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1.0 von 5 Sternen
Unzuverlässig, 25. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Bibel in gerechter Sprache (Gebundene Ausgabe)
Eine der Herausgeberinnen, Claudia Janssen, behauptet in einem Interview: "Der Apostel benutzt die Wendung 'adelphoi', und diese muss laut Wörterbuch mit 'Geschwister' übersetzt werden, wenn davon auszugehen ist, dass eine Gruppe von Männern und Frauen angesprochen wird."
Das ist sprachwissenschaftlich so nicht zu halten. *-oi* bezeichnet einen Plural Maskulinum. Paulus hat selbstverständlich die Schwestern in der Gemeinde mit ansprechen wollen. Daraus folgt aber nicht, dass er 'Geschwister' sagen wollte, wofür das Griechische so wenig wie das Englische ein Wort oder Konzept hat. Wie im Englischen in einem solchen Fall die Schwestern ausdrücklich benannt werden müssen, falls der Sprecher dies wünscht ('Do you have any brothers or sisters?') hieße es dann auf Griechisch 'adelphoi kai adelphai'. Paulus muss die 'Brüder' stellvertretend für beide Geschlechter angesprochen haben, eine Möglichkeit, die von den Herausgebern willkürlich ausgeschlossen wurde.
Es handelte sich bei Paulus um die Stilfigur *pars pro toto*, wie man sie ebenfalls gebraucht, wenn man zB von "Dächern" spricht und "Häuser" meint. Diese Stilfigur geht bei dieser modischen Übersetzung unnötigerweise über Bord, obwohl sie auch auf Deutsch hätte wiedergegeben werden können. Schon darin liegt eine Verfälschung von Paulus' Intention.--Als Grundsatz verlautbart Frau Janssen: "Wir schreiben nur an den Stellen die maskuline Form, an denen definitiv beweisbar ist, dass Frauen nicht anwesend waren."
Dies seltsame "Übersetzungs"-Prinzip hat mit zünftiger Übersetzung nichts zu tun: Wenn in der Quellsprache Frauen nicht ausdrücklich genannt werden, dann dürfen sie auch in der Zielsprache im übersetzten Text nicht ausdrücklich genannt werden. Weiterführende Erwägungen und Spekulationen gehören in Anmerkungen und Kommentare: Sie gehören nicht zum Text.
Eine Übersetzung muss versuchen, in der Zielsprache so genau wie möglich den Adressaten zu beeindrucken wie der Original-Adressat in der Quellsprache beeindruckt worden ist; auch dann ergeben sich noch genug Schwierigkeiten, unübersetzbare Stellen, wo man zu Behelfslösungen greifen muss; auch Fehler schleichen sich ein. Gibt man aber diesen Anspruch--wie hier--aus welchen Motiven auch immer von vornherein auf, dann kann man sich gleich auch selber etwas Schönes dichten; eine Übersetzung ist etwas so Willkürliches nicht mehr.
Übersetzer sind nicht dazu berufen, den Text der Bibel im Sinne vorgegebener Ideologien, Profile oder was auch immer es sein mag zu "verbessern", wie es hier geschehen ist; und das gilt erst recht bei vielen noch gröberen Zugaben und Verdrehungen, die von den zahlreichen Kritikern des Buchs hervorgehoben worden sind, ganz zu schweigen von den Ver-Banalisierungen, die im Vergleich mit den klingenden Übersetzungen wie der Luthers vorgenommen worden sind.
Nachfolgend ein paar persönliche Beobachtungen zu Gen 3.
Gen 3:1: "Die Schlange hatte weniger an aber mehr drauf als alle anderen Tiere des Feldes" [statt Übersetzung unzulässige Interpretation des hebräischen Anklangs zwischen /'arúm/ 'listig' in Vers 1 und /'ejróm ~ 'ejrumím/ 'nackt'/ in Vers 7ff, wo mit 'dass sie nichts anhatten' unnötig um 'nackt' herumgeredet wird; witzloser Stilbruch]; V. 8 "Dann hörten sie ein Geräusch. Adonaj, Gott, ging im Garten umher in der täglichen Brise." [Nach der masoretischen Akzentuierung ist /qol/ 'Stimme' eng verbunden mit dem nachfolgenden Gottesnamen /YHWH/; die vertraute Übersetzung "Dann hörten sie die Stimme Gottes des HERRN, der..." ist nicht anzufechten, zumal da sie auch der hervorragenen jüdischen Übersetzung ins Griechische in der Septuaginta (3.-1. Jh v Chr) entspricht: /kaì éekousan *tèen foonèen kyríu tû theû*/; die Einführung des Fremdworts "Adonaj" in die Zielsprache als Ersatz für den Gottesnamen statt des gewohnten HERR ist übersetzungstechnisch schlecht und überflüssig.] V. 15 "Feindschaft stifte ich zwischen dir und der Frau [nach der Satzstellung liegen hier Zukunftsaussagen vor, was die Elberfelder Übersetzung richtig erfasst hatte: "Und ich werde Feindschaft setzen"; entsprechend in Vers 16ff; der syntaktische Zusammenhang ist offenbar verkannt], zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs. Der wird deinen Kopf angreifen, du wirst seine Ferse angreifen" [hier einmal die Zukunftsaussage ok, ansonsten banal]. Vers 24: "So vertrieb sie [die Menschen]." [Mit 'sie' ist hier Gott gemeint; das Hebräische hat als Verbform aber /yegárä¨/, 3. Person Singular *maskulinum*; hätte der Verfasser ein Femininum gemeint, dann hätte er /tegárä¨/ schreiben müssen; der ununterbrochene, willkürliche Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Fürwörtern in Bezug auf Gott in dieser Version stellt nicht Gott *über* die Geschlechter, wie man offenbar beabsichtigte; sondern der stilistische Effekt ist der, dass Gott in unerträglicher Weise sexualisiert wird -- ganz im Gegensatz zum Grundtext.]--Alle Beanstandungen betreffen Naheliegendes, nicht streitige Lesarten oder Interpretationen.
