"Angefixt" von der verheißungsvollen Beschreibung dieses Radwegs durch die Bikeline-Redaktion hatten wir uns in diesem Jahr mit dem Drahtesel in die Schweiz aufgemacht. Leider, leider wurde es am Ende nicht der erwartete Superurlaub. Vielmehr wurden wir von "unserem" Radführer (wir fahren regelmäßig mit Bikeline) erstmals bitter enttäuscht. Zwar bietet dieser Radweg den Fahrern tatsächlich (wie von Bikeline versprochen) spektakuläre Naturschauspiele (Aare-Schlucht, Reichenbachfälle etc.), viele romantische-verträumte Städtchen und eine wirklich wunderbar-märchenhafte Landschaft, ABER für den herkömmlichen Genußradler, der mit Gepäck unterwegs ist und einfach nur Spaß an der Bewegung und der frischen Luft haben will, ist diese Tour trotzdem nur bedingt zu empfehlen. Denn anders als es der verantwortliche Bikeline-Redakteur in diesem Routenplaner schreibt, bietet der Aare-Radweg nicht nur "einen einzigen extrem steilen Anstieg". Wir mussten an den ersten zwei Tagen oft aufgeben, absteigen und schieben. Starke, langgezogene Steigungen sind auf den ersten 140 Kilometern die Regel und NICHT die Ausnahme. Dazu ist der Radweg oftmals nicht befestigt; teilweise geht es auf schmalen, unbefestigten Waldwanderwegen (!) stramm bergrauf. Bis zu zehnprozentige Steigungen müssen da schon mal bewältigt werden. Im Sommer, bei entsprechenden Temperaturen und mit entsprechendem Reisegepäck - alles andere als ein Spaß. Da verliert man dann auch schnell den Blick für die landschaftliche Schönheit. Das wir das nicht alleine so empfunden haben, hat uns sogar ein Schweizer Hotelier bestätigt. Er berichtet von zahlreichen Gästen, die am anstrengenden Auf und Ab des "Aare-Radwegs" verzweifelt seien. In diesem Zusammenhang kritisierte er u.a. auch die Streckenführung von Bikeline. So schickt Bikeline die Radler nach dem verschlafenen Aarberg beispielsweise auf eine vielbefahrene, hügelige Straße, statt sie gemütlich entlang des verkehrsfreien, flach verlaufenenden Aare-Hagneck-Kanal zu lotsen.
Auch das sonst so zuverlässige Unterkunftsverzeichnis von Bikeline lässt dieses Mal zu wünschen übrig: Es ist unvollständig und zu allem Übel fehlen von Hotels, Gasthäusern etc. auch noch die Anschriften - in großen Städten wie Thun oder Bern ein echtes Manko.
Fazit zur Tour: Sporlichen Mountain-Bikern wird der Aare-Radweg sicher gefallen (die Landschaft ist nun einmal einzigartig); wer dagegen lieber gemütlich radwandert, sollte sich für die 280 Kilometer an der Aare zumindest entsprechende Zeit (minimum 5 Tage) nehmen oder ggf. gleich eine weniger anstrengende Route in den Alpen (z.B. Mur) wählen.
Was man ebenfalls wissen muss: Wer in den Sommermonaten den Aare-Radweg fahren will, sollte sich besser vorab um Herbergen bemühen: Wir standen ein ums andere Mal vor ausgebuchten Gasthäusern, Pensionen und Hotels. Und mit müden Beinen weiterfahren zu müssen, ist auf dieser Strecke wirklich eine Strafe. Die Preise in der Schweiz sind übrigens stattlich; gilt sowohl fürs abends Essen gehen, wie für Übernachtungen oder auch den Rücktransport per Schweizer Bundesbahn. Selbst für die Besichtigung der Aare-Schlucht wird kassiert.
Wer mit dem Auo anreist: Parken am Ausgangspunkt (Meiringen) kostet eigentlich überall. Lediglich hinter dem Coop-Supermarkt am Ortseingang (in unmittelbarer Bahnhofsnähe) haben wir einige kostenlose Parkplätze gefunden.
Nicht unerwähnt bleiben sollte zu guter Letzt noch die schlechte Beschilderung des Radwegs. Oftmals fehlen an neuralgischen Punkten enstprechende Hinweise; außerdem ist die Beschilderung des Radwegs(Nummerierung) nicht durchgehend einheitlich (das wechselt von 1 und 4 über 6 bis zu 8/9). Also ohne Karte geht es nicht und da kann der Bikeline-Radatlas dann doch noch weiterhelfen, dafür gibt es deshalb an dieser Stelle von mir auch noch zwei Sterne.