Wie scheinbar fast jeder hier bin auch ich durch Tim Burtons Verfilmung auf diesen Roman aufmerksam geworden. Im Buch geht es um Edward Bloom und sein wundersames Leben, das nun leider zu Ende geht. In diesen letzten Tagen und Stunden verbringt er viel Zeit mit seinem Sohn William. Dieser kennt seinen Vater eigentlich nur durch die tollen Geschichten, die er nach seinen langen Handelsreisen zum Besten gegeben hat. Natürlich liebt er seinen Vater, aber längst nicht alles kann er glauben, was so an phantastischen Abenteuern seines Vaters berichtet wird. In Rückblenden erfährt der Leser von diesen Geschichten, die teilweise amüsant, manchmal spannend und gelegentlich auch philosophisch sind. Im gleichen Maße, wie wir Edward Bloom kennen lernen, beginnt William zu begreifen, wer sein Vater tatsächlich ist.
Wallace hat mit Big Fish so etwas wie ein Märchen für Erwachsene geschrieben. Natürlich unterhalten die Erzählungen Edward Blooms, der Kern dieses Buches aber liegt aber auf den sehr geschickt eingebetteten Fragen: War ich ein guter Vater? Was habe ich dir für dein Leben mit auf den Weg gegeben? Selbst Fragen des Glaubens und des Tods werden hier unaufdringlich und geistreich in das Vater - Sohn Gespräch eingefügt.
Neben der kurzweiligen Lektüre hat mich dieses Buch auch dazu gebracht, über das Verhältnis zu meinem Vater nachzudenken. William jedenfalls erkennt erst in den letzten Stunden den wahren Edward Bloom und begreift, dass es unwesentlich ist, ob er all diese Geschichten glaubt oder nicht. Wichtiger ist es, an den Menschen zu glauben, der sie erzählt. Shakespeare hat mal geschrieben: Das Leben ist ein Märchen; voller klang und Wut, das nichts bedeutet. Hier und in diesem Fall bedeutet es alles; wie könnte es auch anders sein.
Big Fish ist originell und unterhaltsam, hat aber auch die eine oder andere Passage, die etwas langatmig geraten ist. Bedenkt man jedoch, das es sich hier um das Erstlingswerk von Daniel Wallace handelt, kann man nur sagen: Alle Achtung.