In die ausklingenden Siebziger platzten einige junge rebellische Künstler, die mit nervösem Großstadtrock gegen Disco und Glamrock anspielten. Elvis Costello, die Talking Heads und Joe Jackson, der immer ein wenig im Schatten der anderen stand. Ihre Rebellion äußerte sich nicht in ungezügelter Aggression wie der parallel entstehende Punk, sondern eher in einer zynischen und scharsinnigen Attitüde und "britischem" Intellekt.
So lieferte Jackson nach seinem bahnbrechenden Debüt "Look Sharp" einige bemerkenswerte Alben ab, von denen "Night And Day" und "Body And Soul" die bekanntesten wurden.
Bevor Jackson mit verdrehten Klassikexperimenten verschwand, lieferte er mit "Big World" 1986 sein vielleicht vielseitigstes Album ab. Angelegt als Doppelalbum mit drei Seiten, eingespielt vor einem lautlosen Publikum, schaffte er Musik mit der Präzision eines Studioalbums und der ungestümen Energie eines Live-Mitschnitts. Ihm gelang das Kunststück, seine vielen Einflüsse zu verarbeiten, und trotzdem ein sehr geschlossenes Werk zu schaffen, dass aus den überproduzierten Alben der Achtziger heraussticht.
Er eröffnet mit "Wild West", einem energetischen Rocker, gibt geschmeidigen Pop zum Besten ("Right And Wrong") und schafft sogar verdrehten Songstrukturen wie "Big World" Ohrwurmqualitäten zu verleihen. Auch wenn das Tempo nachlässt bleibt er intensiv. "Fifty Dollar Love Affair" und "We Can't Live Together" sind atmosphärische Schleicher mit explosiven Refrains, und Songs wie "Hometown" erinnert mit ihrer positiven Energie an die Housemartins.
Trotz der sparsamen Instrumentierung gelingt ihm ein durchweg dichter und druckvoller Unterbau. Zusammengehalten werden die Songs von seiner hellen rotzigen Stimme.
Ähnlich wie Fleetwood Mac mit ihrem unterbewerteten Doppelalbum "Tusk" hat Jackson hier all seine Einflüsse in fünfzehn Songs ohne Durchhänger einfließen lassen. Anspruchsvoll und trotzdem nicht verkopft, feinsinnig und trotzdem geradeheraus - ein Meilenstein der Achtziger.