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Biedermann und die Brandstifter: Ein Lehrstück ohne Lehre. Mit einem Nachspiel (Bibliothek Suhrkamp)
 
 
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Biedermann und die Brandstifter: Ein Lehrstück ohne Lehre. Mit einem Nachspiel (Bibliothek Suhrkamp) [Taschenbuch]

Max Frisch
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (28 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 88 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 4 (24. März 1991)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518220756
  • ISBN-13: 978-3518220757
  • Größe und/oder Gewicht: 18,3 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (28 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.273.363 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Max Frisch
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Produktbeschreibungen

Klappentext

Das Lehrstück ohne Lehre Biedermann und die Brandstifter wurde am 29.März 1958 am Schauspielhaus in Zürich uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung mit der Uraufführung des Nachspiels in der Hölle war am 28. September 1958 an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main.

Frischs Stück ist die Geschichte des Bürgers Gottlieb Biedermann, der, die Brandstifter in sein Haus läßt, um von ihnen - verzweifelte Höffnung opportunistischer Bonhomie - verschont zu werden. Das Stück entlarvt präzise eine Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 in Zürich geboren und starb am 4. April 1991 an den Folgen eines Krebsleidens in seiner Wohnung in Zürich. 1930 begann er sein Germanistik-Studium an der Universität Zürich, das er jedoch 1933 nach dem Tod seines Vaters (1932) aus finanziellen Gründen abbrechen musste. Er arbeitete als Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung.
Seine erste Buchveröffentlichung Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt erschien 1934 in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart. 1950 erscheint Das Tagebuch 1946-1949 als erstes Werk Frischs im neugegründeten Suhrkamp Verlag. Zahlreiche weitere Publikationen folgten.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von M. Thomas TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Mehr als 25 Jahre sind vergangen, seit dem ich Max Frischs Parabel der Pyromanie zum ersten Mal las. Damals stand das 'Lehrstück ohne Lehre' als Pflichtlektüre auf dem Schulstundenplan. Doch schon damals war für mich die Lektüre Genuss und keine Pflicht. Dementsprechend groß war die Freude, als mir das kleine Büchlein beim Stöbern wieder in die Hände fiel.

Beginnen wir mit der Charakterisierung der Figuren. Die Hauptperson, Gottlieb Biedermann, ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sein Geld mit der Herstellung von Haarwasser verdient. Nach außen tritt er energisch auf und hält am Stammtisch große Reden. Seine ersten Worte lauten: "Aufhängen sollte man sie (die Brandstifter)." Er gibt sich gönnerhaft, spendet der Feuerwehr eine große Summe. Doch gegenüber dem Dienstpersonal und den Untergebenen herrscht und kommandiert er. Mit äußerster Härte geht er gegen seinen Mitarbeiter Knechtling, der an einer Erfindung beteiligt werden möchte, vor: "diesem Knechtling werde ich die Kehle schon umdrehn."

Sein äußeres Auftreten steht jedoch in auffälligem Gegensatz zu seiner inneren Haltung. Biedermann fehlt die Zivilcourage. Ängstlich und 'zitternd vor Hoffnung' flieht er vor der Verantwortung. In den entscheidenden Momenten versteckt er sich hinter seiner Frau: "...meine Frau wird mit Ihnen sprechen...". Solange er Distanz zu Menschen wahren kann, fühlt er sich überlegen; im persönlichen Kontakt jedoch unterliegt er. Gegenüber den beiden Eindringlingen wird sein Verhalten durch Unentschlossenheit, Anbiederung, Egoismus und zuletzt Verzweiflung geprägt, es ist die 'verzweifelte Hoffnung opportunistischer Bonhomie', wie die Worte in der einleitenden Kurzbeschreibung treffend lauten.

Biedermanns Frau Babette genießt das luxuriöse Leben und ist vor allem darauf bedacht, nicht als spießig zu gelten. Sie ähnelt ihrem Mann in vielen Punkten. Auch sie tönt nach außen laut: "...dann aber, Gottlieb, schick ich ihn auf den Weg." Doch auch ihr fehlt im entscheidenden Augenblick der Mut zur Tat.

Dem Ehepaar Biedermann steht das Brandstifter Pärchen Schmitz und Eisenring gegenüber. Die beiden ungleichen Gesellen ergänzen sich ideal. Sepp Schmitz, ein arbeitsloser Ringer aus ärmlichen Verhältnissen, wirkt grobschlächtig und unbeholfen. Seine athletische Figur schüchtert ein: "Alle Leute haben Angst vor mir...". Seine Herkunft wird als sentimentale Tarnung eingesetzt: "Von der Köhlerhütte zum Waisenhaus".