Der Hamburger Religionspädagoge Fulbert Steffensky hat gemeint, dass die neue Frauenbibel wohl "nie aus dem Trockendock der guten Absichten" herauskommen werde (zitiert im Spiegel 44, 30.10.2006, S. 191A). Dem stimme ich nicht zu.
Auch Philologie spielt sich nicht im moralfreien Raum ab. Wer eine nachlässige und verfälschte Version wie diese als Übersetzung ausgibt, der betrügt einen jeden Leser, der das Resultat nicht anhand der Grundtexte überprüfen kann. Ein solcher "Übersetzer" macht sich zum Inhaber von geheimem Herrschaftswissen, das er dem Publikum vorenthält. So ein unehrliches und hoffärtiges Vorgehen, wenn es sich dabei ausgerechnet auch noch um die Bibel handelt, in der viele Menschen ungeschönte Aufschlüsse zu den letzten Dingen suchen, lässt sich in meinem Sprachgebrauch mit dem Konzept der guten Absichten nicht mehr in Einklang bringen.
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Weder gerecht noch eine Übersetzung, 7. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Bibel in gerechter Sprache (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist keine Übersetzung der Bibel, sondern weitgehend eine Interpretation, die sich an die Stelle des eigentlichen Textes setzt. So etwas dürfte man mit Karl May nicht machen - und tut es auch nicht; mit der Bibel darf man es erst recht nicht machen - und tut es doch.
Ein Beispiel: choris ergon nomou (Römer 3,28) heißt wörtlich "ohne Werke des Gesetzes", wird hier aber wiedergegeben mit "ohne daß schon alles geschafft wurde, was die Tora fordert". Selbst wenn Paulus es so gemeint haben sollte, was man sich kaum vorstellen kann, es steht eben nicht da. Was ist das nur für eine Anmaßung, die eigenen Gedanken als Worte des Apostels auszugeben!
Zugegeben: es gibt auch Stellen, die wirklich übersetzt und nicht nur frei wiedergegeben sind. Allerdings erwartet man von einer Übersetzung, insbesondere einer Bibelübersetzung, daß das gleiche Wort wenn möglich auch immer gleich übersetzt wird. In dieser "Bibel" wird nicht nur der alttestamentliche Gottesname bekanntlich nach Gutdünken ganz verschieden bezeichnet (was immerhin dem Leser angezeigt und begründet wird), im Neuen Testament wird ein so wichtiges Wort wie pisteuein auch im einen Evangelium mit "glauben", im anderen mit "vertrauen" übersetzt. Der einzige Grund hierfür liegt wohl darin, daß hier verschiedene Bearbeiter am Werk waren.
Ja, und was ist gerecht daran, wenn pater und hyios, was nun einmal "Vater" und "Sohn" bedeutet, ständig durch "Vater und Mutter für uns" bzw. "Kind" ersetzt werden? Da bekommt man doch den Eindruck, daß die Kreise, die hinter diesem Buch stehen, männliche Bezeichungen und vielleicht Männer überhaupt grundsätzlich für etwas Schlechtes halten. (Der Teufel bleibt nämlich bei ihnen männlich.)
Wenn ich diese Bibel mit einer anderen vergleichen soll, fällt mir die Übertragung der "Zeugen Jehovas" ein. Hier wie da trägt eine Gruppe ihr Weltbild in den Bibeltext hinein, und so wie die die ZJ überall ihr "Jehova" hinschreiben, wo "Gott" oder "Herr" steht, so wird hier auch im Neuen Testament "Messias" eingetragen, wo es "christos" heißt, und "Tora", wo nomos ("Gesetz") steht, Wörter, die das NT nicht kennt - aber sie sind eben politisch korrekter.
Kein Wunder, daß namhafte Theologen meinen, daß eine Taufe, bei der die Taufformel aus der "Bibel in gerechter Sprache" verwendet wird, nicht gültig wäre. Die Taufe der Zeugen Jehovas wird ja auch nicht anerkannt.
