![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Bewusstes Leben: Untersuchungen zur Subjektivität in Beziehung auf Metaphysik: Untersuchungen zum Verhältnis von Subjektivität und Metaphysik gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?
Ist der Verkauf dieses Produkts für Sie nicht akzeptabel? |
Dieter Henrich im Grenzbezirk zwischen Philosophie und Leben
Von Uwe Justus Wenzel
Es sei, schrieb Dieter Henrich einmal, ein verlässliches Axiom für das Philosophieren, dass die Welt nicht einfacher sein könne als der «komplexeste Gedanke», den wir über sie zu fassen fähig sind. Die Sentenz darf als charakteristisch für den Stil ihres Autors gelten; nicht so sehr allerdings, weil sie im Begriffe steht, ins Aphoristische zu entweichen, sondern weil sie einfach und komplex zugleich ist und nicht ohne weiteres zu erkennen gibt, ob sie einen schwierigen Gedanken schlicht oder einen einfachen kompliziert formuliert (oder aber beides). Letzterem wegen mag das Diktum zugleich als «typisch» philosophisches angesehen werden und nicht nur als Ausdruck eines individuellen Denkhabitus.
Weniger repräsentativ für die Klasse der professionell Philosophierenden indes ist, dass Dieter Henrich sich immer wieder ohne Umschweife eines intrikaten Themas angenommen hat, dessen leicht von der Zunge gehende Formel lautet: Philosophie und Leben. Eine kürzlich erschienene Essaysammlung mit dem bereits eine Brücke bauenden Titel «Bewusstes Leben» dokumentiert sein Bemühen, ins reine zu kommen mit jenem «und». Dass es eine Spannung berge, und welche, skizziert Henrich gleich eingangs: Von den Philosophen sei, «seit Platon auftrat», erwartet worden, dass sie den Menschen helfen, Klarheit zu gewinnen über ihr eigenes Leben, über dessen «eigentliche Bewegung» und Bewandtnis. Auf der anderen Seite aber habe die Philosophie im Laufe der Zeit einen Fundus von Problemen und auch Methoden des Denkens geschaffen, die zu dieser ihrer ersten Aufgabe lediglich «indirekte» Beziehungen unterhielten.
KULTURBILDEND E MACHT
Lebensbedeutsame «Tiefenanalyse» dort, wissenschaftlich diszipliniertes Argumentieren im Horizont einer eigenen Tradition hier: Werde die Spannung übermächtig, dann verselbständige sich eine Philosophie «für die Welt», der es an wissenschaftlicher Disziplin gebreche. Ihr Pendant sei ein professionelles Philosophieren, das gar nicht mehr wisse, wie es sich in ein Verhältnis bringen könne zu jenen Fragen, «derentwegen der Philosophie eine Position unter den kulturbildenden Mächten und also unter den Quellen zur Ermöglichung menschlichen Lebens» zuerkannt worden sei. Henrich nimmt nicht mehr nur eine Spannung wahr zwischen Wissenschaft und Tiefenanalyse des Lebens, er sieht einen die Philosophie durchziehenden «Riss» und durch ihn die gegenwärtige Situation beschrieben. Den Riss könnten, wie er andeutet, auch öffentlichkeitswirksame philosophische Debatten über Recht und Freiheit oder über «einzelne ethische Dilemmata» nicht vergessen machen. Die vorgelegten Abhandlungen versteht Henrich als Ergebnis des Versuchs, «aus einer solchen Lage herauszukommen». Aber, regt sich sogleich ein Einwand, will Philosophie nicht zuviel, wenn sie ihre «indirekten» Beziehungen zu lebensbedeutsamen Fragen durch «direkte» ersetzen möchte? Ist, weiter gefragt, jener Riss nicht eine historische Tatsache, eine unvermeidliche Folge der Ausdifferenzierung eines von anderen «kulturbildenden Mächten» unabhängigen Wissenschaftssystems? Ist er damit, noch weiter gefragt, nicht sogar eine vernünftige Errungenschaft, deren Rationalität preisgäbe, wer die Standards der philosophischen Forschung an existentiellen Bedürfnissen ausrichten wollte?
Doch kommt solcher Protest übereilt. Dieter Henrich, der subtile Interpret und Erneuerer der «klassischen» deutschen Philosophie Kants, Fichtes, Schellings, Hölderlins und Hegels, ist der Denker nicht, der den Kopf verliert. Vielleicht will er einen Riss kitten, jene Spannung aber will er nicht beseitigen, er will sie bewahren oder, wo nötig, wiederherstellen. Von einer Balance, in die er die beiden philosophischen Waagschalen zu bringen suche, liesse sich sprechen wenn das Bild nicht in die Irre leitete: Es ignoriert, dass der professionelle Philosoph, der er ist, nicht wägend diese Waage betätigt, sondern ihre eine Schale kraft seines wissenschaftlichen Gewichts unten hält. Um auszubalancieren und um doch im Bild zu bleiben , müsste er von der anderen Seite in sich aufnehmen; müsste innerhalb der disziplinierten und autonomen Philosophie jene existentiellen «Fragen und Erfahrungen unverkürzt zu Wort kommen lassen». Und eben dies ist Henrichs eben so artikulierte Absicht.
