1981: das Jahr mit dem unwahrscheinlichsten Radiohit der europäischen Popgeschichte. Niemand war über den kommerziellen Erfolg von O Superman", einer 8-minütigen, Jules Massenet gewidmeten Avantgardenummer überraschter, als die bis dahin nur Eingeweihten bekannte New Yorker Performancekünstlerin selbst. Wir brauchen 80.000 Stück bis nächste Woche", liess London verlauten. Nicht schlecht für eine Eigenproduktion, die gerade mal $500 gekostet hatte. Als das nachgereichte Album Big Science erschien, war Anderson bereits ein Popstar, zumindest im UK. Was ihrer Glaubwürdigkeit in Avantgardekreisen schadete, nutzte der Popwelt, die plötzlich unerwarteten Input in Form von höchst originellen, ganz und gar atypischen, Stücken bekam: textlastig und ironisch, abenteuerlich und intelligent, mit Vocoder, Violine und gesampleten deutschen Tonbandstimmen versehen, war Big Science eine der interessantesten Platten der 80er. Jetzt wiederveröffentlicht, springen vor allem 2 Dinge ins Auge bzw. Ohr. Zum einen, dass das Album weitgehend erstaunlich gut gealtert ist, am besten zu hören im später von Spiritualized gecoverten, zeitlos klingenden Born, Never Asked". Zum anderen, dass die Zeit Andersons einzigem Hit eine völlig unerwartete neue Dimension verliehen hat, denn heute wirkt der Text von O Superman" fast wie eine durch ein Zeitloch nach 1981 gerutschte Vorwegnahme bzw. Kommentierung von 9/11. Faszinierend.
Die neue Edition unterscheidet sich von der bisherigen durch etwas verbesserten Sound, interessante Linernotes von Anderson, die eher nervige Bonus-Single-B-Seite Walk The Dog" und das zurecht berühmte Video von O Superman".