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26 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Gewagter Text, der nicht zu übersetzen wagt, 21. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Bibel in gerechter Sprache (Gebundene Ausgabe)
Für ungezählt viele Verse bietet die hebräische Bibel jeweils mehrere Deutungen an (nach hebräischen Erklärungen vier: PESCHAT ~ "wörtlich", REMES~"allegorisch", DERASCH~"homiletisch" und SOD, etwa:"mystisch"). Die ÜbersetzerInnen der BigS bekunden zwar, dass jede Übersetzung eine Interpretation ist, weichen aber der darin liegenden Herausfordering aus, sich für eine der sich anbietenden Möglichkeiten zu entscheiden, also entweder sich eindeutig zu einer bestimmten Auslegung zu bekennen, oder aber einen deutschen Ausdruck zu finden, der wie der hebräische mehrere Deutungen offen lässt. Jedes Blatt, auf welchem von Gott die Rede ist, überschreiben die BigS-ÜbersetzerInnen mit bis zu sieben Angeboten, mit welchem deutschen Wort die hebräische Bezeichnung Gottes übersetzt werden könnte Und für das erste Wort der Bibel listen sie sieben Möglichkeiten auf ("Im","Am","Zu" "Als", "Durch einen" "Beginn"bzw."Anfang") und offenbaren damit, was sich auch in einzelnen Übersetzungen der biblischen Bücher zeigt, dass sie zwar die hebräische Sprache behersrschen, aber leider nicht ausreichend die deutsche. So erklärt sich auch die umgangssprachliche Stillosigkeit, dass eine Sprache "gerecht" sein könnte.
Die BigS entkleidet die Bibel eines jeglichen poetischen Zaubers, und ihre ÜbersetzerInnen verkennen völlig Sinn, ,Gehalt und Charakter eines Gleichnisses:
Wenn Gott nach Sprüche 8 die Welt gemeinsam mit seiner Gespielin Chochma, der Weisheit, die Welt erschafft, dann lässt sich das nicht so umdichten, dass eine Muttergottheit dies gemeinsam mit einem Gespielen tut.
Wenn Hesekiel berichtet, dass Gott die beiden Schwestern Jerusalem und Samaria heiratet, dann wagen die BigS-Übersetzer freilich nicht, die Geschwister umzudichten zu feurigen Jünglingen, welche eine Göttin heiraten, ehe sie mit anderen Göttinnen Unzucht treiben, was einer Auffassung der rein sprachlichen Zufälligkeit des Gleichnisses entspräche. Wenn Gott als väterlich dargestellt wird, dann ist das nicht nur auf das grammatische Geschlecht in der hebräischen Sprache zurückzuführen.
Man verführt den Leser des Richterbuches auch nicht willentlich dazu, sich vorzustellen, wie "Iraelitinnen" Schulter an Schulter mit den Israeliten pärchenweise in die Schlacht ziehen, wo sie die ebenso aufgebotenen "Moabiterinnen" zu Paaren treiben. Nein! "Israelitinnen und Moabiterinnen" gibt es lediglich als wesenlose Schatten in einer Sprache, die um dessentwillen "gerecht" genannt wird. Und die ewige "Mutter", die statt des Vaters, der am Tage der Taufe einen Sohn oder diesen schon vor aller Zeit zeugte, hat nicht das geringste mit einer Frau zu tun, die wie irdische Frauen oder ostasiatische Göttinnen beim Stillen eines Kindes Seligkeit empfindet und nach der Entwöhnung sich entsprechend Gen 3,16 nach einem Manne sehnt , der Urheber künftiger ähnlicher Wonnen wird. Weder Vater noch Mutter sind in der BigS irgendwelche elterlichen Empfindungen zuzumuten.
Wenn Bibelübersetzer (an erster Stelle Luther) anmerken, dass der "Mann", der im 1. Psalm "selig " genannt wird, (" inklusiv") für alle tapferen Menschen,d.h. selbstverständlich auch für alle "mannhaften" Frauen steht, dann wenden die BigS-InterpretInnen diesen Ausdruck ins Exklusive und sexualisieren ihn: "Selig die Frau, der Mann" , wobei unter "sexualisieren " beileibe keine zärtliche oder gar leidenschaftliche Beziehung verstanden werden darf, sondern lediglich eine blutlose schemenhafte Substanzlosigkeit, die es nur in der "gerechten Sprache" gibt
Was den 42 Übersetzerinnen und den 10 Übersetzern ohne Schmälerung der Tiefe ihrer Religiosiätät oder der Gewissenhaftigkeit ihrer Übersetzungsbemühungen vorzuwerfen war, ist, dass sie sich weder in einem kirchlichen (etwa lutherischen) noch (wie 100 Mitarbeiter und 10 Mitarbeiterinnen der Septuaginta-Übersetzung) in einem sprachwissenschaftlichen, sondern in einem gemeinsamen, zwar redlich eingestandenen, aber unbestreitbar bibelfremden Anliegen zusammengefunden haben.
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