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Kommentar: Leinen mit Schutzumschlag. Deutsch von Michael Walter und Daniel Göske. Leichte Lese- und Lagerspuren. Schnitt leicht fleckig. Buch minimal verzogen. Schutzumschlag mit leichtem Wasserschaden. Gutes Exemplar (Fol.) A/Z 38818
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Billy Budd, Matrose: Die großen Erzählungen Gebundene Ausgabe – 4. März 2009

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Hanser; Auflage: 2 (4. März 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446232907
  • ISBN-13: 978-3446232907
  • Größe und/oder Gewicht: 12 x 2 x 18,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 477.365 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Bartleby, der Lohnschreiber. Eine Geschichte von der Wall Street

Ich bin schon vorgerückten Alters. Die Art meiner Berufsgeschäfte während der letzten dreißig Jahre hat mich in ungewöhnlich enge Berührung mit einer, wie es scheinen möchte, interessanten und irgendwie besonderen Sorte Mensch gebracht, über die meines Wissens bislang noch nie etwas geschrieben worden ist: – ich meine die Kanzleikopisten oder Lohnschreiber. Ich habe sehr viele von ihnen gekannt, beruflich wie privat, und könnte, wenn ich nur wollte, allerlei Geschichten erzählen, die gutmütige Herren vielleicht zum Lächeln brächten und empfindsame Seelen vielleicht zum Weinen. Aber ich entschlage mich der Biographien aller anderen Lohnschreiber zugunsten einiger Ereignisse im Leben Bartlebys, des sonderbarsten Schreibers, der mir je vorgekommen ist. Während ich von anderen Kanzleikopisten eine komplette Lebensbeschreibung liefern könnte, ist bei Bartleby nichts dergleichen möglich. Für eine ausführliche und befriedigende Biographie dieses Menschen fehlt es völlig an Material. Das ist für die Literatur ein unersetzlicher Verlust. Bartleby war eines jener Wesen, über die nichts in Erfahrung zu bringen ist, läßt man die Originalquellen außer Acht, und diese sind in seinem Fall äußerst rar. Was meine erstaunten Augen von Bartleby gesehen haben, das ist alles, was ich von ihm weiß, wenn ich hier einmal einen vagen Bericht aus der Acht lasse, den ich ans Ende setze.

Ehe ich den Schreiber vorstelle, so wie er zum ersten Mal vor mir erschien, schickt es sich, ein Wort über mich, meine Employés, meine Tätigkeit, meine Geschäftsräume und das allgemeine Milieu zu verlieren; denn für das richtige Verständnis der noch einzuführenden Hauptperson ist eine solche Beschreibung unerläßlich.
Zuvörderst: Ich bin ein Mensch, den von Jugend an die feste Überzeugung durchdrungen hat, daß eine gemächliche Lebensweise die beste ist. Und obwohl ich einem Berufsstande angehöre, der als sprichwörtlich tatkräftig und betriebsam gilt, zuweilen bis zum Ungestüm, habe ich nie zugelassen, daß mir etwas Derartiges den Frieden stört. Ich bin einer dieser ehrgeizlosen Anwälte, die niemals ein Plädoyer vor Gericht halten oder sonst irgendwie den öffentlichen Beifall auf sich lenken, sondern in der kühlen Ruhe bequemer Abgeschiedenheit ein bequemes Geschäft mit den Obligationen, Hypotheken und Eigentumsurkunden reicher Leute betreiben. Allen, die mich kennen, gelte ich als außerordentlich zuverlässiger Mensch. Der selige John Jacob Astor, eine poetischer Schwärmerei eher abholde Persönlichkeit, stand nicht an, als meine erste überragende Eigenschaft die Vorsicht zu nennen und als zweite methodisches Vorgehen. Ich sage das ohne alle Eitelkeit, und berichte nur den Umstand, daß der selige John Jacob Astor meine professionellen Dienste nicht ungenutzt lassen wollte; ein Name, den ich zugegebenermaßen gern wiederhole, besitzt er doch einen volltönenden und gerundeten Klang und schallt wie lauteres Gold. Ich will freimütig ergänzen, daß ich gegen des seligen John Jacob Astor gute Meinung nicht unempfindlich war.

