Sauers Buch handelt das Thema "Bilder im Geschichtsunterricht" umfassend ab. Es präsentiert Interpretationstechniken, Möglichkeiten zum Einsatz von Bildern und systematisiert Bildtypen nach Themen und Techniken. Ein Abschlusskapitel ist den visuellen Handschriften gewidmet.
Die Stärke des Buchs ist ohne Frage die Präsentation unzähliger Beispiele, von denen sich viele im Unterricht einsetzen lassen. Wer also Anregungen zur konkreten Unterrichtsgestaltung haben will, wird hier fündig.
Das Buch ist aber mit Problemen verbunden. Es hat nicht die Absicht, ein unmittelbares Praxiswerk zu sein, sondern möchte das Thema eher aus der theoretischen Perspektive der Fachwissenschaft abhandeln. Die Ordnung und Präsentation der Bilder ist nicht auf Unterrichtsabläufe abgestimmt, d.h. es ist für den Lehrer umständlich, bestimmte Beispiele wiederzufinden. Als "Handbuch für den Unterricht" ist es ungeeignet, seine Klassifizierungen und Typologisierungen sind zwar zustimmungsfähig, aber unpraktisch.
Der theoretische Anspruch des Buches wird zudem nur ungenügend eingelöst. Bei den Interpretationstechniken beschränkt sich Sauer auf die Darstellung von Erwin Panofsky und damit auf ein Theoriegerüst, das immerhin schon knapp 80 Jahre alt ist. Hier vermisst der Leser gänzlich Aktualität: neuere Erwägungen der Bildinterpretation, die in der universitären Debatte reichlich vorgetragen wurden, ignoriert Sauer gänzlich. Mit dem alleinigen Rückbezug auf ein Konzept der 30er-Jahre vergibt Sauer Chancen, die für den Geschichtsunterricht der Gegenwart von höchster Bedeutung wären.
Es ist noch zu sagen, dass es sich bei dem Buch entgegen dem irreführenden Titel um eine gebundene Fassung (es gibt keine Taschenbuch-Fassung) handelt.