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Produktinformation
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Damals, auf der Waldlichtung, hatte die Bankiersfrau keine Angst. Denn während der Begegnung wurde sie heimgesucht vom Bild "eines leeren Gastgartens unter Kastanien im Hochland von Triest". Überhaupt ist sie "durchwirkt" von Bildern wie ein Text: beruhigenden Bildern, die plötzlich kommen wie bei Proust; Bilder mit denen ihr "nichts geschehen" kann. Und Schutz kann die Bankiersfrau gut gebrauchen: Immerhin macht sie sich auf die abenteuerliche Reise zu einem abgelegenen "Manchodorf" in der Sierra de Gredos, um einem "Autor" ihr Leben -- und ihre Lieben -- zu erzählen. In Nuevo Bazar, Polvereda, Pedrada oder Candeleda trifft sie auf allerlei sonderbare Gestalten, auf Maultrommelspieler und "Stadtrandidioten", auf die Sänfte von Karl V. -- und manchmal auf sich selbst: "mich erzähltwerden spüren", selbst zum Bild zu werden, ist dabei das oberste, tröstliche Ziel. Gefährlich wird es immer dann, wenn der Verlust der Bilder der Protagonistin den Boden unter den Füßen zu entziehen droht.
Der Bildverlust ist eine sprachlich weitgehend virtuose, bisweilen anstrengende Gratwanderung zwischen Literatur und Reflexion, Märchen und abstraktem Dichten, Traum und Wirklichkeit: ein schwebender Parforceritt durch die Räume und Zeiten im Niemandsland der Literatur. Über lange Strecken ist dieses artistisch verspiegelte Changieren Handkes genauso aufregend zu verfolgen wie die Reise der Bankiersfrau über die verschneite, fast 200 Kilometer lange Gipfelflur in der Sierra de Gredos. Nur hin und wieder hätte man sich die eine oder andere Straffung des Geschehens sehr gewünscht. Und sicher wird es auch viele Leser und Kritiker geben, die sich nicht zurechtfinden (wollen) in Handkes hoch artifizieller, von Neologismen gespickter Welt. Wer aber Mein Jahr in der Niemandsbucht mit Gewinn gelesen hat, der wird von der symbolgewaltigen Metaphorik des Bildverlusts begeistert sein. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Dabei kann es einem durchaus so scheinen, als verlöre man sie (eben die Bilder) ab und an und die Kritik einiger Leser, sie verstünden beim besten Willen dieses und mitunter auch das andere nicht und damit hätten sie einen Verlust ausgemacht, ist verständlich.
Aber, aber: diese patchworkartige Zusammensetzung kunstvoller und liebevoller Gebilde gibt sehr viel beim genauen und wiederholten Lesen. Zum Beispiel das Bild eines weinenden Kindes, das von hinten gesehen achselzuckend in sich weinend durch den Wald schreitet und zum Himmel schreit in seiner Einsamkeit. Und so geht es weiter mit dem Beschreiben von Episoden, wobei das Wandern ( Eichendorffs "Taugenichts" grüßt!) eine Vorliebe des Autors ist und Spanien diesmal sein Weg.
Allein diese aus dem Innersten gefühlten und auch vermittelten Bilder bringen das Ganze zum ergreifenden Schwingen und so ist es ein Genuß für den gesammelten und langsam lesenden Beobacher (oder für die Beobachterin!) dieses mit Roman betitelte Werk ganz in sich aufzunehmen und etwas daraus zu machen. Außerdem handelt es sich hierbei um die Beschreibung einer Verbindung von Auftraggeberin und Autor, also auch um eine verwickelte Liebesgeschichte, die es in sich hat.
Der nachhaltige Eindruck auf den Leser (die Leserin), das ist es ja, was Peter Handke immer wieder versucht zu erreichen.
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