Beckmann hat eine besondere, persönliche Vorstellung vom Fotografieren. Er unterhält sich mit seinen Models bis der Moment kommt (oder nicht kommt), dann holt er eine Mittelformatkamera raus und verschiesst 10-15 Filme. Nicht der Fotos wegen, sondern wegen des Vorganges und des Prozesses an sich, der dabei stattfindet. Im Laufe der Jahre fotografiert er seine Models immer wieder. Er wird zum Dokumentator einer Entwicklung und eines Selbstbildes im Wandel der Zeit.
In diesem, in Eigenverlag herausgegebenen dicken und saftigen Bildband findet man Frauen wie man sie sonst selten sieht. Düster manche, androgyn andere, befreit vom Ballast des Gewollten, Gestellten. Komplexe Bilder von komplexen Menschen. Manche davon zeigen viel nackte Haut, aber es sind keine erotischen Bilder, die Frauen hier werden nicht bloßgestellt oder zum Objekt der Begierde. Sie sind nicht schön oder hässlich, sie sind einfach, wie sie eben sind.
Technisch gesehen wird da wenig Aufwand getrieben. Eine alte Tisch- Lampe, eine Kamera, ein Fotograf und eine Frau, das reicht hier. In einem sehr persönlichen, langen Text erzählt der Autor, was er sich dabei denkt- wer sich Tipps erwartet, ist hier falsch. Es ist ein Einblick in die Welt eines ungewöhnlichen Fotografen in Textform und ein Einblick in die Welt der von ihm Portraitierten.
Der Preis von 36 Euro ist für ein Buch mit kleiner Auflage und gutem Druck im Eigenverlag sehr angemessen. Wer die Ausgabe scheut, findet den Autor auch im Netz, zum Beispiel bei Flicker. Kaufempfehlung.