58 Minuten lang beweist Hackett auf seinem neuen Album einmal mehr, dass er nach wie vor zu den besten Rockgitarristen gezählt werden muss. Er spielt keine extravaganten oder superschnellen Sachen auf seinem Instrument, er muss niemandem mehr etwas beweisen, eher könnte man bei ihm von Understatement, Unaufgeregtheit oder ganz einfach Songdienlichkeit in seinem Spiel sprechen.
Abwechslungsreichtum ist wieder Trumpf: von der harten Rock-, über die Blues- bis hin zur Klassischen Gitarre sind wieder alle Klänge und Spielarten vertreten. Auch das ein oder andere elegische Solo darf natürlich wieder nicht fehlen.
Neben einigen reinen Instrumental-Titeln (wunderbar: das mit 0:48 Minuten viel zu kurze "Wanderlust") wird natürlich auch gesungen. Wer Hackett kennt, weiß, dass er hier keine technischen Wunderdinge erwarten darf. Mal ist der Gesang elektronisch verfremdet, mal mit einem recht starken Hall versehen, aber die Bandbreite im Ausdruck bleibt dennoch immer hörbar limitiert. Peinlich oder nervig wird der Gesang für meinen Geschmack jedoch nie.
Was unterscheidet "Beyond..." von vergleichbaren Alben wie "Out of..." oder "To Watch..."?
Auf dem neuen Album geht es insgesamt etwas ruhiger zu, als man es sonst von Hacketts Rockalben gewohnt ist. Es sind relativ viele ruhigere bzw. gleichförmigere Stücke vertreten, die sich in der Mitte des Albums für mein Empfinden etwas zu sehr häufen. Nichts gegen langsamere Stücke, aber zwischenzeitlich geht dem Album etwas die anfängliche Spannung verloren. Erst gegen Ende mit dem Blues "Catwalk" und dem abwechslungsreichen 12-Minüter "Turn this Island Earth" nimmt das Album wieder so richtig Fahrt auf.
Ein sehr relaxtes und abgeklärt wirkendes Album, dem ein paar Ecken und Kanten mehr sicherlich nicht geschadet hätten. Stellenweise kamen mir beim Hören Assozationen zu Gilmours "On An Island" in den Sinn. Die Produktion hat für mein Empfinden etwas zu viel "Weichzeichner" drauf und klingt phasenweise auch ein wenig undynamisch, was mir ebenfalls nicht so sonderlich gut gefällt.
Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Fans werden nicht enttäuscht sein, auch wenn mir persönlich z.B. "Out of the Tunnel's Mouth" insgesamt doch etwas besser gefällt.
Zum Kauf der "Special Edition" kann ich nur ausrücklich raten. Hier gibt's zusätzliche 28 Minuten mit ausschließlich instrumentalen Titeln, wo Hackett seine gesamte Bandbreite und sein ganzes Können (vor allem auf der akustischen Gitarre) zum Besten gibt.
4 Sterne ****