Eine Weile vor dem Zeitpunkt, zu dem diese kleine Geschichte beginnt, hatten meine Berufsgeschäfte eine beträchtliche Ausweitung erfahren. Das schöne alte, im Staate New York inzwischen abgeschaffte Amt eines Beisitzers im Kanzleigericht war mir zugefallen. Ein mäßig anstrengendes, doch aufs angenehmste einträgliches Amt. Ich werde selten heftig und noch viel seltener erlaube ich mir eine riskante Empörung über Unbilden und Ungeheuerlichkeiten, hier aber muß man mir gestatten, unbesonnen zu sein und zu erklären, daß ich die plötzliche und durch die neue Verfassung erzwungene Abschaffung des Amtes eines Beisitzers beim Kanzleigericht für eine – übereilte Maßregel halte; insofern als ich auf lebenslange Einnahmen daraus gerechnet hatte, wohingegen mir diese lediglich für ein paar kurze Jahre zuflossen. Doch dies nur apropos.

Meine Geschäftsräume befanden sich im Obergeschoß des Hauses Wall Street Nr. *. Zur einen Seite gingen sie auf die weiße Wand im Inneren eines geräumigen Lichtschachts, der das Gebäude von oben bis unten durchzog. Dieser Ausblick mochte eher fad erscheinen, mangelte es ihm doch an allem, was die Landschaftsmaler »Leben« nennen. Aber wenn dem so war, dann bot die Aussicht vom anderen Ende meiner Geschäftsräume zumindest einen Kontrast, wenn nicht mehr. In dieser Richtung gewährten meine Fenster den unbehinderten Blick auf eine hohe, von Alter und ewigem Schatten geschwärzte Ziegelmauer; es bedurfte keines Fernglases, die verborgenen Schönheiten besagter Wand zu erkennen, denn zum Vorteil aller kurzsichtigen Betrachter war sie keine zehn Fuß vor meine Fensterscheiben herangerückt worden. Infolge der großen Höhe der benachbarten Gebäude sowie der Tatsache, daß meine Geschäftsräume in der ersten Etage lagen, erinnerte der Raum zwischen dieser Mauer und der meinen nicht nur entfernt an eine riesige viereckige Zisterne.

