Hab ich die tiefere Ironie nicht verstanden oder lautet die Message des Films am Ende doch tatsächlich: Krieg ist gut und sinnvoll?
Naja, das ist vielleicht zu kurz gegriffen. Etwas ausformuliert müsste es wohl heißen:
Krieg ist gut und sinnvoll, wenn es gegen Kameltreiber und Kümmeltürken geht, weil diese sonst Hollywood in Hulumalungarham umbenennen und wer das nicht einsieht, ist ein verblendeter Vollidiot, Michael Moore ist eine dumme, anti-amerikanische, faschistische, fette Sau und Dokumentarfilme sind eh nichts wert, weil nur Adam Sandler und Will Ferrel richtige Filme für echte Amerikaner machen. Ach ja, alle Ausländer heißen Mohammed Hussein und nur Country ist gut und wer kein Country mag, gehört eigentlich von Rechts wegen gleich nach Quantanamo, das es nach Mr. Obama bin Präsident ja auch schon nicht mehr geben sollte.
Über Michael Moore darf man geteilter Meinung sein und mit Sicherheit sind seine Filme alles, aber nicht objektiv. Nur, wer ist schon objektiv? Jede Seite verkauft nur sich selbst und da ist es gut, wenn man möglichst alle Seiten vertreten hat. Und frei erfunden hat Moore sicherlich nicht alles, was er in seinen Filmen präsentiert. Trotzdem ist auch ein Moore nicht vor einer eigenen Parodie gefeit und diese präsentiert David Zucker in seinem bisher wohl enttäuschendsten Werk, nachdem er sich für so zeitlose Klassiker wie Die nackte Kanone, Hot Shots oder auch Rat Race ausgezeichnet hatte. Hups, sorry, mit Hot Shots hatte er mal gar nichts zu tun und Rat Race ist von seinem Bruder Jerry. Dagegen ist David mit verantwortlich für die Sequel zu Scary Movie und Superhero Movie. Das erklärt es dann schon wieder. Und so wundert es nicht, dass ein David Zucker den Film mit großen Namen vollstopfen kann. Leslie Nielsen, mittlerweile zu alt, um zu laufen, erzählt die Story und so erschöpft sich sein Beitrag zum Film, auf einem Stuhl zu hocken und ein paar Blagen wat von früher zu berichten. Diese Geschichte dreht sich um Michael Moore (im Film Malone genannt, wieso nur, eindeutiger wäre es nicht gewesen, wenn Moore die Rolle selbst gespielt hätte), der den 4. Juli (amerikanischer Feiertag, an dem sie feiern, dass... sie Amerikaner sind... oder so) abschaffen will. Dazu geht er sogar so weit, mit einer Gruppe Terroristen zusammen zu arbeiten. Der Rest des Plots ist wieder einmal Charles Dickens Weihnachtsgeschichte, vergewaltigt, geschändet, verstümmelt und blutend im Gulli liegen gelassen. Daher auch der amerikanische Titel des Films: An American Carol. Christmas Carol, get it. Als ob die Macher sagen würden: Jup, wir haben nix eigenes, danke an Charles Dickens, der Hollywood seit Jahrhunderten mit Stoff versorgt. Schon krass, wenn man einen Mann kopieren muss, der seit 230 Jahren tot ist. Drei Geister besuchen also Moore, allen voran Frasier, der Moore von Szenario zu Szenario zerrt, um ihm zu zeigen, wozu Frieden führen kann. Kurzform: Die Bösen gewinnen und übernehmen Amerika. Moore selbst wird zum größten Sklavenhalter des Landes, weil es den Bürgerkrieg nie gab, die Taliban übernehmen Hollywood und, ich weiß nicht, Nascar wird durch Formel 1 ersetzt. Oder so.
Sämtliche Gags werden dann auch sehr schnell unter amerikanischen Flaggen und Apfelkuchen erstickt, Kelsey Grammer brüllt nur rum ohne wirklich witzig zu sein, Leslie Nielsen wirkt einfach nur noch senil (und mal ehrlich, der Kerl war schon für die Hauptrolle in Die nackte Kanone 25 Jahre zu alt) und dass Dokumentarfilme nichts taugen, muss ca. in einer Szene 1,5 Mal erwähnt werden.
Einziger Rettungsanker des Films ist Robert Davis Aziz, der Führer unseres Terrortrios. Sein bierernstes Spiel in Kombination mit seinen beiden weniger passionierten Kollegen ist eindeutig das Highlight des ansonsten gagmäßig eher dunklen Streifens. Insbesondere die Fahrstuhlszene ist ein Brüller, aber auch der Ententanz in einer Rückblende ist eine echte Bauchmuskelattacke. Leider sind seine Auftritte eher selten und kurz, zudem fast alle aus dem Trailer bekannt und selbst wer diese im Kontext sehen will, kann dies innerhalb der ersten fünf Minuten des Films tun.
Moore wird gespielt von Kevin Farley, der den Beweis dafür bringt, dass der falsche Bruder gestorben ist während Trace Adkins den Grund dafür erbringt, warum Country so richtig schön scheiße sein kann. Erwachsene Männer, die anno 200x rumlaufen wie 18Zwieback und mit dem fettesten texanischen Akzent die Stars and Stripes singen, haben nun mal ein begrenztes Zielpublikum. Der Rest wie Dennis Hopper, James Woods und Jon Voight wird in Kurzauftritten verheizt. Immerhin bringt Paris Hilton die beste Leistung ihrer Karriere, wobei ihr selbst bei diesem Auftritt ein klein wenig die Glaubwürdigkeit fehlt.
Was soll man noch groß sagen? Die Geschichte ist im Grunde eine perverse Version eines über 250 Jahre alten Klassikers, der traurige Versuch, einen einzelnen Mann und ein ganzes Filmgenre über 80 Minuten lang auf Kindergartenniveau zu dissen und gleichzeitig die amerikanischen Kriege zu glorifizieren. Wer nicht so viel applepie frisst, dass er ihn morgens im Stück ausscheidet, das Starspangled Banner in allen Strophen auswendig kennt und die Stars and Stripes auf sämtlichen Extremitäten tätowiert hat, für den ist dieser Film schlicht und ergreifend unerträglich. Alle anderen dürften zwar nickend und Fähnchen schwenkend vor dem TV sitzen, aber zu Lachen haben auch diese nicht viel. Zu lachen hat nur Michael Moore, denn dieser Film zeigt das verquere und gefährliche Gedankengut des kriegsliebenden Amerikaners deutlicher als er es in jeder Dokumentation hätte tun können.
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