Ob es tatsächlich sinnvoll ist, ein Lexikon über alle Westerner, die jemals nachweislich in eine Schießerei verwickelt waren, zu erstellen... muss jeder für sich selbst entscheiden.
Jedenfalls sind sie hier alle (un)friedlich vereint, bekannte und unbekannte Revolvermänner, Hüter des Gesetzes, Outlaws (oft in Personalunion), Cowboys, Psychopathen, Rächer, etc.
Relativ emotionslos schildert O'Neal ihr Leben, ihre Kämpfe und ihren Tod, nutzt dabei historische Zeitungs- und Augenzeugenberichte.
Trotzdem ist diese alphabetische Auflistung beileibe nicht langweilig - wenn man liest mit welch selbst verachtender Mordlust einige der Kontrahenten aufeinander losgegangen sind (so wird z. B. in einem Fall geschildert wie 2 Männer sich zuerst in einem klassischen Duell gegenseitig mehrere Kugeln in den Körper jagen, um dann - sterbend - aufeinander
zuzukriechen um ihr Werk mit dem Messer zu vollenden), wie sie sich aus ausweglosen Situationen herausgeschossen haben, alleine gegen mehrere Gegner antraten - man schüttelt den Kopf angesichts der Gewalt und neigt ihn gleichzeitig vor dem Mut einiger Gesetzeshüter.
Doch auch mit einigen Hollywood-Legenden wird gründlich aufgeräumt. Nichts verbleibt vom vorgeblichen Mut eines "Wild Bill Hickok", wenig von der Faszination eines "Wyatt Earp", wenn man ihre Kämpfe (oft gegen unbewaffnete Gegner) und Handlungsmuster näher beleuchtet. Hickok flüchtete sogar mehrfach vor Gegnern, die selbst als Revolvermänner bekannt waren.
Interessant auch, dass man einige Ereignisse durch die Jahrzehnte verfolgen kann. Ein Beispiel: Die Daltons (4 Brüder), Überlebende der James/Younger Bande (kurz nach dem Bürgerkrieg gegründet) und mit den Youngers verwandt, haben wohl wirklich traurige Outlaw-Berühmtheit erlangt. Lange wurden sie erfolglos gejagt und begingen schlussendlich den gleichen Fehler wie die James Brüder. Das einzig überlebende und in Freiheit befindliche Mitglied ihrer Bande - Bill Doolin - gründete flux seine eigene Gang (zu der ein 5ter der insgesamt 8 Dalton Brüder stieß), deren letztes Mitglied erst im 20. Jahrhundert (natürlich in den Stiefeln) starb.
Fazit: Dieses Lexikon kann jedem Western-Fan uneingeschränkt empfohlen werden.
Als Nachschlagewerk perfekt, wird die durchgehende Lektüre wegen der im Prinzip ständigen Wiederholungen schnell langweilig. Allerdings ertappt man sich dabei, seiner Neugier und dem wirklich guten Querverweissystem folgend, trotzdem schnell den Großteil des Buches durchgelesen zu haben. Eventuelle Wissenslücken lassen sich dann in der Mittagspause oder der Fahrt vom/zum Arbeitsplatz schließen.
Hinweis: Da der Titel zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Rezension leider nicht lieferbar ist darf ich an dieser Stelle auf "Sie starben in den Stiefeln" und "Der Sheriff" von Dietmar Kügler hinweisen. Er beschreibt das Leben und Wirken der Revolvermänner wirklich spannend und trotzdem historisch korrekt. Allerdings betreffen seine Biografien und Beschreibungen "nur" die bekannteren Vertreter der Zunft.