Willi Eisenring war "ein kleiner Oberkellner, und plötzlich verwechseln sie mich mit einem großen Brandstifter". Er hält sich für gebildet: "Ich hätte studieren können", behauptet er. Seinen Kumpanen Schmitz weist er wie ein kleines Kind zurecht: "Schmitz, schmatze nicht".

Beide spielen ihre Rollen perfekt. Diese Mischung aus Komik und Ernst, Tarnung und Wahrheit verwirrt und verblüfft. Frisch zeigt, dass immer dann, wenn Worte und Gedachtes ebenso wie Worte und Handlungen nicht übereinstimmen, die gutbürgerliche, philantrope Fassade einzustürzen droht. Interessanterweise müssen die beiden Brandstifter gar nicht lügen, um zum Ziel zu gelangen. Vielmehr genügt es zunächst unliebsamen, peinlichen Fragen auszuweichen und am Ende sogar dreist die Wahrheit als Tarnung einzusetzen: "Wir sind Brandstifter".

Verschiedene Fragen drängen sich mir auf. Wann erkannte Biedermann in den beiden Gästen gefährliche Brandstifter?

Möglicherweise war ihm dies von Anfang an bewusst. Nach eigenem Bekunden schöpfte er sofort Verdacht. Aus der Zeitung war ihm ferner bekannt, dass in der Gegend Brandstifter ihr Unwesen trieben. Eine Fülle von Indizien deutete auf die Gefährlichkeit der unliebsamen Gäste hin. Der Wendepunkt des Dramas wurde erreicht, als Biedermann die Ganoven vor der Polizei deckte. Spätestens jetzt wurde sein Verdacht zur Gewissheit.

Was waren die Gründe für sein Handeln?

Biedermann gibt vor, aus Menschlichkeit und Vertrauen zu handeln. Die Wahrheit jedoch sieht anders aus. Eine gefährliche Mischung aus Angst, Unsicherheit und Profitgier sind die Hauptmotive: "Wenn ich sie anzeige, die beiden Gesellen, dann weiß ich, dass ich sie zu meinen Feinden mache ... Ein Streichholz genügt, und unser Haus steht in Flammen." Doch Biedermanns Rechnung geht nicht auf. Er und sein Haus werden von den Pyromanen nicht verschont, weil hinter den Anschlägen keine Berechnung steckt. "Die machen es aus purer Lust", warnt Dr. phil., ein Komplize der beiden.

Welche Botschaft will Max Frisch vermitteln?

Frischs Drama ist eine Anklage gegen die faschistischen Horden, die mit ihren Brandsätzen ein ganzes Land in Schutt und Asche legten. Als junger Mann hatte Frisch erlebt, welche fatalen Folgen blindes Vertrauen einerseits und ängstliches Wegschauen andererseits bewirken kann. Doch Frischs Lehrstück ohne Lehre ist zeitlos. Es warnt vor allzu leichtfertiger, argloser Gutgläubigkeit und plädiert statt dessen für ein kritisches Hinterfragen und ein mutiges Eintreten gegen totalitäre und intolerante Bestrebungen, wo auch immer in der Welt die ersten Anzeichen sichtbar werden.

