Auf der Suche nach dem Zufall in Lebensgeschichten stieß ich - natürlich zufällig und mit Unterstützung von Cover und Titel- auf dieses Buch. Sein Autor, der in Berlin lebende Journalist, Schriftsteller und Dokumentarfilmer Michael Lüders stellt sechs Menschen vor, die in völlig verschiedenen Umfeldern leben und ihre Pläne immer wieder neu zeichnen müssen. Denn so schön die 7-Schritte-Programme der Karriereratgeber auch klingen, so wenig berücksichtigen sie das Unvorhergesehene. Normal ist eigentlich nur, dass sich Sehnsüchte vor allem dann erfüllen, wenn wir ihnen genügend Spielraum lassen.
Besonders gut gefallen hat mir die Geschichte von Mademoiselle Julie, die aus unerfindlichen Gründen immer gleich reagiert, obschon sie weiß, wie unklug es ist, fremden Menschen mit einem Übermaß an Hoffnung zu begegnen. In dieser Erzählung über vierzig Seiten, ist auch der fotografische Blick des Autors spürbar. Wie er die Personen beschreibt und die Dialoge schmiedet erstaunte mich nicht mehr, nachdem ich gelesen hatte, dass Michael Lüders auch Filme dreht.
Ob die sechs Geschichten wahr sind oder nicht, war für mich völlig nebensächlich. Denn Lüders erzählt sie so authentisch, dass man als Leser das Gefühl hat, man könne den geschilderten Personen im wirklichen Leben begegnen, ohne überrascht zu sein. Ob das nun an einem Kebabstand in Berlin, im New Yorker Central Park, vor den Pyramiden in Ägypten, am Flughafen von Isfahan oder im Hotel du Désert von Agadez sei.
Mein Fazit: Michael Lüders erzählt auf gekonnte Art, wie sechs Menschen mit einem Leben zurechtkommen, das sich an keine Pläne hält und daher so spannend ist. Da ich mich bei der Bewertung dieser Geschichtensammlung an ähnliche Werke von Autoren erinnerte, deren Sprachkünste mich noch mehr überzeugten, konnte ich mich nicht zur Vergabe von fünf Sternen durchringen.