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In seinem Buch „Körperbewusstsein" gelingt es dem Pantomimen Walter Bartussek mit bestechender sprachlicher Ausdruckskraft, Wertschätzung und gut platziertem Humor, den Leser an Erfahrungen heranzuführen, für die es eigentlich keine Worte gibt. „Einfach unbeschreiblich".
Walter Bartussek gibt dem aufgeschlossenen Leser in seinem Buch behutsam aufbauende Übungsanleitungen an die Hand, die nicht nur durch seine eigene Erfahrungen belegt sind, sondern auf sorgfältig recherchierte, zahlreiche Literaturhinweise Bezug nehmen.
Aber auch diejenigen, die sich erst einmal einen Einstieg und Überblick verschaffen wollen, kommen voll auf Ihre Kosten. Durch das Buch schlängelt sich ein roter Faden mit interessanter und für die eigene Entwicklung weiter führender Information.
So wie es nicht möglich ist für andere Menschen zu essen, können wir auch nicht für sie Erfahrungen machen. Wer erst einmal selbst eintaucht, in die durch das Buch vermittelten Übungen, wird das bestätigen können. Nichts kann eigene Erfahrungen ersetzen. Lassen Sie sich überraschen von
Meine zwanzigjährige Tochter Hannah hatte sich meine Digitalkamera ausgeliehen. Am Nachmittag vor der Abreise zu einem Termin, an dem ich die Kamera dringend beruflich brauchte, fiel mir zufällig auf, dass die Speicherkarte in dem Apparat fehlte. Ich schickte meiner Tochter, die schwer zu erreichen war, eine SMS. Gegen 16:00 Uhr kam sie nach Hause. "Kein Problem Mama, ich gebe dir die Karte gleich." Ich war schon ein bisschen nervös, weil ich die technischen Geräte gerne zu aller erst zusammenpacke, denn die Gefahr da etwas vergessen ist immer relativ groß. Und wenn Aufnahmen nicht klappen, hab ich nachher ein Problem.
In der Zeit von 16:00 bis 21:00 Uhr erinnerte ich meine Tochter mehrmals - bei steigender innerer Spannung - daran, dass Sie mir die Karte geben wollte. Ich musste mir dann immer wieder Sätze anhören wie" Mama, du nervst!" Oder: " Sei nicht so zwängig!" Tochter Hannah telefoniert dann in aller Seelenruhe mit Freunden und Freundinnen, gegen 20 Uhr kommt dann ihre Freundin. Ich erinnere sie wieder daran, wie wichtig die Technik für mich ist.
21:30 Uhr fühle ich nur noch Druck auf der Brust, Zorn, Wut und sage zu meinem Mann: "Ich raste gleich aus! Ich werde über diese Ignoranz ganz verrückt. Ich mache gleich eine Riesen-Szene, einen Aufstand!" Vor meinem geistigen Auge sehe ich nur noch die verflilsten, scharz gefärbten Haar meiner einst so schönen Tochter, ich sehe das Chaos in ihrer kleinen Wohnung unter dem Dach. Grrr... Ich sehe nicht mehr die junge Frau, die verwirrt und auf der Suche ist und nicht weiß, wie, was. Ich sehe nicht mehr mein kleines süßes Mädchen.... Die Kamerakarte scheint das Wichtigste auf der Welt zu sein. Mein Mann bleibt in dieser sich immer mehr aufschaukelnden Stimmug ruhig: " Denke mal an das Buch "Bewußtsein im Körper" und schalt doch mal an den inneren Beobachter ein." Ja, stimmt, da war doch einer, der in solchen Situationen praktische Dienste leisten kann.
Mir geht durch den Kopf, dass mein Ehemann jetzt vielleicht mit Tochter Hannah paktiert, und dass ich ja gut auch auf ihn sauer sein könnte. Um ein bisschen Abstand zu bekommen, flüchte ich mich ins Bügelzimmer, und bügle wütend drei Blusen. Dabei kommen verschiedene Gedanken hoch: "Was passiert, wenn ich jetzt einen Wutanfall bekommen? " " Wem nutzt das?" "Will ich das wirklich? " " Wie fahre ich dann drei Tage auf das Seminar, und wie fühlt sich meine Tochter, und wie fühl ich mich? "So oft schon haben wir uns getrennt, und waren einander gram. Das fühlte sich immer nicht gut an." Ich entscheide mich gegen Szene und Aufstand. Ich suche nach einer logischen Konsequenz. Binnen Sekunden ist sie da. Gegen 22:00 Uhr rufe ich meine Tochter an, sage ihr, sie möge mir bitte bis zum nächsten Morgen 10:00 Uhr eine neue Karte besorgen. Das ist alles. Keine Vorwürfe, keine Moral. Ich gehe ruhig ins Bett. Die Wut ist nicht ganz weg, weil ich den Abend gerne friedvoller verbracht hätte, aber ich bin nicht mehr aufgeregt. Am nächsten Morgen gegen 10:00 Uhr baut Hannah kommentarlos eine neue Karte in die Kamera. Sie fragt mich ob sie eine Tasse Milchkaffee für mich machen soll. Ich bin äußerst irritiert. Keine Beschimpfungen. Wir trinken Kaffee zusammen, und sie sagt mir: " Mama, ich lieb dich so, weil Du nicht so böse mit mir warst und mich nicht beschimpft hast." Mein Herz klopft vor Glück, ohne meinen "inneren Beobachter", hätte ich diese Situation nicht so gut meistern können. Ein guter Abschied. Danke innerer Beobachter, danke Herr Bartussek.
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