Für ungezählt viele Verse bietet die hebräische Bibel jeweils mehrere Deutungen an (nach hebräischen Erklärungen vier: PESCHAT ~ "wörtlich", REMES~"allegorisch", DERASCH~"homiletisch" und SOD, etwa:"mystisch"). Die ÜbersetzerInnen der BigS bekunden zwar, dass jede Übersetzung eine Interpretation ist, weichen aber der darin liegenden Herausfordering aus, sich für eine der sich anbietenden Möglichkeiten zu entscheiden, also entweder sich eindeutig zu einer bestimmten Auslegung zu bekennen, oder aber einen deutschen Ausdruck zu finden, der wie der hebräische mehrere Deutungen offen lässt. Jedes Blatt, auf welchem von Gott die Rede ist, überschreiben die BigS-ÜbersetzerInnen mit bis zu sieben Angeboten, mit welchem deutschen Wort die hebräische Bezeichnung Gottes übersetzt werden könnte Und für das erste Wort der Bibel listen sie sieben Möglichkeiten auf ("Im","Am","Zu" "Als", "Durch einen" "Beginn"bzw."Anfang") und offenbaren damit, was sich auch in einzelnen Übersetzungen der biblischen Bücher zeigt, dass sie zwar die hebräische Sprache behersrschen, aber leider nicht ausreichend die deutsche. So erklärt sich auch die umgangssprachliche Stillosigkeit, dass eine Sprache "gerecht" sein könnte.
Die BigS entkleidet die Bibel eines jeglichen poetischen Zaubers, und ihre ÜbersetzerInnen verkennen völlig Sinn, ,Gehalt und Charakter eines Gleichnisses:
Wenn Gott nach Sprüche 8 die Welt gemeinsam mit seiner Gespielin Chochma, der Weisheit, die Welt erschafft, dann lässt sich das nicht so umdichten, dass eine Muttergottheit dies gemeinsam mit einem Gespielen tut.
Wenn Hesekiel berichtet, dass Gott die beiden Schwestern Jerusalem und Samaria heiratet, dann wagen die BigS-Übersetzer freilich nicht, die Geschwister umzudichten zu feurigen Jünglingen, welche eine Göttin heiraten, ehe sie mit anderen Göttinnen Unzucht treiben, was einer Auffassung der rein sprachlichen Zufälligkeit des Gleichnisses entspräche. Wenn Gott als väterlich dargestellt wird, dann ist das nicht nur auf das grammatische Geschlecht in der hebräischen Sprache zurückzuführen.
Man verführt den Leser des Richterbuches auch nicht willentlich dazu, sich vorzustellen, wie "Iraelitinnen" Schulter an Schulter mit den Israeliten pärchenweise in die Schlacht ziehen, wo sie die ebenso aufgebotenen "Moabiterinnen" zu Paaren treiben. Nein! "Israelitinnen und Moabiterinnen" gibt es lediglich als wesenlose Schatten in einer Sprache, die um dessentwillen "gerecht" genannt wird. Und die ewige "Mutter", die statt des Vaters, der am Tage der Taufe einen Sohn oder diesen schon vor aller Zeit zeugte, hat nicht das geringste mit einer Frau zu tun, die wie irdische Frauen oder ostasiatische Göttinnen beim Stillen eines Kindes Seligkeit empfindet und nach der Entwöhnung sich entsprechend Gen 3,16 nach einem Manne sehnt , der Urheber künftiger ähnlicher Wonnen wird. Weder Vater noch Mutter sind in der BigS irgendwelche elterlichen Empfindungen zuzumuten.
Wenn Bibelübersetzer (an erster Stelle Luther) anmerken, dass der "Mann", der im 1. Psalm "selig " genannt wird, (" inklusiv") für alle tapferen Menschen,d.h. selbstverständlich auch für alle "mannhaften" Frauen steht, dann wenden die BigS-InterpretInnen diesen Ausdruck ins Exklusive und sexualisieren ihn: "Selig die Frau, der Mann" , wobei unter "sexualisieren " beileibe keine zärtliche oder gar leidenschaftliche Beziehung verstanden werden darf, sondern lediglich eine blutlose schemenhafte Substanzlosigkeit, die es nur in der "gerechten Sprache" gibt
Was den 42 Übersetzerinnen und den 10 Übersetzern ohne Schmälerung der Tiefe ihrer Religiosiätät oder der Gewissenhaftigkeit ihrer Übersetzungsbemühungen vorzuwerfen war, ist, dass sie sich weder in einem kirchlichen (etwa lutherischen) noch (wie 100 Mitarbeiter und 10 Mitarbeiterinnen der Septuaginta-Übersetzung) in einem sprachwissenschaftlichen, sondern in einem gemeinsamen, zwar redlich eingestandenen, aber unbestreitbar bibelfremden Anliegen zusammengefunden haben.