In der Zeit kurz vor Bartlebys Erscheinen standen zwei Kopisten und ein vielversprechender Jüngling als Laufbursche in meinen Diensten. Erstens, Puter; zweitens, Kneifzange und drittens, Ingwerkeks. Derlei Namen findet man für gewöhnlich nicht im Adreßbuch. Es waren denn auch bloße Spitznamen, die meine drei Angestellten sich gegenseitig verliehen hatten, um so ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen. Puter war ein kleiner, korpulenter Engländer ungefähr in meinem Alter, also bald an die Sechzig. Des Morgens, könnte man sagen, zeigte sein Gesicht eine zart blühende Farbe, aber nach zwölf Uhr mittags – seiner Essensstunde – glühte es wie ein voller Kohlenrost zur Weihnachtszeit und glühte immerfort – wenn auch gleichsam allmählich verblassend – bis ungefähr gegen sechs Uhr abends. Hernach sah ich nichts mehr vom Besitzer des Gesichts, das mit der Sonne seinen Mittag erreichte und zusammen mit ihr zur Rüste zu gehen schien, um am nächsten Tag mit gleicher Regelmäßigkeit und unverminderter Pracht aufzusteigen, zu gipfeln und zu sinken. Mir sind im Laufe meines Lebens viele wunderliche Zufälle begegnet, keineswegs der geringste darunter war der Umstand, daß gerade dann, wenn Puters rot leuchtende Miene den vollsten Strahlenglanz entsandte, daß just dann in diesem kritischen Moment auch die tägliche Zeitspanne begann, in der mir seine Arbeitsfähigkeit für den Rest der vierundzwanzig Stunden als schwer beeinträchtigt galt. Nicht etwa, daß er dann völlig müßig oder arbeitsunwillig gewesen wäre; weit gefehlt. Die Schwierigkeit lautete, er neigte zu einem durchaus überschäumenden Tatendrang. Er entfaltete eine ganz merkwürdige hitzig-hektische, fahrig-leichtfertige Betriebsamkeit. Er tunkte seine Feder unbedacht ins Tintenfaß. Die Kleckse, die er auf meinen Dokumenten hinterließ, machte er alle nach zwölf Uhr mittags. In der Tat war er nachmittags nicht nur leichtfertig und verriet eine beklagenswerte Neigung zum Klecksen, sondern trieb es an manchen Tagen sogar noch bunter und veranstaltete einen beträchtlichen Lärm. In solchen Augenblicken flammte sein Gesicht dann auch in gesteigerter Pracht, so als hätte man Cannelkohle auf Anthrazit gehäuft. Er scharrte aufs unangenehmste mit seinem Stuhl; stieß die Streusandbüchse um; zerschnitzelte beim Nachschneiden vor Ungeduld alle Federkiele und schleuderte sie in einer jähen Gemütsaufwallung zu Boden; stand auf, beugte sich über den Tisch und warf seine Papiere in ganz ungehöriger Weise kreuz und quer durcheinander – ein betrüblicher Anblick bei einem Mann im vorgerückten Alter wie er. Da er mir dennoch in vieler Hinsicht als wertvolle Person galt und sich die ganze Zeit vor zwölf Uhr mittags auch als der flinkste und beständigste Mensch erzeigte, der ein großes Arbeitspensum auf eine Art erledigte, die ihm so leicht niemand nachmachte – so bestimmten mich diese Gründe, über seine Schrullen mit Nachsicht hinwegzusehen, wiewohl ich ihm...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Bartleby, der Lohnschreiber. Eine Geschichte von der Wall Street

Ich bin schon vorgerückten Alters. Die Art meiner Berufsgeschäfte während der letzten dreißig Jahre hat mich in ungewöhnlich enge Berührung mit einer, wie es scheinen möchte, interessanten und irgendwie besonderen Sorte Mensch gebracht, über die meines Wissens bislang noch nie etwas geschrieben worden ist: – ich meine die Kanzleikopisten oder Lohnschreiber. Ich habe sehr viele von ihnen gekannt, beruflich wie privat, und könnte, wenn ich nur wollte, allerlei Geschichten erzählen, die gutmütige Herren vielleicht zum Lächeln brächten und empfindsame Seelen vielleicht zum Weinen. Aber ich entschlage mich der Biographien aller anderen Lohnschreiber zugunsten einiger Ereignisse im Leben Bartlebys, des sonderbarsten Schreibers, der mir je vorgekommen ist. Während ich von anderen Kanzleikopisten eine komplette Lebensbeschreibung liefern könnte, ist bei Bartleby nichts dergleichen möglich. Für eine ausführliche und befriedigende Biographie dieses Menschen fehlt es völlig an Material. Das ist für die Literatur ein unersetzlicher Verlust. Bartleby war eines jener Wesen, über die nichts in Erfahrung zu bringen ist, läßt man die Originalquellen außer Acht, und diese sind in seinem Fall äußerst rar. Was meine erstaunten Augen von Bartleby gesehen haben, das ist alles, was ich von ihm weiß, wenn ich hier einmal einen vagen Bericht aus der Acht lasse, den ich ans Ende setze.

