1988 veröffentlicht Tom nach fünfzehn Jahre sein zweites Live-Album. "Big Time" ist eine wunderbare Werkschau seiner 80er Jahre-Phase. Zwei der achtzehn Songs sind Ausflüge in die Spätzeit bei Asylum Records. Und mit "Falling Down" und "Strange Weather" gibt es noch zwei sehr hörenswerte Neu-Einspielungen. Wer keine Lust darauf hat, "Swordfishtrombones", "Rain Dogs" und "Franks wild years" zu kaufen (was irgendwie schwer nachvollziehbar ist) findet hier einen Überblick, der auch gut als Einstieg in die Phase von Toms Werk dienen kann, die einige bis heute als seine beste empfinden.
Natürlich ist auch "Big Time" keine ganz normale Platte. Tom zog es ja schon mit "Franks wild years" auf die Bühne. "Big Time" setzt das nun fort - denn eigentlich ist die Platte der Soundtrack zu einem Konzert- und Musikfilm gleichen Namens, in dem einige wunderliche Dinge passieren. Der Film blieb mir als eine Art überlanges surreales MTV-Video mit kurzen Spielszenen in Erinnerung. Heute nur noch schwer zu bekommen und für Sammler kaum in Gold aufzuwiegen.
Die Live-Mitschnitte der Platte entstanden in Los Angeles, San Francisco, Dublin, Stockholm und Berlin. Die Aufnahmequalität schwankt und ist manchmal nicht ganz befriedigend, da die Band und Tom mitunter merkwürdig weit entfernt klingen - so als hätte die Aufnahme aus der letzten Reihe des Saales stattgefunden. Man hört sich aber schnell rein, zumal die Songs durch die Bank dafür entschädigen. Tom singt hier nicht einfach nur die Essentials der letzten zehn Jahre ab - vielfach handelt es sich um Neuinterpretationen. Vor allem die Songs von "Franks wild years" gewinnen hier eindeutig an Intensität, da sie direkter klingen als auf Toms erstem "Kunstalbum". Schließlich gibt es als Zugabe Kostproben von Toms Qualitäten als Erzähler wunderlicher Geschichten und Moritaten. Und wie er im Mittelteil von "Way down in the hole" über den Herrn zu predigen beginnt - "The Lord is a very, very busy man" - ist sowieso für die Ewigkeit.
Mit "Time" entlässt er uns am Schluss denkbar passend und extrem emotional in die Welt. Wir hatten ein große Zeit zusammen. Mal wieder ist ein Abschluss gemacht. Die 80er gehen zu Ende. Beim nächsten Mal ist alles anders.
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Dies ist der zwölfte Teil meines Annäherungsversuches an den Waitsschen Kanon. Zum Vorgänger gelangen Sie hier: "
Frank'S Wild Years". Weiter geht es mit "
The Black Rider".