An der Reihe Beck kompakt schätze ich die straffe Darstellung des dargebotenen Stoffes. Mühelos lassen sich die in knapper Form dargebrachten Grundlagen der Bilanzierung und der Analysemethoden nachschlagen.
Das Blöde beim Thema Bilanzanalyse ist jedoch, dass es genau so viele Analysen wie Analytiker gibt. Auf diesen Umstand geht der Autor leider nicht ein, wofür jedoch der geringe zur Verfügung stehende Platz nicht der Grund sein dürfte. Gerade um das Verständnis für diese komplexe Thematik zu schärfen, muss der Umstand, dass etliche Kennzahlen auf verschiedene Weisen ermittelt werden, zumindest erwähnt werden. Dass "moderne" Kennzahlen wie EBIT und EBITDA häufig auf unternehmenseigenen Definitionen basieren und kaum vergleichbar sind, unterschlägt der Autor genauso wie die den Umstand, dass es sich beim Thema Cashflow um eine äußerst komplexe Thematik handelt. Die Aussage "Der Cashflow ist als Kennzahl exakter als der Jahresüberschuss, denn er spiegelt die Innenfinanzierungskraft wider" kann so nicht stehen gelassen werden, ebenso wenig wie: "Der Cashflow gibt die Ertrags- und Finanzkraft genauer wieder." Auf die Ertragskraft trifft das nun überhaupt nicht zu! Merkwürdig auch, dass das Thema Cashflow vollkommen verfehlt unter der Überschrift "Rentabilitätsanalyse" abgehandelt wird.
Hanebüchen ist der Versuch, bei Kennzahlen eine Grenze festzulegen, woraus fatale Schlussfolgerungen gezogen werden: So sollte z. B. dem Autor zufolge der Verschuldungsgrad (Quotient aus Fremd- und Eigenkapital) nicht größer als 1 sein, also das Fremdkapital nicht das Eigenkapital übersteigen, weil dann eine stärkere "Insolvenzgefährdung" vorliege. Nur eine Seite zuvor schreibt der Autor, dass ein hoher Anteil langfristigen Fremdkapitals eine "optimale Finanzierungsstruktur" erzeuge. Aha! Ist hohe Verschuldung (also ein hoher Anteil an Fremdkapital) nun gut oder schlecht? Das lässt sich eben nicht pauschal beantworten: Versuche, auf subjektive Weise Grenzen für Verschuldungsgrade einzuführen, sind in der Betriebswirtschaftslehre bislang allesamt gescheitert. Der Autor versucht dennoch, uns diesen alten Hut aufzusetzen.
So gut wie unerwähnt bleibt, dass die zeitliche Entwicklung von Bilanzposten und vor allem Kennzahlen ebenfalls sinnvoll analysiert werden kann, wodurch Schwächen in der Aussagekraft der Kennzahlen teilweise kompensiert werden. Vorsichtshalber wird von vornherein unterschlagen, dass Bilanzen eines Geschäftsjahres ja auch stets die Zahlen des Vorjahres enthalten, um die essenziellen zeitlichen Vergleiche vornehmen zu können.
Ebenso unerwähnt bleibt, dass weitere in einem Jahresabschluss enthaltenen Bestandteile wie der Anlagenspiegel und der Verbindlichkeitenspiegel zusätzliche Informationen liefern, z. B. durch Leasing hervorgerufene Verbindlichkeiten, die ja i. d. R. nicht bilanziell erfasst sind. Das Buch heißt zwar nicht "Jahresabschlüsse lesen und verstehen", aber die Gewinn-und-Verlust-Rechnung ist schließlich auch hinreichend abgehandelt.
Eigentlich ist das Buch für den Laien gedacht, aber genau da liegt das Problem: Der Autor ist um eine leicht verständliche Darstellung bemüht, erliegt aber bei den Kennzahlen der Versuchung, ebenfalls einfache Schlussfolgerungen zu präsentieren. Dass eine sinnvolle Interpretation von Kennzahlen häufig nur zusammen mit der Betrachtung von einzelner Bilanzposten oder außerbilanzieller Zusatzinformationen möglich ist, wird verschwiegen.
Zu guter Letzt ist mir unverständlich, dass ein Jahr nach dem Inkrafttreten des BilMoG noch immer keine Überarbeitung des Büchleins vorliegt.