Wer als Anfänger in die theoretischen Grundlagen des (Heim)brauens einsteigen will, tut mit diesem Buch einen passablen ersten Schritt. Auch hinsichtlich der Themenrelevanz hält das Buch das Versprechen des Titels insofern, dass nicht, wie bei einigen anderen Büchern dieser Art, die Hälfte aus Rezepten mit(!) Bier (fertigem!!) oder den Grundlagen des biologisch-dynamischen Landbaus besteht, sondern der gesamte Faden konsequent, allenfalls auf etwas wirren Wegen, dem Thema folgt. Das war es dann aber auch.
Was die Praxis anbetrifft, so kann man Herrn Vogel bestenfalls seine wirklich einfach nachzuvollziehende Anleitung für "das erste Bier" zugute halten. Das nach Angaben des Autors 1999 "gründlich durchgesehene und überarbeitete" Buch enthält ansonsten kaum etwas, das noch mit dem Heimbrauen um die Jahrtausendwende zu tun hätte. So fehlen nicht nur die auch 1999 schon obligatorischen Internetlinks oder wirklich aktuelle Informationen zu Herstellern und Bezugsquellen (es wird nicht ein einziger Internetshop genannt!), es finden sich auch haufenweise völlig veraltete Behauptungen wie die, dass man als Heimbrauer kaum anderes Malz bekäme als ungeschrotetes helles oder dass die einzige Möglichkeit einer Druckgärung für Hobbybrauer in der Verwendung eines Glasballons(!) bestünde. Diese und weitere aus heutiger Sicht eklatante Lücken lassen den Schluss zu, dass hier bestenfalls das Vorwort "gründlich überarbeitet" wurde oder aber die letzten Recherchen doch aus dem Jahr 1983 stammen.
Der Rezeptteil reißt zwar - erfreulicher Weise! - auch ein wenig das Thema "traditionelle Biertypen" an, verwirrt aber den Einsteiger (und auch den Fortgeschrittenen) mit teilweise völlig nutzlosen Angaben wie "30g Hopfen", gerade so, als ob es auf der ganzen Welt nur eine Sorte mit immer identischen Eigenschaften gäbe. Über die Beurteilung von Hopfen und die wichtigste Maßeinheit (Bittereinheiten) wird nicht ein Wort verloren. Das geht für ein Buch, das zum praktischen Nachmachen anregen soll, natürlich gar nicht, denn nichts ist frustrierender, als anfängliche Misserfolge in einem neuen Hobby.
Vergleicht man dieses Buch mit des Autors eigentlichem Thema, der in einem mir wesentlich "runder" scheinenden Buch ausgebreiteten Hausweinbereitung, so wird einem sofort klar: Das hier besprochene Buch war das Beiwerk, der Zusatzverdienst, das Nebenprodukt, das Zweitgeborene (jedoch leider nicht das Nesthäkchen).
Fazit: Ganz nette Bilder und interessante Hintergründe in gut lesbarer und angenehmer Schreibe. Auch sind manche Informationen und Tabellen selbst dem Fortgeschrittenen bisweilen hilfreich. Für die Praxis - auch und gerade des Anfängers! - ohne zusätzliches Material oder Recherchen ist das Buch aber leider nicht geeignet. Wer es verschenken möchte: Nur zu, aber dann sollte unbedingt noch ein ähnliches Buch aus aktuellerer Feder (oder einen Gutschein zur Teilnahme an einem Braukurs) dabei sein. Gut Sud!