die allerletzte Seite aufschlägt. Es gibt auch Bücher, die sind so langatmig, dass man es als echte Leistung ansieht, sie komplett durchgelesen zu haben "Billy" ist nicht so. "Billy" ist ein Buch, das man nur schwer aus den Händen legen kann.
Schöngeschriebene Schachtelsätze und literarische Höhenflüge, gibt es in diesem Buch nicht zu bestaunen. Die Art, wie Lisa Reardon schreibt, ist umgänglich, herb und direkt. Und das ist schon die Kunst an der Sache. Es wirkt so, als ob die Hauptperson Ray offen und ehrlich zu dem Leser spricht, als würde er einfach in einer dieser abgewrackten Bars sitzen und dem Leser sein Leben erzählen, bei einer Zigarette und einem Bier.
Die Worte hämmern sich einem wirklich direkt ins Herz. Dadurch, dass der Erzähler Ray hier quasi "selbst" spricht, wirkt die Geschichte erfrischend ungeschönt, teilweise etwas bildungsfern und auf eine ganz merkwürdige Art und Weise doch genial.
Und auch wenn diese Erzählweise eher simpel wirkt (im Vergleich zu wirklich poetischangehauchten Büchern), man merkt schon, dass Lisa Reardon sich immer vollkommen bewusst ist, was sie da tut. Sie schreibt einfach großartig, sie hat bei mir tatsächlich das Gefühl geweckt, dass ich Ray Johnson direkt sprechen höre und ihn vor mir sehe! Hut ab, dass schaffen nur ganz wenige Autoren! Irgendwann war ich dann so weit, dass ich selbst fast diese glühendheiße Sonne auf meiner Haut gespürt und den Staub der Straße geschmeckt hätte. Sehr gut, so sollte ein Buch sein! Nicht alle Bücher, aber dieses Buch wäre einfach nicht "Billy" gewesen, wenn Lisa Reardon da anders vorgegangen wäre.
Negativ:
Etwas zu kurz geraten war allerdings der Schluss. Ray findet seine Schwester und dann geht alles ganz schnell. Das hat mich wirklich überrascht, weil ich annahm, zwischen ihnen gebe es noch immer mehr Konfliktpotential...aber na ja, ich will nicht zuviel verraten.
Ansonsten würde ich persönlich kaum etwas an dem Buch verändern. Ich mag es so, wie es ist.
Fazit:
Ich kann nur raten, dieses Buch unbedingt einmal zu lesen. Der gute, direkte Schreibstil ist unkompliziert und leicht verständlich...einige Stellen im Buch sind allerdings sehr heftig und nicht so einfach zu verdauen.