Ende der Sechziger Jahre, gedämpftes Licht von rot-beschirmten Tischlämpchen, viel roter Samt, Bläser betreten die Bühne des kleinen, verrauchten Clubs , alle Tische sind besetzt, eine elegante Sängerin erscheint und das Konzert kann beginnen: Cha-cha, Bläsersätze, gepflegte Orchestermusik, Gesang, Mambo Craze...
Die Songs auf "BIG" sind nicht aufregend neu, sondern stammen bis auf einen Song aus anderen De-Phazz-Alben. Trotzdem weht wieder ein neuer Wind durch die Lautsprecher: Nach dem Wild-West-Rock'n'Roll von "Days of Twang" nun eine "Night of the Proms" mit De-Phazz und der Radio Bigband des Hessischen Rundfunks. De-Phazz sind im Etablissement angekommen und feiern dies mit großer Besetzung im Stil der Hugo Strasser-Inszenierungen.
Das ist neu, weil neu arrangiert, anders. Manchmal allerdings auch altbacken, weil die Fantasie und Vielfalt der vielen Stilvarianten und kleinen Einschnipselungen der Studioalben auf die Rafinesse der Orchestrierung reduziert wird. De-Phazz bleiben De-Phazz. Nicht mehr, aber auch nicht weniger gut.
Klar, dass die Arrangements auf "BIG" elefantöser, fetter, feierlicher, saturierter, ballsaaliger, aber auch mal langweiliger sind als die Originale. Das kann, wie im Fall von "Belle de Jour", oder "Jeunesse Doree" verstaubt klingen. Im Fall von "Mambo Craze" und "Dummes Spiel" jedoch auch überraschend neu und frisch.
"Something Special" ist mein Favorit: Das singen Pat Appleton und Karl Frierson mit einer duettigen Leichtigkeit, die so dinnerjacketfein und kerzenfeierlich stimmig rüberkommt, dass man mit "BIG" versöhnt wird.
Mein Fazit: Für Einsteiger wie für Fan gleichermaßen geeignet. Überdurchschnittlich gemacht, aber auch nicht top.