Das dritte Album von ex-Scorpions Gitarrist Uli Roth macht deutlich, weshalb er der später weltbekannten Hannoveraner Gruppe den Rücken kehrte. Während die ersten beiden Alben Earthquake und Firewind noch näher bei der Hendrix-Tradition lagen, kommen hier deutliche symphonische Elemente hinzu, welche dann in späteren Roth-Werken für meinen Geschmack etwas zu sehr überhand nahmen. Hier stimmt für mich die Mischung ? und die Kompositionen. Deshalb ist Beyond The Astral Skies für mich ein wahres Über-Album! Und es gehört zusammen mit dem Erstling von Zeno (Uli's jüngerer Bruder an der Gitarre) zu meinen beiden Lieblingsalben des intelligenten, melodischen Rocks. Uli Roth zelebriert hier seinen ureigenen Stil an der Gitarre, macht aber niemals den Fehler, sein Gitarrenspiel zum Selbstzweck verkommen zu lassen. Hier wird nicht selbstverliebt gefrickelt, sondern songdienlich gespielt. Und dass dabei auch genug Platz für begeisternde, niemals überflüssige Virtuosität bleibt, ist der geschmackvollen Kunst des Interpreten zuzuschreiben. Einzelne Songs herauszuheben ist müssig, besticht doch das Album als Gesamtwerk. Namhafte Sessionmusiker begleiten Uli Roth auf diesem Album, so ist auch die Zeno-Crew um seinen Bruder Jochen Zeno Roth in einigen Titeln präsent. Die Produktion ist ausgesprochen gelungen, und auch die nicht unumstrittenen gesanglichen Fähigkeiten von Uli Roth stören hier keineswegs ? wird seine eigene Stimme doch von Harmoniestimmen wunderbar gestützt und eingebettet. Keines der nachfolgenden Werke des starken Gitarristen konnte mich wieder derart begeistern. Leider! Er hat sich immer mehr der Klassik verschrieben, wie zuletzt bei seinem orchestralen Werk Metamorphosis. Auf dem Album Beyond The Astral Skies zelebrierte er jedoch anspruchsvolle, kompositorisch starke und atmosphärische Rockmusik mit zwingenden Melodien und herausragendem Charakter. Ein Album für die Insel!