"Wenn Sie jetzt einen Job suchen, dann suchen Sie einen Job für sich - und nicht für Millionen Arbeitslose in Deutschland." Ob dieser Satz so motivierend ist, wie es wahrscheinlich Absicht war, bezweifeln vielleicht auch die Autoren. Jedenfalls folgt kurz danach der Rat: "Ignorieren Sie also die fetten Schlagzeilen auf Deutschlands Revolverblättern, lassen Sie Moderatoren im Fernsehen und im Radio die Krise besingen, und hören Sie einfach nicht zu. Lassen Sie sich nicht herunterziehen, pfeifen Sie auf die Krise."
Ja, wenn Aufforderungen und gute Tipps die versprochene Wirkungskraft hätten, ließen sich Probleme auch tatsächlich so einfach umdeuten, wie es dreißig Seiten weiter beschrieben wird. Aber wer tagtäglich mit Arbeitslosen und Stellensuchenden zu tun hat, macht unweigerlich die Erfahrung, dass gesund beten nur selten hilft. Lediglich Bewerbungsbücher zu lesen und Interviews mit Marketing Managern oder anderen Fachleuten zu führen, reicht auch für bestandene Wirtschaftsjournalisten nicht aus, um einen Bewerbungsratgeber zu schreiben, der sich von Konkurrenzprodukten abhebt und seinen Lesern wirklich etwas nützt. Wer im Kapitel "Wie Sie Ihren Wunscharbeitgeber" finden Flop- und Top-Branchen aufzählt, die drei jeweils besten Arbeitgeber von Unternehmen mit 50 bis 500, mit 501 bis 5000 und mit über 5000 Mitarbeitern auflistet, die 25 beliebtesten Arbeitgeber Europas benennt und Schlüsselzahlen des Mittelstands in Deutschland 2007/2008 bekannt gibt, hat wenig zu sagen. Zumindest nichts Substanzielles, das weiterhelfen könnte. Und dort, wo es konkreter werden könnte, steht dann leider wieder zu wenig. Es mag witzig sein, bei der Frage "Wer bin ich?" an Robert Lembke zu erinnern, sofern man diesen 1989 verstorbene Fernsehmoderator überhaupt noch kennt, aber eher traurig ist es, welche Fragen die Autoren den Lesern stellen, um eine aussagekräftige Bilanz ziehen zu können.
Klar muss man auch in schwierigen Zeiten nur für sich und nicht für Millionen andere einen Job suchen. Aber wenn die Konkurrenz größer ist, hat man mit Durchschnittbewerbungen noch schlechtere Karten. Hat der Leser dieses Buches also gegen jemanden anzutreten, der für sein Bewerbungsschreiben nicht nur die dreißig Seiten von Anne Jacoby und Florian Vollmers gelesen hat, geht der Jacoby-Vollmers-Schüler wahrscheinlich als Verlierer vom Platz. Die gleiche Behauptung wage ich bei den Themen "Der erste Kontakt mit dem Arbeitgeber" und "Das Vorstellungsgespräch".
Mein Fazit: Die beiden Autoren mögen gute und erfolgreiche Wirtschaftsjournalisten sein, aber das Feld der Bewerbungsratgeber sollten sie denen überlassen, die täglich auf ihm arbeiten und daher auf Besonderheiten aufmerksam machen können, deren Beachtung im harten Konkurrenzkampf den Ausschlag geben können. Würden sich solche Experten nicht zu Wort melden, wäre meine Bewertung besser ausgefallen.