Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Viel zu lesen - und genug Kontroverse für viele unterhaltsam, 13. April 2000
Von Ein Kunde
Über das Buch von Schwanitz ist schon eine Menge geschrieben worden und sein hochgesteckter Ansatz eines „Bildungskanons" wohl auch zurecht von verschiedenen Seiten unter Beschuß geraten. Dennoch ist sein Vorhaben eigentlich ein edles: Am Ende des Jahrhunderts einen gerafften Querschnitt von all dem zusammenzufassen, was zum „Handwerkszeug" abendländischer Kultur gehört - und eine Anleitung zu seiner Benutzung mitzuliefern. Das Ganze ist weitgehend gelungen, auch wenn es etwas länger gebraucht hat als ich dachte, um mich durch das Werk zu kämpfen. Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Die einzelnen Abschnitte haben zum Teil ein so unterschiedliches Niveau, dass es mir schwer fiel, einen klaren Adressatenkreis vorzustellen. Der Geschichtliche Teil ist klar, knapp, aufgeräumt und unterhaltsam. Ich musste mich immer wieder wundern, wie man so vieles in eine so kompakte Form bringen kann. Das bringt leider auch die Gefahr mit sich, dass eingestreute Bewertungen des Autors, die durchaus zu kontroversen Diskussionen Anlaß geben, unreflektiert in den Text einfließen und ohne kritischen Abstand leicht für bare Münze genommen werden können. Demgegenüber fand ich die Abschnitte über modernes Theater, Kunst und die Philosophie des 20. Jahrhunderts hart an der Grenze dessen, was man im Rahmen eines solchen Werkes verdauen kann. So teilte der fiktive Diskurs moderner Dramatiker viele von den Eigenschaften, die mein Interesse an dieser Kunstform ursprünglich erlahmen ließen. Da musste ich mich wirklich durchbeißen. Der zweite Teil über die Fertigkeiten im Umgang mit Bildung besticht durch eine ironische Distanz, die sich leicht aus der intimen Kenntnis akademischer Kommunikationsformen erklärt. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass sich Schwanitz selbst ad absurdum führt, wenn er zunächst mühevoll aufzeigt, was man denn alles zu wissen und zu verstehen hat, um dann aufzuzeigen, dass das Gespräch über kulturelle Themen letztlich nichts anderes ist als eine Scharade, in der jeder vor dem anderen nach Kräften zu verbergen sucht, dass er eigentlich von der ganzen Geschichte überhaupt nichts versteht. Trotzdem: lesen lohnt!
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158 von 166 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wie verhält man sich "gebildet"?, 17. März 2007
Über was sollte man Bescheid wissen? Was "muss" man wissen?
Die Zahl der Themen und Gegenstände, über die es Bescheid zu wissen gilt, ist nicht klein, aber mit ein wenig Engagement kann man sich innerhalb einiger Wochen schlau machen. Und zwar mit diesem blitzartigen Streifzug durch den Grundstock des humanistischen Bildungsguts, adressiert an alle Interessierten, an Gebildete wie Ungebildete gleichermaßen.
Ihnen widmet Schwanitz die erste Hälfte (knapp 400 Seiten) des Bandes unter dem Thema "Wissen". Das ist pointiert, witzig und, und tatsächlich erhellend dahingeplaudert.
Der eigentliche Kern aber ist der zweite Teil, der sich damit beschäftigt, das im ersten Teil erworbene Wissen "gebildet" anzuwenden. Er steht unter der Überschrift "Können". Ein "Schmankerl" und der heimliche Höhepunkt des Buchs sind seine Ausführungen über "Regeln, nach denen man unter Gebildeten kommuniziert" und Sachgebiete, die man in "gebildeter Gesellschaft" lieber unter den Tisch fallen lässt: Fußball, europäische Königshäuser, Fernsehprogramme...
