Die Geschichte des Bieres wird in anderen Fachbüchern gerne eintönig so beschrieben: Altbekannt, irgendwann in grauer Vorzeit "durch Zufall" entstanden, in deutschen Klosterbrauereien weiterentwickelt und durch das "Reinheitsgebot" geschützt.
Christian Rätsch skizziert hier allerdings mit hohem Sachverstand und Übersicht die "andere Seite des Bieres", die Seite der historisch-mystischen Bedeutung (Abschnitt 2: "Die Trünke der Götter") und der spirituellen Nutzung des Bieres als Rausch- und Liebestrank. Seine Hinweise zum Reinheitsgebot, das er weniger als "Verbraucherschutzgesetz" denn als "Anti-Drogengesetz" interpretiert, sind unbedingt lesenswert und bereichernd, wenngleich man ihm nicht in allen Punkten zustimmen kann - beispielsweise wenn er Tabak als "christliche Droge" bezeichnet oder die Opium-Beigaben in "historischen" Bieren ohne weitere Kommentierung als "rauscherzeugenden Zusatz" skizziert.
Insgesamt jedoch ein hochinfomatives und umfassendes Sachbuch mit durch viele Abbildungen erhöhtem Lesespaß. Wer ein "Lexikon der internationalen Biere" oder Ähnliches erwartet, wird hier enttäuscht. Wer aber bereit ist, sich auf einen anregenden und nachdenklich machenden Querschnitt durch die "Biergeschichte" einzulassen - der sollte bei diesem exzellenten Buch unbedingt zugreifen! Eine etwas "offenere" Haltung gegenüber psychotropen Substanzen (Alraune, Bilsenkraut, Hanf) wird jedoch für ein tieferes Leseverständnis vorausgesetzt - wer hier allzu "konservative" Einstellungen pflegt, sollte einen Kauf noch einmal überdenken.