Ehe ich den Schreiber vorstelle, so wie er zum ersten Mal vor mir erschien, schickt es sich, ein Wort über mich, meine Employés, meine Tätigkeit, meine Geschäftsräume und das allgemeine Milieu zu verlieren; denn für das richtige Verständnis der noch einzuführenden Hauptperson ist eine solche Beschreibung unerläßlich.
Zuvörderst: Ich bin ein Mensch, den von Jugend an die feste Überzeugung durchdrungen hat, daß eine gemächliche Lebensweise die beste ist. Und obwohl ich einem Berufsstande angehöre, der als sprichwörtlich tatkräftig und betriebsam gilt, zuweilen bis zum Ungestüm, habe ich nie zugelassen, daß mir etwas Derartiges den Frieden stört. Ich bin einer dieser ehrgeizlosen Anwälte, die niemals ein Plädoyer vor Gericht halten oder sonst irgendwie den öffentlichen Beifall auf sich lenken, sondern in der kühlen Ruhe bequemer Abgeschiedenheit ein bequemes Geschäft mit den Obligationen, Hypotheken und Eigentumsurkunden reicher Leute betreiben. Allen, die mich kennen, gelte ich als außerordentlich zuverlässiger Mensch. Der selige John Jacob Astor, eine poetischer Schwärmerei eher abholde Persönlichkeit, stand nicht an, als meine erste überragende Eigenschaft die Vorsicht zu nennen und als zweite methodisches Vorgehen. Ich sage das ohne alle Eitelkeit, und berichte nur den Umstand, daß der selige John Jacob Astor meine professionellen Dienste nicht ungenutzt lassen wollte; ein Name, den ich zugegebenermaßen gern wiederhole, besitzt er doch einen volltönenden und gerundeten Klang und schallt wie lauteres Gold. Ich will freimütig ergänzen, daß ich gegen des seligen John Jacob Astor gute Meinung nicht unempfindlich war.

Eine Weile vor dem Zeitpunkt, zu dem diese kleine Geschichte beginnt, hatten meine Berufsgeschäfte eine beträchtliche Ausweitung erfahren. Das schöne alte, im Staate New York inzwischen abgeschaffte Amt eines Beisitzers im Kanzleigericht war mir zugefallen. Ein mäßig anstrengendes, doch aufs angenehmste einträgliches Amt. Ich werde selten heftig und noch viel seltener erlaube ich mir eine riskante Empörung über Unbilden und Ungeheuerlichkeiten, hier aber muß man mir gestatten, unbesonnen zu sein und zu erklären, daß ich die plötzliche und durch die neue Verfassung erzwungene Abschaffung des Amtes eines Beisitzers beim Kanzleigericht für eine – übereilte Maßregel halte; insofern als ich auf lebenslange Einnahmen daraus gerechnet hatte, wohingegen mir diese lediglich für ein paar kurze Jahre zuflossen. Doch dies nur apropos.

Meine Geschäftsräume befanden sich im Obergeschoß des Hauses Wall Street Nr. *. Zur einen Seite gingen sie auf die weiße Wand im Inneren eines geräumigen Lichtschachts, der das Gebäude von oben bis unten durchzog. Dieser Ausblick mochte eher fad erscheinen, mangelte es ihm doch an allem, was die Landschaftsmaler »Leben« nennen. Aber wenn dem so war, dann bot die Aussicht vom anderen Ende meiner Geschäftsräume zumindest einen Kontrast, wenn nicht mehr. In dieser Richtung gewährten meine Fenster den unbehinderten Blick auf eine hohe, von Alter und ewigem Schatten geschwärzte Ziegelmauer; es bedurfte keines Fernglases, die verborgenen Schönheiten besagter Wand zu erkennen, denn zum Vorteil aller kurzsichtigen Betrachter war sie keine zehn Fuß vor meine Fensterscheiben herangerückt worden. Infolge der großen Höhe der benachbarten Gebäude sowie der Tatsache, daß meine Geschäftsräume in der ersten Etage lagen, erinnerte der Raum zwischen dieser Mauer und der meinen nicht nur entfernt an eine riesige viereckige Zisterne.

