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Billigflieger: Roman
 
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Billigflieger: Roman [Taschenbuch]

Philip Tamm
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Klar ist ein Mann ohne Frau glücklicher. Aber wenn man keine hat, weiß man das nicht." - Der romantischste und witzigste Roman zum Geschlechterkampf.

Appetitholen ist erlaubt, gegessen wird Zuhause. Das gibt Nina Joachim mit auf dem Weg, als er sich eine Woche vor der Hochzeit wie jedes Jahr mit seinen vier Freunden nach Mallorca verzieht, um dort das Schönste zu machen, was es gibt: Echte Männerfreundschaft zu pflegen, indem man sich volllaufen lässt und den halbnackten Mädchen am Strand von El Arenal nachglotzt.
In der ersten Nacht lernt er Katie kennen, die so gar nicht halbnackt ist und sich auch nicht von seinem Jungsgetue abschrecken lässt. Ihm bleiben sechs Tage bis zur Hochzeit. Männer sind so, Frauen aber auch.

Über den Autor

Philip Tamm, Autor der Erfolgsromane Billigflieger und Herrengedeck, geboren 1967, heißt eigentlich Daniel Bielenstein und ist unter diesem Namen als Autor und Journalist bekannt. Als Journalist schreibt er über Wirtschaft, Gesellschaft, Lifestyle, interkulturelle Themen. 2003 erschien sein Debütroman Die Frau fürs Leben. Daniel Bielenstein lebt in Hamburg.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ich heiße Joachim Kampmann, und meine Freunde nennen mich Jo. Ich bin 34 Jahre alt, Versicherungskaufmann, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr und leidenschaftlicher Windsurfer. Und ich stehe kurz davor, einen entscheidenden Schritt im Leben zu gehen: Ich werde heiraten.
Das ist kein Grund, um mich zu bemitleiden. So schlimm wird's schon nicht werden. Ich opfere ja nur meine Freiheit, meine Würde und die Möglichkeit, mit anderen Frauen Sex zu haben und hinterher darüber sprechen zu können. Andere Typen haben das auch geschafft. Ich werde es also auch irgendwie durchstehen.
Mein Freund Hacki, der eigentlich Harald heißt und selbst seit fünfzehn Jahren verheiratet ist, hat mich erst neulich getröstet, indem er etwas sehr Interessantes von sich gegeben hat. »Klar ist ein Mann ohne Frau glücklicher im Leben«, meinte er. »Aber wenn du keine hättest, wüsstest du das nicht.«
Ich musste damals ziemlich lange darüber nachdenken, bis ich es verstand. Und dabei wurden mir zwei Dinge klar. Erstens, Hacki wusste selber nicht, was er da sagte. Zweitens, er hatte Recht.
Darum ist es völlig in Ordnung, wenn ich Nina, mit der ich seit einem Jahr, fünf Monaten und 13 Tagen zusammen bin, das Jawort gebe. Und zwar genau in einer Woche. Dazu stehe ich, auch wenn ich genau weiß, dass das Zusammenleben von Mann und Frau schwieriger ist als das zwischen Löwen und Antilopen in der Steppe oder das zwischen Bernhard Hoecker und Hugo Egon Balder bei »Genial daneben«.
Mein Plan ist es, diese eine Woche bis zur Trauung so gut es geht zu genießen — und zwar ohne Nina. Darum werde ich vorher mit meinen besten Freunden, also mit Hacki, Benni und Schröder, nach Mallorca fahren. Und da werde ich die letzten Tage meiner Freiheit noch einmal so richtig auskosten. Mit allem, was dazugehört.
Als ich Nina davon erzählte, sah sie mich an, als hätte ich gerade einen akuten Anfall von BSE, gepaart mit frühzeitiger Demenz und einem plötzlich eintretenden Vollrausch. Sie tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn und meinte: »Moment mal, Jo. Wir heiraten — und du willst eine Woche vorher nach Mallorca fahren?«
»Genau.«
»Du willst dich eine Woche lang mit deinen Freunden volllaufen lassen, faul am Strand herumliegen und den halbnackten Mädchen hinterherschauen?«
»Das war der Plan.«
»Und was ist mit den ganzen Vorbereitungen? Das Hochzeitsfest, die Trauung, die Gäste, der Polterabend — soll ich das alles ganz alleine machen?«
»Wieder richtig.«
»Dir ist wirklich nicht zu helfen.«
Ich habe Nina dann erklärt, wie die Dinge stehen. Zum Beispiel, dass die Jungs es mir einfach nicht verzeihen würden, wenn ich nicht mit nach Malle käme. Wir fahren nämlich seit über zehn Jahren regelmäßig dorthin, wohnen immer im selben Hotel, liegen immer am selben Strandabschnitt und tun auch ansonsten immer das Gleiche — nämlich genau das, was
Nina aufgezählt hat: saufen, gaffen und schlafen. Warum? Weil es nun einmal nichts Schöneres gibt auf der Welt.
Unsere Malle-Fahrt ist also so eine Art Tradition, und ich finde, Traditionen muss man einfach bewahren. Auch wenn man heiratet.
Nina hat mich nach dieser Erklärung kopfschüttelnd angesehen, tief geseufzt und schließlich gesagt: »Na, dann fahr um Himmels willen, Jo. Aber bau keinen Mist, hörst du? Vor allem nicht mit anderen Frauen. Du weißt ja, Appetitholen ist erlaubt — aber gegessen wird zu Hause.«
»Versprochen.«
»Das will ich auch sehr hoffen.«

