Aus der Amazon.de-Redaktion
In dieser Ausgabe erscheint der Text nicht in Kolumnen, sondern ist im Schriftbild ganzseitig gedruckt, und die Verszählung erfolgt durchlaufend. Hymnen und Poesie sind in ihren Strophen gedruckt und locken zum auswählenden Lesen an. Am Ende steht ein bibelkundliches Inhaltsverzeichnis und ein kurzer geschichtlicher Überblick über die Zeit Jesu.
Durchgängig sind Überschriften gesetzt, die teilweise überraschend neues Licht auf Abschnitte und Perikopen werfen, mitunter jedoch der Gefahr erliegen, interpretatorische Einengung des Blickes zu betreiben.
Dem neutestamentlichen Text ist ein Vorwort vorangestellt, das die Kontinuität zwischen Altem und Neuem Testament zum Thema hat. Knapp fasst Zink die Geschichte Israels zusammen und konstatiert die Anknüpfung Jesu an Traditionen, Hoffnung und Erwartung des Judentums seiner Zeit. Mit Psalm-, Propheten- und weisheitlichen Zitaten zeigt Zink die Wurzel des Neuen Testaments im Alten auf, von dem her die Botschaft des Evangeliums verstanden werden muss.
Jörg Zink ist sich im klaren, dass es nie eine analoge, eine eindeutige Übersetzung eines Textes aus einer Sprache in die andere geben kann. Deshalb legt er bewusst eine Übertragung aus dem Griechischen vor, da jede Übersetzung in sich schon Interpretation ist und kommentiert. Die Sprachwelt des Griechischen und die Lebenswelt der ersten Christenheit findet bei Zink jedoch einen relativ zwanglosen Übergang in unsere Sprachwelt. Der 1922 geborene Zink setzt z.B. Erkenntnisse und Forderungen feministischer Exegese elegant um: In Matthäus 5, Vers 9 sind aus den "Kindern Gottes" (Luther) in dieser neuen Übersetzung die "Söhne, Töchter Gottes" geworden. Auch übersetzt Zink nicht "Mann werden", sondern überträgt präziser, feministischer, freier: "erwachsen werden" (1 Kor 13,11).
Weil Zink mit gebräuchlichen Redewendungen und Ausdrücken arbeitet, macht diese Übertragung mit Recht allen bislang vorliegenden Verdeutschungen des Neuen Testaments ernsthafte Konkurrenz. --Bettina Wittke