In der Zeit kurz vor Bartlebys Erscheinen standen zwei Kopisten und ein vielversprechender Jüngling als Laufbursche in meinen Diensten. Erstens, Puter; zweitens, Kneifzange und drittens, Ingwerkeks. Derlei Namen findet man für gewöhnlich nicht im Adreßbuch. Es waren denn auch bloße Spitznamen, die meine drei Angestellten sich gegenseitig verliehen hatten, um so ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen. Puter war ein kleiner, korpulenter Engländer ungefähr in meinem Alter, also bald an die Sechzig. Des Morgens, könnte man sagen, zeigte sein Gesicht eine zart blühende Farbe, aber nach zwölf Uhr mittags – seiner Essensstunde – glühte es wie ein voller Kohlenrost zur Weihnachtszeit und glühte immerfort – wenn auch gleichsam allmählich verblassend – bis ungefähr gegen sechs Uhr abends. Hernach sah ich nichts mehr vom Besitzer des Gesichts, das mit der Sonne seinen Mittag erreichte und zusammen mit ihr zur Rüste zu gehen schien, um am nächsten Tag mit gleicher Regelmäßigkeit und unverminderter Pracht aufzusteigen, zu gipfeln und zu sinken. Mir sind im Laufe meines Lebens viele wunderliche Zufälle begegnet, keineswegs der geringste darunter war der Umstand, daß gerade dann, wenn Puters rot leuchtende Miene den vollsten Strahlenglanz entsandte, daß just dann in diesem kritischen Moment auch die tägliche Zeitspanne begann, in der mir seine Arbeitsfähigkeit für den Rest der vierundzwanzig Stunden als schwer beeinträchtigt galt. Nicht etwa, daß er dann völlig müßig oder arbeitsunwillig gewesen wäre; weit gefehlt. Die Schwierigkeit lautete, er neigte zu einem durchaus überschäumenden Tatendrang. Er entfaltete eine ganz merkwürdige hitzig-hektische, fahrig-leichtfertige Betriebsamkeit. Er tunkte seine Feder unbedacht ins Tintenfaß. Die Kleckse, die er auf meinen Dokumenten hinterließ, machte er alle nach zwölf Uhr mittags. In der Tat war er nachmittags nicht nur leichtfertig und verriet eine beklagenswerte Neigung zum Klecksen, sondern trieb es an manchen Tagen sogar noch bunter und veranstaltete einen beträchtlichen Lärm. In solchen Augenblicken flammte sein Gesicht dann auch in gesteigerter Pracht, so als hätte man Cannelkohle auf Anthrazit gehäuft. Er scharrte aufs unangenehmste mit seinem Stuhl; stieß die Streusandbüchse um; zerschnitzelte beim Nachschneiden vor Ungeduld alle Federkiele und schleuderte sie in einer jähen Gemütsaufwallung zu Boden; stand auf, beugte sich über den Tisch und warf seine Papiere in ganz ungehöriger Weise kreuz und quer durcheinander – ein betrüblicher Anblick bei einem Mann im vorgerückten Alter wie er. Da er mir dennoch in vieler Hinsicht als wertvolle Person galt und sich die ganze Zeit vor zwölf Uhr mittags auch als der flinkste und beständigste Mensch erzeigte, der ein großes Arbeitspensum auf eine Art erledigte, die ihm so leicht niemand nachmachte – so bestimmten mich diese Gründe, über seine Schrullen mit Nachsicht hinwegzusehen, wiewohl ich ihm...


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von K. Schneider TOP 1000 REZENSENT am 12. Juli 2011
Format: Gebundene Ausgabe
Ein properer Band, Hardcover in Leinen mit einem hübschen Umschlag, Lesebändchen, angemessenes Papier, - und ein stolzer Preis, fast 35 Euro verlangt der Hanser-Verlag für 440 Seiten Dichtung und nochmals etwa 125 Seiten Anmerkungen, Erläuterungen und eine - exzellente - editorische Notiz. Da darf man wohl einiges erwarten. Und: die Erwartung geht auf.

