Ich las den Buchtitel "Bilderbuch der Wüste" mit dem Untertitel 'Maria Reiche und die Bodenzeichnungen von Nasca' und war eigentlich der Meinung, Detailierteres über die Scharrbilder von Nazca (Nasca) zu erfahren.
Offensichtlich hatte ich zu ungenau gelesen! Es stand schon dabei: BIOGRAPHIE.
Als das Buch bei mir ankam, war ich etwas enttäuscht, vertiefte mich aber sondann in diese neue Lektüre und war auf einmal begeistert. Selten las ich ein biographisches Werk mit einem solchen Informationsgehalt. Je weiter ich las umso näher kam ich dieser besonderen Frau. Sie muss schon ein ganz eigener Charakter gewesen sein, mit einer Willensstärke ausgestattet, die nicht vielen Menschen eigen ist. Sie muss aber auch eine besondere Persönlichkeit gewesen sein, die viele Menschen in ihrem Umfeld in den Bann zog und die mit ihrer Beharrlichkeit Respekt erzeugte.
Ich nehme an, dass sie eine Frau war, die ihre Emotionen sehr im Griff hatte und sich daher auch deshalb so in dieser Materie vertiefen konnte. In ihrer Forschung gab es offensichtlich keine Rückschläge - wie denn auch. Hatte sie doch keine vorgefasste Meinung zu diesen phänomenalen Scharrbildern und erwartete sich daher von ihrer Arbeit nicht die Bestätigung einer vorgefassten Meinung.
Der Titel des Buches ist aber sicherlich irreführend. Es geht viel weniger um die "Pisten, Linien und Figuren" der Nasca-Ebene sondern vielmehr um Maria Reiche. Man erfährt zwar, welche Meinung Maria Reiche auf Grund ihrer Forschungen hatte, erfährt aber auch, dass diese Ergebnisse bis heute nicht bestätigt sind. Man liest aber auch, dass es der Beharrlichkeit dieser beonderen Frau zu verdanken ist, dass dieses einzigartige Kulturgut nicht der Zerstörung preis gegeben wurde; ja sogar in die Liste der UNESCO-Kulturgüter aufgenommen wurde.
Deprimierend aber wenn man erfährt, wie lange Maria Reiche am Hungertuch nagend und eigentlich als Bettlerin durch die Lande ziehen musste, nur weil sie Forschungen betrieb, die keinem Wissenschaftszweig eindeutig zuzuordnen waren. Erst zu einer Zeit, als sie ihr Lebenswerk eigentlich schon vollbracht hatte, waren die öffentlichen Stellen mit Geldern und Ehrerbietungen zur Stelle - aber wohl auch nur deshalb, weil man sich damit materiellen Profit erwartete.
Ich finde das Buch absolut lesenswert - es ist lehrreich und unterhaltend zugleich!