2. Weiche Landung

Drei Tage nach diesem Gespräch sitze ich in einer Air-Berlin-Maschine mit Kurs auf Mallorca. Gelegentlich gibt der Kapitän unsere aktuelle Position durch, und darum wissen wir, dass wir inzwischen Frankfurt, Straßburg und Marseille überflogen haben. Warum er uns das sagt, ist mir nicht ganz klar, denn jedes Mal, wenn wir erwartungsvoll hinausblicken, ist nichts als eine geschlossene Wolkendecke zu sehen. Aber egal. Wir nähern uns unserem Ziel, und dort soll strahlender Sonnenschein herrschen.
Ich winke der Stewardess und bestelle vier Bier. In den letzten zwei Stunden haben wir nämlich nichts getrunken. Na ja gut, abgesehen von etwa drei Litern Tomatensaft, ein paar Tassen Kaffee und jeder Menge Sprudelwasser. Aber diese ganzen Dinge sind ja nur Flüssigkeit und keine Getränke.
Der Grund für unsere Zurückhaltung ist einfach. Alkohol ist neuerdings nicht mehr Bestandteil der normalen Versorgung an Bord. Man muss ihn kaufen. Und er kostet natürlich ein Vermögen. Letztes und vorletztes Jahr haben wir uns mit einem einfachen Trick geholfen: Statt Handgepäck haben wir einfach jeder einen Kasten Bier mit in die Maschine genommen. Das genügte für uns selbst und auch noch für ein paar andere durstige Kerle an Bord.
Aber seit diese Spaßbremsen aus Arabien, diese sogenannten Terroristen, weltweit ihre dunklen Machenschaften betreiben, ist ja nichts mehr wie vorher. Neuerdings ist es nicht einmal mehr erlaubt, überhaupt Flüssigkeit mit ins Flugzeug zu nehmen. Und schon gar nicht etwas Hochprozentiges. Traurige Zeiten sind das!
Heute aber ist mir das egal. Ich möchte diesen Moment mit meinen Freunden zusammen genießen, und das heißt, ich stoße mit ihnen an: auf uns, auf unseren Urlaub und darauf, dass sie mir in dieser schwierigen Zeit so kurz vor meiner Hochzeit beistehen.
Hacki, Benni, Schröder und ich kennen uns seit Jugendtagen. Wir sind im selben Sportverein groß geworden, haben gemeinsam als Kinder Zigaretten geklaut, dann unsere Mofas frisiert und etwas später die ersten Mädchen aufgerissen. Wir haben zusammen die Schule abgeschlossen, sind in die freiwillige Feuerwehr eingetreten und haben uns dabei geholfen, einen Ausbildungsplatz und dann einen Beruf zu finden. Noch später haben wir uns gegenseitig als Trauzeugen zur Seite gestanden und die Patenschaften für unsere Kinder übernommen — bis auf mich, denn als Einziger in unserer Runde bin ich ja immer noch Junggeselle und kinderlos. (Okay, für Benni gilt dasselbe, aber er ist ein paar Jahre jünger als wir anderen und genießt daher noch eine Art Welpenschutz.) Kurz und gut, die Jungs und ich, wir sind das, was man eine eingeschworene Gemeinschaft nennt. Echte Freunde. Oder noch besser: echte Männerfreunde.
Kurz darauf serviert uns Katja — ich lese ihren Namen auf dem Namensschild an ihrer Uniformbluse — vier Dosen Bier und vier Plastikbecher. Ja, jetzt ist mir wieder einmal klar, warum diese ganzen neuen Airlines Billigflieger heißen: Eine Flugreise ist einfach nicht mehr der Genuss, der es früher einmal gewesen ist. Ich spreche jetzt übrigens nicht von dem Dosenbier, das gab es früher schon. Nein, ich rede von dieser Katja. Die war früher bestimmt mal Metzgereifachverkäuferin, danach Modell für XXXL-Dessous und schließlich Fotomodell für Aknecreme-Werbung, allerdings nur in der Rubrik »Vorher«. Dann beschloss sie aus lauter Verzweifelung Stewardess zu werden, natürlich in der Hoffnung, dass sich irgendein sexuell ausgehungerter Fluggast doch noch ihrer erbarmt.

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