Der Band umfasst insgesamt acht Erzählungen, die sich übrigens nicht ganz mit der Zusammenstellung im Penguin Classics-Taschenbuch "Billy Budd and other short Stories" decken, es fehlt vor allem "The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids". Trotzdem: für Melville-Fans ein Schatzkästchen mit vielen Entdeckungen, auch dank neuer und überwiegend sehr guter Übersetzungen.

"Die Galerie", im Original "The Piazza" und damit der Namensgeber einer Erzählungsreihe, die hier weitgehend erfasst ist, ist eine Kurzgeschichte über das Erlebnis einer Desillusionierung und sprachlich ein Geniestreich. Schon im Originaltext fällt ein eigenartiger Rhythmus auf, den die Übersetzung glänzend erfasst hat: der Prosatext ist eigentlich eine verkappte Versdichtung, er lässt sich über Seiten hinweg in Jamben lesen.

"Bartleby, der Lohnschreiber" ist vermutlich die populärste der hier vorliegenden Erzählungen, die die tragische Totalverweigerung des Helden in dem formelhaften Satz zusammenfasst "I would prefer not to". Ob man das allerdings so übersetzen musste:

"Es ist mir nicht genehm"

halte ich für diskussionswürdig, da habe ich schon überzeugendere Vorschläge gesehen.

"Benito Cereno" ist ein leider viel zu unbekannter Text.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek VINE-PRODUKTTESTER am 24. Mai 2009
Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Ich habe 3 ältere Übersetzungen des großartigen Romans Moby-Dick von Herman Melville gelesen und mich auch im Original versucht. Der Zugang zu diesem Roman ist mir erst in der Neuübersetzung gelungen. Die Qualität von Herman Melviles Literatur steht sowiese außer Frage.
Die neu aufgelegte Übersetzung der bekanntesten Erzählungen in der Über setzung von Michael Walter und Daniel Göske ist zweifelsohne ein literarisches Highlight. Eigentlich finde ich alle Erzählungen außerordentlich faszinierend. Aber m.E. ragen Bartleby, der Lohnschreiber und natürlich Billy Budd noch etwas heraus.
Ein großer Wurf und ein großes Kompliment an alle Beteiligten. Weltliteratur auf höchstem Niveau.
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Von S. Rosenthal am 5. März 2012
Format: Gebundene Ausgabe
...einem Roman, der mich außerordentlich fasziniert hat, habe ich mir auch Pierre und Billy Budd, erschienen im Hansa-Verlag, zugelegt und gelesen. Sowohl literarisch (wenn auch nicht an Moby Dick heranreichend), als auch in der gehobenen Aufmachung ein wirklich lohnenswerter Kauf.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Robert Chambers am 9. Januar 2010
Format: Gebundene Ausgabe
Die bewegende Liebesgeschichte rund um den lebenslustigen Matrosen Billy Budd lässt niemdanden kalt. Traurig, wie der Kapitän seinen geliebten, für ihn aber unerreichbaren Jungen nicht retten kann, sondern zum Tode verurteilt, weil dieser einen Peiniger im Affekt getötet hat. Es wird Recht gesprochen, aber der Gerechtigkeit wird nicht genüge getan. Geschrieben wie eine griechische Tragödie...Melville at its best. Die Übersetzung ist überaus gekonnt erfolgt: Den beiden Übersetzern Michael Walter und Daniel Göske gebührt ein grossses Kompliment, ebenso dem Hanser Verlag. Die schwule Seite Hermann Melvilles schwingt stets herrlich "verdrückt" bzw. unterschwellig mit. Vom schwulen Komponisten Benjamin Britten ist die Geschichte kongenial grandios als Oper vertont worden.
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