Ausgangsthese der Plananalyse ist, dass der Patient nach einem inneren Schema (oder einem Drehbuch) im Leben vorgeht, wobei ihm dies nicht bewusst zu sein braucht. Die Plananalyse will dieses Schema oder Drehbuch erkennen, beschreiben, bewusst machen und nötigenfalls verändern. Hauptzweck dieses Buches ist es, eine konkrete Anleitung zum Durchführen von Plananalysen als Basis für die Therapiedurchführung zu geben.
Im ersten Kapitel wird der Stellenwert von Fallkonzeptionen für die Therapieplanung erläutert. Im zweiten Kapitel wird in die Entstehung und theoretischen Grundannahmen des Plananalyse-Konzeptes eingeführt. Im dritten Kapitel ist dargestellt, wie Fallkonzeptionen aufgebaut werden können; zur Illustration folgt eine Beispiels-Fallkonzeption. Im vierten Kapitel folgen dann detaillierte Angaben zum technischen Durchführen von Analysen. Im fünften Teil wird die Verbindung von Plänen zu anderen Teilen menschlichen Verhaltens und Erlebens ausführlich thematisiert und insbesondere eine Verbindung zu Klaus Grawes Schema-Ansatz hergestellt. Im sechsten Kapitel folgt eine kurze Darstellung von Forschungsanwendungen der Plananalyse. Stichworte am Rand und ein Personen- und ein Sachregister am Schluss erleichtern die Orientierung.
Plananalytiker gehen davon aus, dass negative Gefühle wie Angst, Wut, Scham, Schuldgefühle, depressive und ähnliche Gefühle in der Regel dann entstehen, wenn wichtige Pläne eines Menschen bedroht oder blockiert werden oder Handlungsalternativen fehlen. Psychische Störungen sind Nebenwirkungen von missglückten Versuchen, wichtige Bedürfnisse zu befriedigen (Caspar, S. 77 ff). Vermeidungspläne sind Pläne, welche verhindern, dass ein Mensch einfach und unkompliziert der Realisierung seiner wichtigsten Bedürfnisse nachgeht.
Plananalyse berücksichtigt die vielen verschiedenen Möglichkeiten und Verschleierungen, denen der Mensch fähig ist. Dadurch gewinnt sie eine Komplexität, die ihrem Vorhaben, Komplexität zu reduzieren, entgegensteht. Die grafisch dargestellten Plananalysen aus konkreten Einzeltherapien (beispielsweise S. 85 und 87) sind schlicht nicht begreifbar. Ein bis zwei Seiten Fallanalyse im Fließtext wären anschaulicher. Die prototypischen Strukturen in dem Buch sind einfach nur verwirrend - oder allenfalls verstehbar, wenn man sich längere Zeit in sie hineinversenkt. Sie bedeuten also keine Verschlankung und keine Zeitersparnis.
Die Plananalyse klingt einfach, doch dahinter verbergen sich eine Fülle von theoretischen und praktischen Problemen, denen sich der Autor und seine Mitarbeiter durchaus bewusst sind und die in dem Buch ausführlich behandelt werden. Mit jeder Differenzierung geht freilich eine Anwendungseinschränkung einher, was die Anwendungsbreite der Plananalyse reduziert. Dieses Schicksal teilt sie mit allen anderen therapeutischen Verfahren.
In der praktischen Anwendung zeigte sich zudem, dass die Vermittlung des Plananalyse-Konzepts viel Zeit bindet und dass zudem Klienten durch ein ausgiebiges und explizites Sprechen über ihre hypothetischen Pläne vielfach überfordert werden. Und es muss daran erinnert werden, dass die Plananalyse nur einen Teil einer Gesamttherapie ausmacht, also andere Therapieteile ebenfalls ihre Zeit beanspruchen.
Die Operationalisierung per Plananalyse hat bei aller gegenteiligen Beteuerung etwas stark Mechanisches und Unsinnliches. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, all diese Konstrukte im Kopf zu haben und gleichzeitig sich dem Patienten emphatisch zuzuwenden. Ich habe deshalb meine Zweifel, ob die Plananalyse eine größere Verbreitung verdient. Man kann zur Plananalyse greifen, muss es aber nicht.
Gerald Mackenthun (Berlin/Magdeburg), November 2007