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Der Berliner TU-Professor setzt historisch dort an, wo der christlich motivierte Antijudaismus ("Juden sind Gottesmörder") weitgehend abgelöst wird durch den pseudowissenschaftlichen Antisemitismus ("Juden sind eine minderwertige Rasse und planen eine Weltverschwörung"), und zeigt, dass beide Spielarten von Judenfeindschaft durchweg Bilder als Kristallisationskeime benötigen. Mündliche Überlieferung, oft folkloristisch vulgär, aber gleichwohl militant, schlägt sich nieder in Filmen, Schauspielen, Liedern, kultischen Handlungen und nicht zuletzt in der Literatur. Ikonen deutscher Dichtung, wie Hauff, Fontane oder der junge Heinrich Mann, um nur einige zu nennen, hinterließen unmissverständliche antisemitische Äußerungen. Benz weist darüber hinaus überzeugend nach, dass die viel beschworene deutsch-jüdische Symbiose in der Zeit vor dem Hitlerfaschismus eine Legende ist. Bemerkenswert auch die Untersuchung der späteren Entwicklung vom Umgang mit dem Holocaust anhand der Rezeption und Vermarktung der Tagebücher Anne Franks. Fast zum Lachen sind dagegen bestimmte Formen zwanghafter Annäherung an das Judentum, sozialpädagogischer Philosemitismus sozusagen, der wieder gutmachen will, was nicht wieder gutgemacht werden kann.
Benz hat einen Leitfaden zusammengestellt über Ergebnisse, aber auch Perspektiven und weitere Aufgaben der Antisemitismusforschung, die eigentlich keine Einzeldisziplin ist, sondern quer durch die universitären Fachbereiche geht. Bilder vom Juden spricht daher eher Studierende und Dozenten als Normalverbraucher an. Letzteren sei Julius H. Schoeps und Joachim Schlörs Buch zum gleichen Thema empfohlen: Antisemitismus, Vorurteile und Mythen. --Jürgen Grande
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
VORURTEILE UNTERSPÜLEN DEN GEIST,
Von
Rezension bezieht sich auf: Bilder vom Juden: Studien zum alltäglichen Antisemitismus (Taschenbuch)
Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus erforscht tradierte und noch immer vorhandene antisemitische Stereotypen im deutschen Sprachraum, die heute nicht mehr als offener Antisemitismus vertretbar, aber verdeckt wirksam sind. Benz bedient sich hierbei vor allem aus literarischen und intellektuellen Beiträgen wie Rainer Werner Fassbinder, Heinrich Mann, Theodor Fontane und durchstreift die deutsche und schweizerische Vergangenheit und Gegenwart, um Klischees und judenfeindliche Darstellungen zu zerlegen. Zehn Beiträge aus der Feder des Zeitgeschichtlers sezieren den „alltäglichen Antisemitismus“. Benz zeigt die Tradition des Bildes vom mächtigen und reichen Juden auf. In der Literatur findet er eine reichhaltige Geschichte dieses Stereotyps, angefangen bei christlichen Schmähungen der Juden als Gottesmörder, Wucherer und Brunnenvergifter, die sich festsetzten und zu unverrückbaren Vorurteilen wurden. Sie wirken noch heute, wenn im Kontext der Zwangsarbeiterentschädigung behauptet wird, die wohlhabenden Juden aus Amerika würden sich skrupellos bereichern und hätten doch eigentlich schon längst genug Geld abkassiert. Einen neuralgischen Punkt in der Geschichte des Antisemitismus macht Benz in den „Protokollen der Weisen von Zion“ aus. Er zeigt, wie aus einer dubiosen und frei erfundenen Verleumdungsschrift aus dem 19. Jahrhundert nach und nach eine mythische Verschwörungstheorie entstand, die sich weltweit verbreitet und etabliert hat. Aus einem fanatischen Gespinst, so zeigt Benz, kann rasch ein gesellschaftlich wirkendes Vorurteil werden.Mit großer Übersicht blickt Benz auf die öffentliche Spannung zwischen Antisemitismus und ihrer Gegenposition, auf die stets wiederkehrenden Rufe nach „Normalisierungen“ und die schwierige Gemütslage der wachsenden jüdischen Gemeinde in Deutschland. Vor diesem Hintergrund kommt er schließlich auf die gesellschaftliche Rolle der Antisemitismusforschung zu sprechen. Benz fordert für sie einen ausdefinierten und wichtigen Stellenwert. Vereinfachende Erklärungen seien nicht genügend, um die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verstehen und ihre Probleme zu beseitigen. Deswegen glaubt Benz daran, dass ein Ausbau der deutschen Antisemitismusforschung dringend notwendig ist. Auch, um andere Gruppen vor den Auswirkungen von Vorurteilen zu schützen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dieses Buch sollte Teil der Schullektüre sein,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Bilder vom Juden: Studien zum alltäglichen Antisemitismus (Taschenbuch)
Wolfgang Benz war mir noch kein Begriff, als ich sein Buch in die Hand nahm. Angesichts der vielen Fragen, die besonders ein junger Deutscher in sich trägt, und A) niemanden hat, der ihm Antworten liefert, oder B) die Fragen nicht formulieren kann (oder traut), und C) ermahnt wird, nicht solche Fragen zu stellen. Als Jude weiß ich, wie schwer es in Dtld fällt, einen sachlichen Dialog zu führen. Benz gelingt es, zwischen rein akademischem Diskurs und der sonst ziemlich ins Triviale abgleitenden Form über diese Phänomene zu schreiben. Sicherlich reizt dieses Buch niemanden, der sich von der Seite der "Weisen von Zion" (leider gibt es einfache Menschen, die nicht die Reichweite solcher Texte erkennen, und es garnicht "böse" meinen) nähert, dazu ist es viel zu wenig "spannend".Für wichtig halte ich seine Anmerkungen, daß das keine Phänomene sind, die auf Juden eingeschränkt sind, die bilden nur immer das historische Paradebeispiel von Xenopohobie. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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