Der sensationelle Erfolg der Fernsehserie "Dallas" ist untrennbar mit der Figur des von Larry Hagman verkörperten Bösewichts J.R. Ewing verbunden. Wie kein anderer Darsteller prägte Hagman die Serie, zumal er auch die Drehbücher für etliche Folgen schrieb. Leider gibt es kaum Bücher, die mit Innenansichten über die Produktion von "Dallas" aufwarten: Nach welchen Kriterien wurden die Darsteller ausgewählt? Wie wurden sie bezahlt? Wie war das Verhältnis der Darsteller untereinander? Wer legte die Storylines fest? Wo genau wurde gedreht? Gerade für das von ernstzunehmenden einheimischen Serien nicht gerade verwöhnte deutsche Publikum wären solche Einblicke interessant, weil "Dallas" in vielerlei Hinsicht noch immer das Maß der Dinge ist. Die Macher der Serie schafften es zudem eindrucksvoll, das Lebensgefühl jener Zeit und auch jener Stadt zu vermitteln. J.R. "war" ein unabhängiger Öl-Produzent, Carter McKay "war" der Chef von Weststar Oil - und selbst Cliff Barnes nahm man den Unternehmer und zeitweiligen einflussreichen Leiter der Oil Regulatory Commission ab. Demgegenüber wirken deutsche Schauspieler, die Unternehmer spielen sollen, in der Regel einfach nur fehl am Platz.
Zwar gibt es Bücher über "Dallas", aber das sind entweder die Romane von Burt Hirschfeld, die mit der Serie nur wenig zu tun haben, oder typische Fan-Werke wie jenes von Laura van Wormer. Hinzu kommt, dass diese Bücher alle vergleichsweise alt sind und zu einer Zeit entstanden, als "Dallas" noch gar nicht die wunderbare Leichtigkeit der letzten Jahre hatte, sondern noch vergleichsweise ernst, düster und wenig unterhaltsam daherkam. Umso größer waren meine Erwartungen, als Larry Hagman seine Autobiographie auf den Markt brachte. Zwar war davon auszugehen, dass sie nicht nur "Dallas" gewidmet sein würde, hatte Hagman doch bereits zuvor unter anderem als Major Nelson in "Bezaubernde Jeannie" eine gewisse Berühtmheit erlangt. Dennoch ging ich angesichts der Bedeutung, die die Rolle des J.R. für Hagmans Karriere hatte, davon aus, dass seine Biographie mit einigen "Dallas"-Innenansichten aufwartet.
Doch leider werden diese Erwartungen enttäuscht. "Dallas" findet zwar durchaus Erwähnung. Aber von einem ernsthaften Blick hinter die Kulissen einer der erfolgreichsten Serien der Fernsehgeschichte - die Folge "Wer schoß auf J.R.?" hatte 83 Millionen Zuschauer - kann leider kaum die Rede sein. Teilweise beschränkt sich Hagman auf alberne Plattheiten ("Charlene Tilton [...] hatte alle Qualitäten einer reifen Texas-Tomate."). An anderer Stelle erzählt er schlicht Unsinn. So umreisst er die Hauptfiguren der Serie u.a. mit den Worten "Mama war eine alte Hure. Daddy war ein Alkoholiker... Mein kleiner Bruder war ein Weiberheld." Kann jemand, der ernst genommen werden will, "Miss Ellie" Ewing wirklich als "alte Hure" bezeichnen? Mitunter widerspricht sich Hagman selbst. So schreibt er über die kurzzeitige Miss-Ellie-Darstellerin Donna Reed zunächst: "Für die Rolle von Mama war sie eine exzellente Wahl." Keine drei Zeilen später heißt es: "Sie hatte nie die Stärke und Schärfe, die Babara [Bel Geddes] der Rolle verliehen hatte." Dass er den Darsteller des großen J.R.-Gegenspielers Cliff Barnes, Ken Kercheval, für die "perfekte Besetzung" hielt, begründet Hagman so: "Er war unberechenbar und dadurch war seine Arbeit so gut und so spannungsreich." Ist das wirklich alles, was ihm zu Cliff einfällt? Oberflächlichkeiten dieser Art prägen seine Ausführungen zu den anderen Darstellern und der Arbeit am Set. Ansonsten ergeht er sich in ausschweifenden Geschichten über Alkoholexzesse, etwa mit Dialogen dieser Art: "Er hat Champagner aus dem Schuh meiner Frau getrunken." - "Yeah, und er hat eine gute Flasche Champagner verschwendet. Die Schuhe Deiner Frau waren vorne offen." Übrigens ist auch das Cover des Buches diesem dürftigen Niveau angepasst. Alle Welt kennt Hagman alias J.R. im grauen Anzug und mit Stetson auf dem Kopf. Doch das Cover zeigt Larry Hagman in einer absurden, indianerkostümartigen Lederjacke mit Trödeln, die nun wirklich nichts mit J.R. zu tun hat.
Fazit: Eine Enttäuschung!