Die bedrückenden Bilder von den Terroranschlägen vom 11.9.2001 auf das New Yorker World Trade Center oder von der Tsunami-Katastrophe Ende Dezember 2004 - sie haben sich quasi in unser Gedächtnis eingebrannt. In der modernen Mediengesellschaft sind es immer wieder Bilder, die die Kraft besitzen, Geschichte zu machen und zu schreiben. Doch schon vor hundert Jahren wurden Bilder global, ja sie wurden zu Medienikonen. Das Medium Fotografie spielte hierbei eine entscheidende Rolle, denn sie ermöglichte die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Bildern.
In dem vorliegenden Bild-Text-Band haben es sich der Herausgeber Gerhard Paul und sein Autorenteam von 26 renommierten Medienwissenschaftlern und Historikern zur Aufgabe gemacht, die komplexe Kraft dieser Medienikonen anhand von 33 wirkungsmächtigen Beispielen sichtbar zu machen.
Die Auswahl beginnt mit einem Foto des deutschen Kaisers Wilhelm II. in klassischer Herrscherpose. Der "Mann mit dem Adlerhelm" war wohl der erste Medienstar der Neuzeit. Er war unermüdlicher Lieferant farbenprächtiger Bilder und so wurde er um 1900 zur meistabgelichteten Person weltweit. Bis heute gab und gibt es immer wieder diese personifizierten Bildikonen, von Josephine Baker bis zu Marilyn Monroe, von Che Guevara bis zu Johannes Paul II.
Weitere eindrucksvolle Beispiele der Macht der Bilder, die mit ihrem historischen Hintergrund dargestellt werden, sind der Untergang der Titanic, die Havarie des Luftschiffs LZ 129 in Lakehurst, die Mondlandung von Apollo 11 oder der Fall der Berliner Mauer am Abend des 9. Novembers 1989.
Dass die zurückliegenden hundert Jahre reich an schrecklichen Kriegen und militärischen Auseinandersetzungen waren, beweisen auch zahlreiche Bildbeispiele in dem vorliegenden Band. Die "Ermordeten auf Kertsch 1942", "Der Junge aus dem Warschauer Getto" oder "Der Schuss von Saigon" sind nur einige dieser grausamen Bildbotschaften. Da ist das Plattencover des Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" als Bildinventar der Popkunst fast ein einsamer Trost.
Neben den zahlreichen Abbildungen besticht der Band vor allem durch seine ausführlichen Bildanalysen, wobei die historische Problematik im Mittelpunkt steht. Neben dem Bildinhalt werden aber auch deren Wirkungsmechanismus und der Stand der Bildtechnik beleuchtet.
Fazit: Der Bild-Text-Band wirft einen neuen und überaus interessanten Blick auf die Weltgeschichte der letzten hundert Jahre.
Manfred Orlick