Die DTX101iE machen äußerlich zwar nicht viel her. Inhaltlich haben sie jedoch reichlich zu bieten. Vom Design können sie einem Sony MDR-EX310 nicht das Wasser reichen. Auch ihre Ergonomie hätte doch einige Einfälle mehr vertragen können. Gerade für asymmetrische Gehörgänge kann das Einsetzen zur Geduldsprobe werden. Denn der Klang ändert sich enorm, drückt man sie z.B. zu weit ins Ohr, ist der Bass zu schwach. Drückt man sie nur leicht an den Eingang des Gehörgangs, bebt der Bass. Körperschall ist ebenfalls ein Problem. Er wird über die Kabel an die Hörer und somit ins Gehör weitergeleitet. Zum Joggen also schonmal ungeeignet, obwohl die Kabelgeräusche leiser sind, als bei so den meisten anderen In-Ears (z.B. Creative EP 630).
Das waren erstmal die schlechten Nachrichten. Die guten Nachricht ist, der Klang ist wirklich angenehm und ausgewogen. Man muss allerdings arg den Sitz dieser In Ears berücksichtigen. Sie sind nicht etwa wie die Sony MDR-EX85, die man weder zu tief, noch zu lasch ins Ohr drückt, da diese eine Bauweise haben, die sich zwischen Ear-Bud und In-Ear bewegt. Man steckt sie sich einfach ins Ohr und sie sitzen, wie sie sitzen sollen. Die DTX101iE müssen allerdings präzise in den Gehörgang geführt werden. Die Wahl der Silikon-Aufstecker, sowie die Tiefe und vor allem die Neigung des Hörers im Ohr spielen eine sehr große Rolle. Da jeder Gehörgang anders geformt ist, wird der Klang arg unterschiedlich empfunden. In meinem Ohr (asymmetrische Gehörgänge, rechter Gehörgang ist größer als der linke) stecke ich die Hörer mitteltief hinein und neige die Membranen leicht nach unten. So habe ich höre ich einen kräftigeren Bass. Je nachdem, ob ich ihn weniger stark haben möchte, drücke ich die In-Ears noch minimal tiefer in den Gehörgang (ein leichter Fingerstupser langt schon).
Gemessen an dieser Positionierung empfinde ich den Klang folgendermaßen:
(Zum Test dienten orchestrale Soundtracks von John Williams, Songs von Adele, Peter Gabriel, Kerli, Young Legionnair und der Elektro-Soundtrack zu Tron Legacy von Daft Punk)
Bässe: sind mittelkräftig, erstaunlich tief und detailreich, gut konturiert und nur minimal weich. Sie könnten ein klein wenig trockener und knackiger klingen, jedoch sind die Ergebnisse sehr gut. Keine Verzerrungen wahrnehmbar.
Mitten: zeigen eine ausgezeichnete Transparenz, sind minimal hell abgestimmt und sonst recht ausgewogen und sehr detailreich. Gesangsstimmen klingen unverfälscht und ausdrucksstark, heben sich sozusagen deutlich von der Instrumentation hervor. Für Vocal und klassische Musik ist dieser Hörer ausgezeichnet! Keine S-Laute oder Verzerrungen zu hören.
Höhen: klingen fein, klar und angenehm mit sehr guter Detailauflösung. Obere Höhen klingen wunderbar brillant, aber spielen ihr Spektrum nicht vollends aus, was sie überaus angenehm macht aber doch schön glänzen lässt. Trompeten und Posaunen klingen frisch und werden kurz bevor sie die Schärfe erreichen leicht abgerundet. Ein Klavierstück auf höheren Oktaven klingt klar mit natürlichem Volumen. Auch hier keine Verzerrungen wahrnehmbar.
Gesamtklangbild: Wunderbar räumlich, analytisch, breite Bühne, sehr gute Auflösung, päziser, druckvoller Tiefton, sehr natürliche farbenfrohe Mitten und angenehm fein glänzende Höhen, die nie zu Schärfe neigen. Kein Rauschen und keine Verzerrungen bei höheren Pegeln wahrnehmbar.
Verarbeitung: Angesichts des UVP könnte es doch gerne mehr als nur Plastik am Gehäuse sein. Das Kabel mit einer festeren Ummantelung verkleidet verquirlt zwar leicht, dämpft aber die Kabelgeräusche stärker ab. Der Stecker ist L-förmig.
Fazit:
Wer ein Bassmonster sucht, sollte sich an die Sony-Modelle halten. Der Bayerdynamic zeigt viel Natürlichkeit und Transparenz, jedoch ohne den Bass zu vernachlässigen. Also nicht vergleichbar mit dem Philips SHE9850, der ebenfalls recht transparent klingt, aber weitaus weniger Bassstärke aufweist. Der Philips zeigt auch keine so natürlichen Mitten und präzisen Höhen, da er noch früher als der Beyerdynamic die Grenze zwischen mittleren und oberen Höhen kappt. Der DTX101iE ist in seiner Preisklasse der Inbegriff des natürlichen Klangs. Da ich viel Wert auf eine brillante und transparente Klangwiedergabe lege, um vorzugsweise klassische Musik zu hören, ist dieser In-Ear das wonach ich lange gesucht habe.
Pro:
+ Natürlicher, analytischer und transparenter Klang mit tiefen Bass
+ Rauschen und Verzerrungen nicht hörbar
+ Kleines Nylon-Transporttäschchen inkl.
+ Sehr gute Geräuschisolierung
Contra:
- Beigaben etwas mager: Kein Reinigungswerkzeug dabei und leider nur drei verschiedene Silicon-Aufsatzgrößen
- Positionierung im Ohr muss exakt stimmen, sonst verfälschter Klang (ist z.B. bei der Bauweise eines Sony MDR-EX85 nicht nötig)
- Kabelgeräusche hörbar