Ob es diesem Tipptrainer gelingen wird, mir ein rasantes Zehnfingersystem beizubringen, steht noch in den Sternen. Aber immerhin kann ich jetzt schon sagen, dass dieser Coach seine Vorgänger übertrifft. Und zwar in fast allen Disziplinen. Er ist schöner, hat also hat eine ansprechendere Oberfläche und Icons, die nicht ganz von denen meines Macs abfallen. Er gibt sich trotz vieler Charaktereigenschaften mit 20 MB Speicherplatz zufrieden, sträubt sich nicht gegen den Microsoft-Trainingsplatz im Büro, motiviert seine Schützlinge mit der Vergabe eines Diploms, geht auf individuelle Wünsche ein, berücksichtigt den momentanen Trainingsstand, hält für Ungeduldige einen Express-Trainingsplan bereit, diktiert, lässt eigene Texte als Übungsmaterial zu, liebt Statistiken und Auswertungsfelder, hält Fehler gnadenlos fest, erlaubt Wettkämpfe gegen die Uhr, offeriert ehemaligen und seienden Klavierspielern ein Metronom, glänzt mit beschränkt originellen Musterschreiben, befriedigt den Spieltrieb, holt Hilfe und berücksichtig natürlich nationale Eigenheiten.
Wenn sich ein Leser nun fragt, weshalb ein Texter und Verfasser von einigen Hundert Rezensionen überhaupt einen Tipptrainer testet und braucht, so ist das mehr als verständlich. Aber dummerweise kam mir im hohen Alter die blöde Idee, ich müsse das perfekte Zehnfingersystem noch erlernen. Dabei hätte ich doch wissen können, dass es zum Schwierigsten gehört, im prozeduralen Gedächtnissystem gespeicherte Informationen umzupolen. Denn immerhin beschäftige ich mich seit 23 Jahren mit der Funktionsweise meines Gehirns. Aber typisch. Selber denkt man immer, man sei eine Ausnahme. Und so hänge ich eben noch immer zwischen zwei Systemen, von denen wir dem einen früher den Namen "Arafat" gaben, weil es alle paar Minuten zu einem Anschlag kam. Das andere, offizielle und sehr viel erstrebenswertere lernte ich in der Schule nur ungenügend, weil unser Schreibmaschinenlehrer das schwächste Glied in der ganzen Pädagogenkette war. Und unter der Rache des obersten Didaktikgottes leide ich also noch immer. Wenn ich also zu diesem Tipptrainer einen übergeordneten Tipp geben darf, dann lautet dieser kurz und knapp: Lernt das Zehnfingersystem so früh wie möglich. Zum Beispiel mit diesem Trainer.
Mein Fazit: Ein Trainer, der auf Mac ebenso gut läuft wie auf Windows. Und er beherrscht sein Handwerk so gut, dass er eventuelle Misserfolge locker seinen Schützlingen zuschieben darf. Ob ich das Diplom je schaffe, wird sich zeigen. Wenn nicht, dann geht die Welt auch nicht unter. Schließlich komme ich mit meinem Zwitter-System ganz ordentlich zurecht. Hoffentlich hat es in dieser Rezension keinen Tippfehler.