Der 1951 erschienene Roman "Der Bienenkorb" - das bekannteste der über 70 Werkedes Literaturnobelpreisträgers - spielt an zwei Wintertagen im Madrid des Jahres 1942. Schauplatz ist ein Stadtviertel mit dem Café der Doña Rosa, einer geldgierigen, übellaunigen Frau, die sowohl Kellner als auch Gäste tyrannisiert.
Das Besondere und zugleich auch Nachteilige - wenn man so will - dieses ersten spanischern Stadtromans ist der Umstand, dass er nicht zusammenhängend erzählt wird, sondern aus Episoden, Szenen besteht, die wie ein Kaleidoskop das Cafés und seine Gäste widerspiegeln: in diesem Café zieht vor allem das verarmte Kleinbürgertum Madrids an uns vorüber. Insgesamt mehr als 200 Personen lässt Cela auftauchen, und viele verschwinden Augen wieder, ohne dass man Näheres von ihnen erfährt noch ihnen wieder begegnet. Eine der mit psychologischer Raffinesse gezeichneten Hauptfiguren ist u.a. der verarmte Dichter Martín Marco, ein Stammgast von Doña Rosa, der schließlich aber aus dem Café geworfen wird, weil er seine Rechnung nicht bezahlen kann.
Es ist die Zeit des Nachbürgerkriegs, die als beherrscht von materiellen und menschlichen Elend beschrieben wird. Camilo José Cela, der im Spanischen Bürgerkrieg selbst auf der Seite der Frankisten gekämpft hatte, entmythisiert mit seinem Roman die Propaganda des Franco-Faschismus, ohne sich der Ideologie der Linken anzubiedern. Da in dem Buch immer wieder Kritik an den Zuständen in Staat und Gesellschaft auftaucht, war es zunächst nur in Argentinien erschienen. 1982 wurde "Der Bienenkorb" von Mario Camus verfilmt (Goldener Bär in Berlin 1983). Ein kurzweiliges Lesevergnügen.