Das ist das Buch zu dem gleichnamigen Film. Zugegeben, den Film fand ich nicht wirklich gut. Aber was Burgess in seinem Buch daraus macht, ist beeindruckend. Es ist die Geschichte des zwölfjährigen Billy aus einer nordenglischen Bergarbeiterstadt, der während eines Streiks während der Regierungszeit der eisernen Lady sein Talent zum Tanzen entdeckt. Er muss seinen Vater und seinen Bruder überzeugen, aber am Ende ist klar, dass er ein Genie ist. Der Autor erzählt aus wechselnden Perspektiven die Geschichte von Billy. Natürlich kommt Billy zu Wort, aber auch Jack, sein Vater, der langsam die Kontrolle verliert, sein Bruder Tony, ein Radikaler, der plötzlich die Verantwortung für die Familie übernehmen muss, und Michael, Billys Freund, der plötzlich seine Homosexualität entdeckt. Sie erzählen jedoch nicht nur von Billys Vorbereitungen auf die Prüfung bei der Tanzakademie, sondern es geht auch um das Leben der Bergarbeiterfamilie während des Streiks, in einem kalten Winter ohne Heizung, wo am Ende das Klavier verfeuert und der Schmuck der verstorbenen Sarah, Billys Mutter, verpfändet werden muss. Was im Film leicht gespielt am Betrachter vorbei ging, gräbt sich hier ganz anders in das Bewusstsein des Lesers ein. Mit viel Gefühl für Details hat Burgess hier das Letzte aus dem Stoff herausgeholt. Entstanden ist ein lesenswertes, tiefsinniges und sehr sensibles Kaleidoskop der englischen Unterschicht während der Thatcherregierung.