"Bibel in gerechter Sprache" (BigS). So heißt das hier von den Autoren kritisierte Werk. Schon der Titel legt nahe, dass die Christenheit sich 2000 Jahre lang mit ungerechten Bibeln beschäftigen musste. Wie der Heilige Geist das nur all die Jahre durchgehen lassen konnte, bleibt wohl eines der unergründlichen Geheimnisse Gottes.
Ähnliche Erklärungsprobleme haben wahrscheinlich auch die Sekten, wenn sie erklären müssen, warum Jesus 1984 in einem Maisfeld in Ohio erschienen sein soll, um dort ganz neue Lehren zu verkünden.
Die BigS geht davon aus, dass Gerechtigkeit das zentrale Thema der Bibel ist. Das stimmt auch. Allerdings im Zusammenhang mit "Wie wird der Mensch gerecht vor Gott?". Diese vertikale Gerechtigkeitsproblematik wird in der BigS aber in horizontale Gerechtigkeit umgedeutet. Also "Wie wird der Mensch gerecht vor Frauen, Andersgläubigen, Armen ... äh, sozial Benachteiligten und nicht ausgelasteten Theologen?"
Neben allgemeiner Kritik an der BigS liefert dieses Buch auch noch einige interessante Hintergrundinformationen. Z.B. zu Übersetzungs-, Exegese- und Hermeneutikproblemen in der BigS.
So werden z.B. durch die ständige Einfügungen von Frauen und Feminina in den Text die Stellen entwertet, in denen Frauen gerade positiv hervorgehoben werden (wie etwa in der Ostergeschichte).
Auch ist es seit Martin Luther gute Tradition bei Bibelübersetzungen immer auch die Meinung gelehrter Juden einzuholen, weil sie ja an den hebräischen Texten "näher dran" sind. Hier saß im Beirat Micha Brumlik. Der Mann ist Pädagoge! Dass sich gar kein Judaistik-Professor oder Rabbiner gefunden hat, lässt tief blicken! Oder sollte es den Übersetzer(inne)n nicht gelungen sein, adäquate Gesprächpartner zu finden? Dann wäre der viel bemühte christlich-jüdische Dialog wohl eher ein Monolog gewesen...
Bedenklich ist es zudem, wenn Bibelstellen die schwierig oder unklar sind, so übersetzt werden, als gäbe es dazu nur eine einzige Interpretation: Die des BigS-Übersetzers. Das ist "gerechte Theologie ex cathedra".
Nun noch kurz eine Kritik an den Kritikern.
Eine adäquate Antwort auf die BigS liefert eigentlich nur Thomas Söding. Der holt nämlich gleich den groben Keil raus. Die übrigen sind m.E. etwas zu akademisch.
Zwar erhebt die BigS den Anspruch, wissenschaftlich zu sein. Aber was besagt das schon? Johannes Keppler war auch der Ansicht, dass Astrologie und Alchemie Wissenschaften seinen. Richtig war es deshalb noch lange nicht...