Auch wenn Frisch nicht daran glaubt, dass solche Katastrophen in Zukunft ausgeschlossen werden können, so sind sie doch kein unvermeidbares Schicksal. "Aber nicht alles, was feuert, ist Schicksal ... Viel kann vermeiden Vernunft."
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Ein Stueck, das vielleicht zeigen will, wie Dummheit und Ignoranz, Opportunismus und Kleingeistigkeit Faschismus moeglich machen konnten. Zum Inhalt: Szene 1: Im Hause Biedermann ist bekannt, daß in der Stadt schon einige Fälle von Brandstiftung aufgetreten sind. Es herrscht allgemeine Beunruhigung. Auch das Vorgehen der Brandstifter ist bekannt. Als Hausierer nisten sie sich auf dem Dachboden ein und treffen ihre Vorbereitungen da. Schmitz spricht unter dem Vorwand 1. kein Hausierer sondern arbeitsloser Ringer zu sein und 2. weil es draußen regnet bei Biedermann vor. Unter Nutzung einer Mitleidshaltung der Gastgeber, verköstigt sich Schmitz und darf auf dem Dachboden schlafen. Szene 2: Am nächsten Morgen möchte Babette den Hausierer wieder vor die Tür setzen, doch Schmitz bereitet mit seiner angeblich nicht vorhandenen Jugend Schuldgefühle und darf bleiben. Jetzt kommt Eisenring, der sich als Feuerversicherungsvertreter ausgibt und bleibt auch im Hause Biedermann. Szene 3: Die ganze Nacht über haben die beiden Fässer auf den Dachboden gebracht. Biedermann ist wütend über den Lärm und will sie vor die Tür setzen. Sie entschuldigen sich fadenscheinig und bleiben. Als Biedermann fragt was in den Fässern ist, bekommt er gesagt es ist Benzin, doch er verdrängt die Antwort nervös als Humor der unteren Klasse. Es kommt ein Polizist und möchte Biedermann über Knechtling informieren, welcher von ihm entlassen worden war und sich dann aus Verzweiflung vergast hat. Biedermann belügt den Polizisten über den Inhalt der Benzinfässer. Am Ende der Szene versucht sich Biedermann vor dem Chor für sein Verhalten zu rechtfertigen bzw. zu leugnen. Szene 4: Biedermann will ein Essen für die Brandstifter geben, weil er sich im Klaren ist, daß ein Streichholz sein Haus vernichten könnte. Er versucht Gutkumpel zu sein, in der Hoffnung, so die Gefahr abzuwenden. Er geht auf den Dachboden, um sie einzuladen. Er sieht Eisenring Vorbereitungen zur Brandlegung treffen und unterhält sich mit ihm, wobei Eisenring kein Hehl aus der Gefängnisvergangenheit und seinen Pläne macht. Biedermann hofft immer noch auf eine Art von Humor. Die Witwe von Knechtling möchte bei Biedermann vorsprechen, findet aber keine Beachtung. Auf den Dachboden tritt noch ein 3. Brandstifter auf, der Dr. Phil. und irgend eine Ideologie mit seiner Tat verbindet und auf die Fässer aufpaßt. Doch jetzt will er auspacken, keiner nimmt ihn ernst.. Szene 5: Die Tafel ist gedeckt und für das Essen fertig, doch Biedermann kritisiert den Pomp und möchte eine einfach gedeckte Tafel, weil er sich vor seinen "Gästen" nicht aufspielen möchte. Es wird alles wertvolle und überflüssige entfernt. Schmitz und Eisenring bemerken, daß sie keine Streichhölzer haben. Biedermann wendet sich ans Publikum und versucht sich zu rechtfertigen. Szene 6: Es wird gespeist und gelacht. Die Brandstifter erzählen aus ihrem Leben und Biedermann überspielt es immer noch als Schwarzen Humor. Langsam entdecken die beiden Brandstifter die Gegenstände die von der Tafel entfernt wurden und bitten bzw. fordern alles wieder hinzustellen. Ein Zwischenfall geschieht noch. Schmitz, der mal an einem Theater war soll ein Gespenst spielen. Da ihm spontan kein Geist einfallt, gibt er sich als jener von Knechtling aus. Die Biedermanns schrecken zusammen. Aber die Stimmung löst sich wieder. Dann hört man Sirenen, die Brandstifter gestehen das ein Teil ihres Planes schon aufgegangen ist und das sie jetzt an die Arbeit müssen. Jetzt beginnt Biedermann die Aussage der beiden obskurer Weise zu leugnen. Die Brandstifter meinen, wenn er nicht glaube das sie Brandstifter seien, könnte er ihnen Streichhölzer aus Vertrauensbeweis geben. Der Dr. Phil. kommt herein, um eine Erklärung zu verlesen in der er sich von Tat und Tätern distanziert, weil er aus Überzeugung und sie aus purer Lust Städte in Brand setzen.

Wird Biedermann ihnen selbst die Streichhoelzer geben? Dummheit kennt keine Grenzen? (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Biedermann ist geprägt von der bürgerlichen Doppelmoral, als er am Stammtisch sitzt ist er der große Mann der Tat, der die Brandstifter alle aufhängen möchte - all dies sagt er mit dem Hintergedanken ohnehin nie in die Situation zu kommen über die Brandstifter richten zu können. Doch als dennoch dazu kommt, als die Brandstifter in seiner Wohnung auftauchen, ist er zu feige etwas gegen sie zu unternehmen.

Das Stück löste viele unterschiedliche Reaktionen aus. So fühlte sich das Zürcher Prämierenpublikum vor kommunistischer Infiltration gewarnt, in der Bundesrepublik Deutschland deutete man das Stück nach Hinweisen des Autors eher als Parabel auf die faschistische Machtergreifung 1933.

Das Wort „Machtergreifung" birgt genau jenes Paradoxon, welches das Stück behandelt. Kann man wirklich von einer „Machtergreifung" sprechen? Sind es nicht vielmehr die Biedermanns selbst, die den Brandstiftern zur Macht verhelfen?

Und die Brandstifter machten - wie die Nationalsozialisten - nie einen Hehl aus ihren Absichten. Doch da diese so abwegig und undurchführbar scheinen können oder wollen es die Biedermanns - die deutsche Bevölkerung - nicht glauben. „Es wird schon nicht so schlimm werden!" (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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