Die Gewichtung, die Schwanitz vorgenommen hat, ist unter dem Anspruch des Buches "Alles, was man wissen muss" auf jeden Fall als gewagt zu bezeichnen.
Es ist schon an anderer Stelle kritisiert worden, dass die Naturwissenschaften praktisch ganz fehlen, da ihnen nicht einmal ein eigenes Kapitel gewidmet wird. Es verstecken sich lediglich knapp 20 Seiten zwischen Philosophen und anderen (großen) Geistern, in denen der Leser dann schnell etwas zu Wissenschaft allgemein sowie zu Darwin, Einstein und Freud erfährt.
Der Stil ist locker, ein wenig schnoddrig und setzt andererseits schon einiges voraus.
Es wird eher der an dem (Hör-)Buch Freude haben, der alles Behandelte schon mehr oder weniger wusste und sich über die ironischen Querverbindungen und Seitenhiebe freuen kann. Ob ein völlig Ungebildeter mit dem Werk allzu viel anfangen kann, wage ich zu verzweifeln.
Zu viele Fremdwörter oder zu komplizierte Sätze enthält das (Hör-)Buch für mich nicht, ich bin allerdings als Vielleser/-hörer für eine solche Beurteilung eher ungeeignet.
Fazit:
Wer schon viel weiß oder einige Lücken füllen möchte, kann sich dieses Werk durchaus kaufen - er kann sicher etwas dazulernen, allerdings vor allem auf den Gebieten, über die auch viel geschrieben wird, also sicher nicht über Natur- oder Wirtschaftswissenschaften.
Wer noch nicht soviel weiß, sollte sich nicht zu viel versprechen und auch damit rechnen, einiges nicht oder falsch verstehen zu können, weil eigentlich eine ganze Menge vorausgesetzt wird.
Ob zehn Minuten vor einem Termin oder entspannt am Wochenende auf dem Sofa - der Griff zur Bildung ist durch dieses Hörbuch denkbar einfach. Und so macht sie auch Spaß.
"Eine Frechheit, ein Vergnügen und eine längst fällige Provokation", urteilte "DIE ZEIT" - ich schließe mich dem an.
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97 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Leider zu einseitig, 1. Januar 2001
Von Ein Kunde
Wer sich für eine amüsante und sehr kompakte Beschreibung vor allem der europäischen Geschichte interessiert, dürfte sich über die ersten knapp 200 Seiten freuen.Auch die Abschnitte über Literatur, Kunst und Musik können einem diesbezüglichen Laien, wie auch ich einer bin, Neues vermitteln. Daß eine solche Art der Zusammenfassung nicht frei von persönlicher Wertung sein kann, dürfte jedem klar sein. Kritische Anmerkungen anderer Leser, diese Zusammenfassungen befänden sich auf Bild-Zeitungsniveau, kann ich nicht nachvollziehen. Die behandelten Themen sind sicherlich dazu geeignet,einem Leser mit durchschnittlichen Vorkenntnissen, einige neue Erkenntnisse zu bescheren, bzw. vergessenes Schulwissen wieder zu erlangen. Aber gerade bei der Auswahl der Themen liegt das Problem : Der Autor unterliegt nämlich, wie viele andere Geisteswissenschaftler, dem Irrtum, nur ihre eigenen Themen als wissens-notwendig zu erachten. Sieht man von dem sehr verworrenen Abschnitt über Einstein ab, so werden keine Naturwissenschaftler und deren Arbeiten vorgestellt. Darüber hinaus, erklärt der Autor ausdrücklich, naturwissenschaftliche Kenntnisse seien für den gebildeten Menschen nicht nötig ! Gerade eine solche Meinung zeigt, wie schwer sich der Autor damit tut über seinen eigenen, wohl leider begrenzten, geistigen Horizont hinauszublicken. Deshalb kann ich dieses Buch nur demjenigen empfehlen, der sich sehr kompakt über die wichtigsten Aspekte von Geschichte, Literatur, Kunst und Musik informieren möchte.
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