3.0 von 5 Sternen
Kaum Neues, 16. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Bildung im Alter: Bildungsinteressen und -aktivitäten älterer Menschen. Beitrag zu einer Bildungstheorie des Alters (Taschenbuch)
Mit dieser in Buchform veröffentlichten Dissertation soll, so der Klappentext, ein ewiges" Thema unter neuen Aspekten entfaltet werden: Die Alten-Bildung.
Nun haben es solche wissenschaftlichen Schriften an sich, dass sie in erster Linie den Grundanforderungen des wissenschaftlichen Betriebes zur Erlangung eines akademischen Titels genügen müssen. Und so kann und sollte man auch bei der vorliegenden Schrift den größten Teil überspringen: Da wird zunächst grundlegendes zu Altern in unserer Gesellschaft" und zum Bildungsbegriff" gesagt, der Zusammenhang und die Unterschiede zwischen Lernen und Bildung" wird untersucht und in aller - sicherlich wissenschaftlichen notwendigen - Breite wird die der Untersuchung zugrunde liegende empirische Studie vorgestellt. Die präsentierten Ergebnisse bringen zunächst nichts Neues, was die Autorin auch offen zugibt: Alte Menschen stellen keine homogene Gruppe dar, das Altersbild ist differenziert zu betrachten, es können keine allgemein gültigen Aussagen zum Werden und Wollen älterer Menschen getroffen werden." Die Alterskultur in unserer Gesellschaft ist vielfältig.
Nun gut - das haben wir also auch schon vorher gewußt, leider auch schon in besserem Stil gelesen.
Interessant ist das Buch aber in einer Hinsicht: Angela Anding plädiert überzeugend vor diesem soeben skizzierten Hintergrund dafür die Geragogik (Altenbildung) als gleichberechtigten Teil neben Pädagogik und Andragogik (Erwachsenenbildung) zu etablieren. Gerade weil Bildung im Alter so vielfältig geworden ist: Allgemeinbildende, kulturelle, philosophische, soziale und rechtliche Inhalte sind hier zu finden und anders zu untersuchen und zu bewerten als bei Jugendlichen" und sog. Erwachsenen, deren Definition durch die (potentielle) Teilnahme am Berufsleben gekennzeichnet ist. Geragogik jedoch - darin folgt Anding Ludger Veelken - hat es zu tun mit Lebensbewältigung und -gestaltung, mit Selbstverwirklichung und Empowerment. Und da die Biographien älterer Menschen nach Ansicht der Autorin heute und morgen vielfältiger zu sein scheinen als früher, wird dies auch für die Nachfrage nach Bildungsangeboten gelten. Die Bildungsträger und -anbieter müssen sich darauf einstellen. Eine eigenständig entwickelte und etablierte Geragogik könnte hierfür nützlich sein.
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