Nach fast sechs Jahren kehrt einer der ganz Großen auf die internationale Comic-Bühne zurück: Enki Bilal. Erlebte seine Bestsellertrilogie um Alexander Nikopol im Herbst 1992 mit Äquatorkälte ihren furiosen und von vielen internationalen Preisen gekrönten Abschluß, so beschreitet der 1951 in Belgrad geborene Künstler nun neue Wege. Inspiriert durch seine Aufsehen erregenden Projekte im Bereich der Malerei und des Filmschaffens, kreiert Bilal seine auf drei Bände konzipierte, ins nächste Jahrtausend hinweisendende Erzählung auf gänzlich innovative Weise: Der Schlaf des Monsters verzichtet visuell auf die klassische, für das Medium Comic typische Reihung von Bildsequenzen, sondern definiert jedes einzelne Bild und jede Szene für sich: als Einzelbild wie bei der Illustration oder der Malerei, dessen Größe und Wechselwirkung mit den anderen Bildern erst ganz zum Schluß festgelegt wird. Dies ermöglicht dem Künstler die Arbeit am graphischen Storyboard ohne die sonst üblichen Fesseln einer vorab festgelegten Anzahl von Bildern auf jeder Seite. Der Schlaf des Monsters sieht nach Nikopol, Horus und Jill Bioskop erneut drei Protagonisten im Mittelpunkt des Geschehens. Höchst real ihr biographischer Background, der ihre Schicksalslinien auf untrennbare Weise verbindet: Nike, Leyla und Amir erblicken mitten im blutigen bosnischen Bürgerkrieg der neunziger Jahre binnen weniger Tage als Waisen im Krankenhaus von Sarajevo das Licht der Welt. 33 Jahre später sieht sich die Welt mit einer tödlichen Herausforderung konfrontiert: Ein fanatischer religiöser Orden ist in allen Kontinenten auf dem Vormarsch, um die Gemeinwesen zu unterwandern. Sein Name: Obscurantis Order. Sein Ziel: Das Ende des freien Denkens, des Bewußtseins, der Kultur, der Kommunikation und der Erinnerung. Das zu allem entschlossene Vorgehen von Obskurantis Order zieht nicht zuletzt auch die drei Waisen von Sarajevo in seinen Bann: Nike, dessen phänomenales Gedächtnis ihn zum Chefprogrammierer der Zentralbank der Welterinnerung hat aufsteigen lassen, Leyla, die als Astrophysikerin auf der Orbitalstation Hubble IV engagiert ist, und auch Amir, der sich in Rußland als Kopfgeldjäger verdingt. Scheinbar nur zufällig, schließen sich drei individuelle Entwicklungslinien zu einem Kreis, als Nike um ein Haar einem Attentat zum Opfer fällt. Sind die Obskuranten die Drahtzieher? Der Schlaf des Monsters verspricht eine der herausragenden Comic-Erzählungen zur Jahrtausendwende zu werden. Sie dokumentiert als gesellschaftspolitischer Thriller einer nicht fernen Zukunft die Bedrohung der Zivilisation durch Kräfte, die die Geschichte zurückschrauben wollen auf die Zeit vor der Aufklärung und der modernen Ratio. Sie ist ein auch graphisch herausragendes, sehr persönliches Plädoyer für Wissen, Humanität und Verantwortung - von einem der bedeutendsten Comic-Autoren unserer Zeit.

