Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus erforscht tradierte und noch immer vorhandene antisemitische Stereotypen im deutschen Sprachraum, die heute nicht mehr als offener Antisemitismus vertretbar, aber verdeckt wirksam sind. Benz bedient sich hierbei vor allem aus literarischen und intellektuellen Beiträgen wie Rainer Werner Fassbinder, Heinrich Mann, Theodor Fontane und durchstreift die deutsche und schweizerische Vergangenheit und Gegenwart, um Klischees und judenfeindliche Darstellungen zu zerlegen. Zehn Beiträge aus der Feder des Zeitgeschichtlers sezieren den „alltäglichen Antisemitismus“. Benz zeigt die Tradition des Bildes vom mächtigen und reichen Juden auf. In der Literatur findet er eine reichhaltige Geschichte dieses Stereotyps, angefangen bei christlichen Schmähungen der Juden als Gottesmörder, Wucherer und Brunnenvergifter, die sich festsetzten und zu unverrückbaren Vorurteilen wurden. Sie wirken noch heute, wenn im Kontext der Zwangsarbeiterentschädigung behauptet wird, die wohlhabenden Juden aus Amerika würden sich skrupellos bereichern und hätten doch eigentlich schon längst genug Geld abkassiert. Einen neuralgischen Punkt in der Geschichte des Antisemitismus macht Benz in den „Protokollen der Weisen von Zion“ aus. Er zeigt, wie aus einer dubiosen und frei erfundenen Verleumdungsschrift aus dem 19. Jahrhundert nach und nach eine mythische Verschwörungstheorie entstand, die sich weltweit verbreitet und etabliert hat. Aus einem fanatischen Gespinst, so zeigt Benz, kann rasch ein gesellschaftlich wirkendes Vorurteil werden.
Mit großer Übersicht blickt Benz auf die öffentliche Spannung zwischen Antisemitismus und ihrer Gegenposition, auf die stets wiederkehrenden Rufe nach „Normalisierungen“ und die schwierige Gemütslage der wachsenden jüdischen Gemeinde in Deutschland. Vor diesem Hintergrund kommt er schließlich auf die gesellschaftliche Rolle der Antisemitismusforschung zu sprechen. Benz fordert für sie einen ausdefinierten und wichtigen Stellenwert. Vereinfachende Erklärungen seien nicht genügend, um die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verstehen und ihre Probleme zu beseitigen. Deswegen glaubt Benz daran, dass ein Ausbau der deutschen Antisemitismusforschung dringend notwendig ist. Auch, um andere Gruppen vor den Auswirkungen von Vorurteilen zu schützen.