Aus der Amazon.de-Redaktion
Seit 1998 findet im Jugendstilambiente eines ehemaligen Wasserkraftwerks alljährlich das Kammermusikfest Spannungen: Musik im Kraftwerk Heimbach statt. Spannende und kontrastreiche Konzerte zu bieten, das hat sich der künstlerische Leiter des Festivals, Lars Vogt, vorgenommen. Vogt, gefragtester Pianist seiner Generation, spielte in der vorliegenden Aufnahme -- live mitgeschnitten auf dem Festival 2001 -- die Urtextfassung von Mussorgskys
Bilder einer Ausstellung aus dem Jahre 1874. Neu war auch das bis dato außergewöhnliche Konzept: die einzelnen Bilder zu verbinden mit Texten von Hugo, Heine, Busch, Kafka, Jelinek und Dante und anderen, die der Kabarettist Konrad Beikircher rezitiert.
Mussorgskys tonmalerische Prägnanz hatte 1922 den französischen Komponisten Maurice Ravel zur wohl bekanntesten Orchestrierung des Werkes inspiriert. Lars Vogt, ebenso fasziniert von Mussorgskys Tonsprache, holte nun die archaische Urtextfassung aus ihrem Schattendasein. Die Partitur verlangt dem Spieler höchstes technisches wie auch interpretatorisches Können ab: Wuchtige Akkorde nimmt der junge Pianist mit Leichtigkeit; melodische Passagen singt er ruhevoll aus.
Die CD Bilder einer Ausstellung bietet nach Worten der Künstler "Assoziationen, Blicke in parallele Universen", wobei der Wechsel zwischen Wort und Musik durchaus gelingt. Nur -- warum nahm sich Vogt nicht einen Schauspieler zur Seite? Einen Profi mit geschulter Stimme? Sei's drum: Lars Vogt und Konrad Beikircher nehmen uns mit durch ihre musikalisch-literarische Ausstellung; abwechslungsreiche 80 Minuten lang. Eine Neukombination von Wort und Musik: anknüpfend, konfrontierend, kommentierend. --Beatrix Gillmann