Er hat damit mehr und anderes im Sinn, als sich lediglich von dem Motiv tragen zu lassen, dass Philosophie, eigentlich, eine «Menschheitsangelegenheit» sei und nicht ein «Geschäft von Intellektuellenzirkeln». Das Motiv soll sich in Themen und Methoden niederschlagen. Bewegung und Bewandtnis des individuellen Lebens sollen aufgehellt, analysiert werden. Den «Leitfaden» hierzu hat die professionelle Philosophie, wie Henrich sie begreift, zu entwickeln. Was er selbst in die Waagschale zu werfen hat, ist seinen Lesern nicht mehr unbekannt und begegnet auch in den sieben «Untersuchungen zum Verhältnis von Subjektivität und Metaphysik»: eine Theorie der Subjektivität, die mit einer «ursprünglichen Vertrautheit» des Subjekts mit sich selbst anhebt und in metaphysischen «Abschlussgedanken» kulminiert, welche, vorgreifend, eines Lebens Summe ziehen und ins Verhältnis setzen zum «Ganzen dessen, was ist».
METAPHYSIK DER SUBJEKTIVITÄT
In den Fluchtlinien dieser moderaten Metaphysik moderner Subjektivität (vgl. NZZ vom 4./5. 1. 97) zeichnet sich ein bewusstes Leben ab, dem eine Gewissheit über seinen «Ursprung» nicht mitgegeben ist; dem darum aufgegeben ist, sich seiner eigenen Möglichkeiten und Grenzen stets aufs neue zu vergewissern und Grund im Unbegründbaren, aber dennoch nicht Vernunftwidrigen zu finden. Solches Leben entwirft sich und entwirft sich eine Welt; und es beginnt sich in seinem Entwerfen als eines zu verstehen, das nicht willkürlich konstruiert oder Lebenslügen erfindet, das vielmehr einem ihm entzogenen Grund seines Daseins stets schon «entspricht». Die Gestalt eines personalen und gütigen Gottes hebt sich auf diesem Grund, der recht eigentlich ein Ungrund zu nennen wäre, nicht sogleich ab. Henrich, mit der Philosophie des Stoizismus ebenso vertraut wie mit östlichen Weisheiten, erwägt in einem Essay zur «Dankbarkeit» gar, dass «unser Leben» sich in einer kontemplativen Dankbarkeit vollende, «die nach keiner Adresse sucht oder suchen müsste».
Auch diese Botschaft ist vernehmlich: Moderne Subjektivität muss sich nicht in einem fiebrigen Willen zur Macht überschlagen, sie vermag sich in prekärer Freiheit selbst zu erhalten, sie vermag sogar in ihrem Ausgriff auf die Zukunft durch alle unvermeidlichen Ambivalenzen und Konflikte hindurch einem «Einheitssinn» zu folgen, ohne sich zu spreizen und gottgleiche Souveränität anzumassen. Ebensowenig masst sich Henrichs Philosophie an, die Subjektivität, deren Dynamik sie in abstracto nachzeichnet, bevormunden zu wollen. Sie will und kann niemandem «zwingend letzte Gründe» andemonstrieren. Sie verwechselt sich nicht mit dem bewussten Leben, das sie in seinen Selbstbildern und Weltdeutungen zu beschreiben beansprucht. Und doch sprechen Henrichs Versuche bisweilen, und bisweilen ohne letzte Transparenz, die Sprache einer intimen, wechselweisen Berührung von «Philosophie» und «Leben». Die Philosophie, heisst es, sei «einbegriffen» in das bewusste Leben, über dessen Verfassung sie aufkläre und dem sie, immerhin, Möglichkeiten zu einer umfassenden Orientierung verdeutliche.
An anderer Stelle kommt die andere Seite der Konstellation zur Sprache: In den Gang des spekulativen Denkens sei die «Aussicht» darauf «eingeschrieben», dass die nach- und auch vorgezeichnete Bewegung des bewussten Lebens von einem Einzelnen «erwogen und angenommen», dass sie mithin zu einer wirklichen Selbstbeschreibung werde. (Wobei auch hier im unklaren bleibt, welchen Inhalt die philosophischerseits angesonnene Lebensdeutung konkret haben kann.)
So begriffenem philosophischem Denken eignet ein Moment der Bewährung, dessen es sich gar nicht entschlagen kann, ohne seinen Sinn, seinen «Wahrheitssinn» zu verlieren. Es bewährte sich näher betrachtet freilich nur, indem es eine Selbstbeschreibung der Möglichkeit nach erschlösse und in diesem Augenblick gewissermassen innehielte, sich den Übergang in «Lebenspraxis» versagte. Der Moment der Bewährung wäre, so gesehen, zugleich der der Ohnmacht der Philosophie: Nicht an ihr, sondern an den Individuen ist es, ein Leben zu führen. Letzteres akzentuiert Dieter Henrich weniger, als er müsste, um die Grenzen, die er markiert, auch aufrechterhalten zu können. Selbst wenn er es täte, müsste der Grenzgänger allerdings noch erläutern, wie die Grenzen auf Dauer seiner Überzeugung widerstehen sollen, wonach die Philosophie sich heutigentags als Nachfolgerin der Religion zu verstehen habe.
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|