mit einer Behutsamkeit aufgegriffen, dass es fast Zerbrechlichkeit gleicht. Mit einer dem Leben nahe stehenden Realität, die angreift. „Bilder von ihr" zeigt die jahrelange Flucht einer jungen Frau vor einer Beziehung, ein Suchen, Loslassen und Weiterziehen, ihre Angst Bindungen einzugehen. Es zeigt die Erinnerung an die tote Geliebte, die nur durch Verweigerung des fröhlichen Lebens sichtbar wird, aber dass es dennoch „weitergeht". Die Verarbeitung der Lebensgeschichte von Thea im Deutschland der späten 80er Jahre. Der Blick auf Ost- und Westrealität, aber vor allem auf die Lebensumstände der schwul-lesbischen Community in Berlin, denn es ist eine Generation, die früh stirbt, wie Thea feststellt. Durch Unfälle, durch Aids, und trotzdem muss dem Leben standgehalten werden. Eine mitunter verstörende Geschichte, ein bekennendes Anderssein, das realistisch gelebt und vor Augen geführt wird. Thea, die Protagonistin des Romans, die sich mit Hilfe von Gelegenheitsjobs durchschlägt. Suzannah, Reisefotografin, die Frau, die nichts von ihr fordert, die ihr Raum und Zeit lässt und schließlich zu ihrem Lebensmenschen wird, die Thea aber dennoch durch einen Verkehrsunfall verliert. So wie sie ihren Vater als Kind durch einen Gehirntumor, und ihre Mutter als Jugendliche verloren hat. Thea geht nach Paris, in Suzannahs Heimatstadt, um ihr Leben neu zu ordnen, dort entsteht ein Buch, dieses Buch, „Bilder von ihr".
Es ist keine leicht verdauliche Geschichte, die Karen-Susan Fessel schildert, aber sie verfällt dabei nicht dem Kitsch oder der Pathetik, sondern bringt uns eine Geschichte durch eine harte, klare und überaus strukturierte Sprache näher! Sie setzt nicht auf Gefühlspathos, sondern auf einen Leser, der sich einlassen muss. In aufwühlenden Bildern werden Gefühle ihrer Figuren ans Tageslicht gefördert, Verlustängste, Freuden, Wünsche und Hoffnungen sondiert. Wer leichte, unterhaltende Sonntagskost verlangt, der sollte besser zu einer anderen Lektüre greifen, wer hingegen auf literarisch hochwertigem Niveau einen subversiven Blick auf die Berliner Szene der Achtzigerjahre gezeigt haben möchte, dem oder der rate ich dringlichst zu diesem Buch! Lebensrealität, die den unverhüllten Blick auf den Tod zeigt, die nicht, wie die heutige so genannte Spaßgesellschaft dieses Thema schlichtweg negiert. Es ist ein Buch, das leise, aber mit einer großen Kraft aufrüttelt, das für so manche, die den Schmerz durch Verlust kennen, große Bedeutung haben wird, weil Wahrheit klar und blank, unverblümt, geschildert wird. Und die Autorin ist nur dafür zu loben mit welcher Genauigkeit, Distanz und vor allem strukturierten Klarheit sie den Stoff dieses Buches näherbringt. Leben wird erzählt, die Geschichte einer einzigartigen Liebe, manchmal schrill oder schroff, dann wiederum zurücknehmend leise, aber niemals rosafarben angemalt. Leben, hart oder beschwingt, einsam oder unter vielen Menschen, vorbeirauschend und flüchtend oder intensiv gelebt, verweigernd und erinnernd, aber immer mit dem Mut weiterzumachen. Eine eigene Form der Intensität und Spannung geschildert in der Beziehung zwischen zwei Frauen. Ein kompromissloses und mutiges Buch. Leben und Tod - „Bilder von ihr".