In diesem Band aus der Reihe C.H.Beck WISSEN führt der Autor Christoph Dohmen in die wissenschaftliche Bibelauslegung ein. Die Bibelauslegung geschieht jedoch nur im Plural, nämlich in verschiedenen Methoden, die Bibel auszulegen, wovon die im akademischen Betrieb wichtigsten vorgestellt werden. Hinzu kommen Erörterungen über viele weitere Aspekte, die bei der Auslegung zu beachten sind, also z.B. Vorfragen über die Eigenart des Untersuchungsgegenstandes Bibel, über den Rezipienten und seine Erfahrungswelt, über falsche Alternativsetzung der einen Methode zugunsten einer anderen usw. usf.
Wer sich v.a. im Studium mit Bibelauslegung befassen will oder muss, findet hier einen guten Einstieg ins Thema. Auch fachfremde Studierende, v.a. aus Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaften, können bei Interesse zugreifen. Ein Lehrbuch ersetzt es jedoch nicht. Es ist nur als Einstieg oder zur Wiederauffrischung geeignet. Wer also etwas mit Stichworten wie Traditionsliteratur, Rezeptionsästhetik, Textpragmatik, Polysemie, historisch-kritische Exegese und canonical approach, Textsinn und Lesersinn sowie Rezeptionssinne verbinden können will, kann hier einen Blick wagen.
Mir hat ein Abschnitt über Schriftauslegung innerhalb der Bibel, also wie z.B. Paulus oder das Matthäusevangelium die Tora auslegte, gefehlt, ebenso eine kleine Auseinandersetzung mit der fundamentalistischen Ansicht, der Heilige Geist befähige (gerade) den wissenschaftlichen und insbesondere theologischen Laien zu (dem) einen 'wahren' Schriftverständnis. Auch hätte deutlicher herausgearbeitet werden können, warum die Bibel von Gläubigen nicht (nur) als Untersuchungsgegenstand, sondern als persönliche Ansprache Gottes verstanden wird. Das fände ich praktisch, denn so hätte ich das Buch vielleicht auch einem breiteren Publikum als nur dem universitären Bereich empfehlen können.