"Wir wolln auch sonderlichhen dass füran allenthalben in unsern stetten märckthen un auf dem lannde zu kainem pier merer stüchh dan allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn."
(Bayerischer Reinheitsgebot vom 23.04.1516)
Im ersten Kapitel seines 1993 in der englischen Originalausgabe als "Michel Jackson's Beer Companion" erschienenen Buches, lädt der Autor zu einer "Entdeckungsreise ins Reich des Bieres ein", mit der er die fast 500 Jahre alten, von Herzog Wilhelm IV. gesetzten Grenzen durchbricht. Zu Beginn stellt er fest, dass man nie ein simples "Herr Ober, bitte ein Bier" sagen sollte, da eine derartige Bestellung beim Keller zu Irritationen führen kann, weil sie einerseits nicht genug konkretisiert ist, und andererseits auch niemand nur schlicht "einen Wein" ordern würde. Als nächstes gibt Jackson mit seinem "Biergenuss für Weinliebhaber" einen Vorgeschmack auf sein Verständnis des "Hopfentrunks", indem er z. B. englisches Pale Ale und Cabernet Sauvignon, und Trappistenbier und Portwein oder Geuze und Fino Sherry als Bier-Wein Pendants präsentiert. Nach einem bei den Sumerern (bappir = Brotbrei) beginnenden historischen Überblick, werden Herkunft und Arten der Bierbestandteile Malz, Wasser, Hefe, Hopfen vorgestellt und Begriffe wie Alkoholgehalt und Stammwürze definiert. Dass hierbei auch Kräuter und Gewürze, z. B. Wacholder, Ingwer, Süßholz pp. als Zutaten genannt werden, lässt den Puristen, der sein Bier ausschließlich nach dem Bayerischen Reinheitsgebote definiert, erschaudern. Ein "Jahreskalender für den Bierliebhaber" weist für die Monate März, Mai und Oktober jeweils ein aus Deutschland stammendes Stark-, Bock- und Spezialbier vor, von denen zwei aus München kommen.
In den folgenden sechs Kapiteln Beschreibt der Autor mehr als 40, wie er sie nennt, klassischen Bierstile der Welt, ihren Ursprung, Charakter, Geschmack ihr Aroma, und ihre Produktion und geographische Verbreitung. Darüber hinaus gibt es Informationen darüber, wie sie serviert werden und welche Rolle sie in der Gastronomie des Landes spielen. Zu jeder Sorte werden einige repräsentative Hersteller und Marken aufgeführt. Ein aus Belgien stammender Bierstil ist das "Lambic", da überwiegend mit in der Luft enthaltenen Wildhefen hergestellt wird. Da es in seiner Grundform fast still ist und einen sauren Geschmack hat, wird es auf verschiedene Art verschnitten. "Geuze" ist (ähnlich wie beim Sherry) eine Mischung aus jungen und alten Lambic-Bieren, die, in Flaschen abgefüllt, eine Nachgärung durchmacht. "Faro" ist ein gesüßtes Lambic, das entweder in Flaschen verkauft wird oder in einigen belgischen Cafes durch die Zugabe von Kandiszucker zusammengerührt werden kann. Auch die traditionsreichen Früchtebiere "Kriek" Kirschbier) und "Frambozen" (Himbeerbier) werden auf Lambic-Basis gebraut. Im Kapitel "Weizenbier" werden mit den Typen "Kristall", "Dunkel" und "Bock", auch das salzig-zitronig schmeckende "Leipziger Gose", die mit Sirup gesüßte Berliner Weisse und das oftmals als "Dessertbier" getrunkene belgische "Witbier" ("Bière Blanche") vorgestellt. Zum Sinn der Zitronenscheibe beim Kristallweizen werden verschiedene Thesen erörtert. Der Schwerpunkt des Buches wurde mit 100 Seiten auf das Kapitel "Ale und Alt" gesetzt, denn das breite Spektrum der obergärigen Biere reicht von den typisch britischen und irischen Versionen des "Mild", "Bitter", "Pale Ale" (mit wenig Schaum) und einer Vielzahl anderer verschiedenfarbiger Ales, über belgische Spezialbiere bis hin zum dunklen Altbier und hellen Kölsch. Auch der aufgrund seines Alkoholgehaltes von bis zu 15% vornehmlich als Dessert- oder Schlaftrunk geeignete Barley Wine" oder Malt Wine" der aus 0,15 l Fläschchen eingeschenkt wird, gehört hierzu.
Porter und Stout" werden zwar meistens mit den gleichen obergärigen Hefen wie Ale gebraut, sind jedoch Gegenstand eines eigenständigen Kapitels, da die hierzu benötigten Malze so dunkel gedarrt werden, dass sie mitunter an stark getoastetes Brot oder geröstete Kaffeebohnen erinnern. Obwohl "Porter" ursprünglich aus London kam wird dieser Biertyp heute als schwarzes "Stout" (stämmig) hauptsächlich mit Irland in Verbindung gebracht. Daneben ist er auch im Baltikum verbreitet. Im Kapitel "Lagerbier" werden schließlich jene Bierarten und -sorten präsentiert, die hierzulande als "Pils",Export" und "Dunkelbiere", wie "Wiener-" und "Oktoberfestbier", "Märzen" o. ä. bekannt sind. Auch die Bockbiere" gehören hierzu. Das sechste Kapitel bietet mit "Dampf-", "Rauch-", "Roggen-" und "Schwarzbier" noch einige "Besonderheiten aus aller Welt". "Bier und Speisen" bietet neben einem Ratgeber ("Bier bei Tisch"), welches Bier zu welcher Mahlzeit besonders geeignet ist, auch eine ansehnliche Anzahl von Kochrezepten mit Bier von der Suppe/Vorspeise über Hauptgerichte bis hin zum Dessert, wie z. B. "Kriek-Eis".
Ein Nachwort ("Die Jagd nach klassischen Bieren"), sowie ein Glossar und ein Register schließen eine interessante, jedoch besonders für kompromisslose Verfechter des Reinheitsgebotes nicht immer bierernst zu nehmende, Reise des weltweit renommierten "Bierologen-Gurus" Michael Jackson ab. Getreu der Devise "Alles Geschmackssache" gibt es einen Abzug von einem Amazonstern, für die fraglichen Bier-Wein-Vergleiche.