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Billy Budd, ein gutaussehender junger Matrose, naiv und unschuldig im besten Sinne des Wortes, ist zur Zeit der Napoleonischen Kriege 1797 Vortoppmann auf einem britischen Kriegsschiff. Er wurde zum Militärdienst gezwungen, „gepresst", doch das stört ihn nicht. Er versieht seine Arbeit mit Einsatz und Hingabe. Bei Kameraden und Vorgesetzten ist der stets fröhliche und grundehrliche junge Matrose sehr beliebt.
Billy Budd ist geradezu das Sinnbild heiterer Unschuld. Einzig Waffenmeister Claggart hat eine tiefsitzende Abneigung gegen den jungen Mann gefasst: Grundlos verleumdet er den Vortoppmann beim Kapitän des Schiffes und bezichtigt ihn der Aufsässigkeit. Mit dieser Verleumdung konfrontiert, schlägt Billy - in einem Moment der sprachlosen Hilflosigkeit - seinen Gegner vor den Augen des Kapitäns nieder. Ohne es zu wollen, tötet der junge Toppmatrose dadurch den Waffenmeister - er wird quasi unschuldig schuldig. Gegen ihren Willen müssen die Mitglieder des eilig zusammengerufenen Kriegsgerichts den jungen Mann aufgrund der politisch prekären Lage zum Tod durch den Strang verurteilen, schließlich hat der Matrose in Kriegszeiten einen vorgesetzten Offizier getötet.
Ein Aufschrei gegen Tyrannei und Willkür auf englischen Kriegsschiffen - das scheint das kleine Buch zu sein: Ein Unschuldiger wird das Opfer eines missgünstigen Vorgesetzten und geht daran zugrunde. Doch dies ist nur die oberste Schicht der Erzählung. Je tiefer man eindringt in diese Geschichte, umso mehr Fragen stellen sich: Wie kann soviel Unschuld einen so tiefen Hass hervorrufen? Wer ist berechtigt, darüber zu urteilen? Ist das Prinzip Gerechtigkeit ein unverrückbarer Wert, der wirklich stets nur Gerechtigkeit bewirkt? Was ist, wenn die Einhaltung des Prinzips die Opferung von Unschuldigen verlangt? Und ist das Opfer wirklich unschuldig? Welche Abgründe lauern in Menschen, die vollkommen rein und schuldlos wirken?
Die letzte (und eigentlich unvollendete) Erzählung Herman Melvilles gilt als eine der besten des großen amerikanischen Schriftstellers. Auf engstem Raum werden existenzielle Fragen aufgeworfen und meisterhaft verwoben in eine im Prinzip simple Geschichte. Melville schrieb die Novelle kurz vor seinem Tod 1891. Veröffentlicht wurde sie erst 1924. Unter der Regie von Peter Ustinov wurde die Erzählung verfilmt; L. O. Cox schuf ein Drama aus dem Stoff, und Benjamin Britten vertonte die Geschichte von Billy Budd.
Herman Melville, einer der größten amerikanischen Schriftsteller, geboren 1819 in New York, fuhr lange Jahre zur See. In seine Heimat zurückgekehrt, verarbeitete er seine Erlebnisse in literarischer Weise. Über Nacht wurde er berühmt. Eines seiner bekanntesten Werke ist Moby Dick. Doch seine engagierten Anklagen gegen Missstände in der Gesellschaft entfremdeten ihn im Laufe der Zeit von seinen Lesern. Melville war schließlich gezwungen, das Schreiben aufzugeben, um als Zollinspektor zu arbeiten. Er starb 1891, vergessen und verarmt.
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