Der Film verfügt über hervorragende Schauspieler, darunter Helmut Berger als überzeugend narzißtischer Dorian Gray mit bezwingender erotischer Strahlkraft, sowie in sämtlichen Nebenrollen typgerecht und feinsinnig agierende Schauspieler. Auch die ästhetische Qualität des Films ist mehr als "interessant", beispielsweise enthält der Film fast tanztheater-hafte Sequenzen, wenn Dorian alias Helmut Berger im Swimmingpool lasziv sich mehr räkelt denn schwimmt. Ebenso gibt es zahlreiche kameratechnisch mutige und fast "experimentelle" Passagen wie etwa radikale Schnitte und besondere ästhetisch durchkomponierte Bildkompositionen. Die Aufgeschlossenheit der 70er Jahre, sowohl was die sogenannte "sexuelle Befreiung" betrifft, wie auch die Auflösung von klassischer Ästhetik und Bildstrukturen, sowie die moderne schwül-vieldeutige Musik geht hier eine äußerst schlüssige Verbindung mit dem Roman Oscar Wildes ein. Denjenigen, die dem Film eine zu große Ferne zum Roman vorwerfen, da der Film in der Austattung nicht das Originalkolorit der Ursprungszeit zitiert,sei entgegenzuhalten, daß im Gegenzug die Geschichte sehr werkgetreu -allerdings in modernem Ambiente-erzählt ist und die im im Roman so wichtigen Gespräche-z.B. zwischen Dorian und Lord Henry- umfassend zitiert sind.
Der Film ist eben zum Glück kein tumbes Gruselspektakel, sondern er nimmt die philsophisch-moralisch-emanzipatorische Ebene des Romans - also u.a. die Auseinandersetzung mit Jugendwahn, offener Sexualität und menschlichen Bindungen-deutlich ernst , und findet dafür eine aufregende adaquäte moderne Bebilderung.
Ein heraurragender Film!