Beyond Budgeting Round Table Director Pfläging präsentiert hier seine Ansichten zum Thema Beyond Budgeting. Offiziell ist die Auflage ja bereits vergriffen, wird hier aber häufig gebraucht angeboten. Das Buch hat sich außerdem zu einem Standardwerk für Beyond Budgeting Interessierte entwickelt.
Auf mehreren hundert Seiten beschreibt Pfläging zuerst die Nachteile der klassischen Budgetierung, geht dann auf die in seinen Augen unsinnigen Versuche ein die traditionelle Budgetierung zu verbessern (Better Budgeting) und präsentiert letzlich sein Beyond Budgeting als Lösung allen Übels. Man muss ihm dabei zu Gute halten, dass das Buch rhetorisch gut geschrieben ist, die Thesen erscheinen intuitiv einleuchtend. Andererseits mal einige kritische Anmerkungen zum Aufbau des Buchs bzw. etwas Denkfutter zur immer reißerischer werdenden Beyond Budgeting Diskussion:
- Das Buch beginnt damit, die Beyond Budgeting Bewegung als "Rächer die Budgetgeknechteten" zu positionieren, indem die Nachteile der Budgetierung behandelt und stark verallgemeinert als das zentrale Problem in Unternehmen dargestellt werden. Es ist anzumerken, dass die Kritik an der Budgetierung nicht vom Beyond Budgeting Round Table erfunden wurde. Budgets wurden schon Jahrzehnte vor Beyond Budgeting kritisiert. Daher bedient man sich hier nur alter Thesen und schafft keine Neuen!
- Des Weiteren wird vergessen, dass Budgets auch gewisse Funktionen wahrnehmen. Warum wohl würde sonst praktisch jedes Unternehmen Budgets einsetzen, wenn die völlig nutzlos und nur schlecht wären?
- Better Budgeting Initiativen generell als schlecht und aussichtslos abzutun halte ich für falsch. Solche Lösungen können allenfalls kontextabhängig kritisch hinterfragt werden. Es wird unternehmensspezisch zu entscheiden sein, ob sie Sinn machen oder nicht.
- Beyond Budgeting als ein Allheilmittel zu sehen halte ich für (gelinde gesagt) übertrieben. Dieses (angebliche) Steuerungsmodell wurde anhand der Beobachtung isolierter Einzelbeispiele entwickelt (man könnte auch sagen "zusammengeschustert"). In meinen Augen ist es daher allenfalls eine Sammlung von "Best Practices", die in Einzelfällen wohl mehr oder weniger erfolgreich sind bzw. waren (das in diesem Buch genannte Fallbeispiel Borealis hat Beyond Budgeting mittlerweile wieder gegen eine Better Budgeting Initiative eingetauscht!).
- Es lassen sich problemlos Fallbeispiele finden, in denen Unternehmen gescheitert sind, obwohl sie Beyond Budgeting betrieben. Die Liste solcher Firmen reicht von Enron bis hin zu unzähligen New Economy Firmen. Dort waren Budgets nicht wichtig und es durften dezentrale Entscheidungen getroffen werden, solange dies zu kurzfristigen Erfolgen führte.
Wer sich mit dem Thema noch nicht auskennt, mag hier einerseits eine einfach zu lesende und unwisenschaftliche Einführung vorfinden. Andererseits, ist eine gewisse Quellenkenntnis unerlässlich, um die Aussagen kritisch einordnen zu können. Eine kritische Würdigung halte ich für Ansätze a la Beyond Budgeting für abolut essentiell, die muss man sich dann wohl woanders herholen.