Inspector Hal Challis ist wieder da und entführt uns Leser in das weit entfernte Australien, wo sein vierter Fall auf ihn und Sergeant Ellen Destry wartet.
Allerdings muss sich hier seine Kollegin und jetzige Vertretung ihre ersten Sporen ganz alle verdienen, denn Hal ist tausende Kilometer weit weg, um sich von seinem todkranken Vater verabschieden zu können. Doch noch ein anderes familiäres Problem erwartet ihn in seiner Heimatstadt, denn das spurlose Verschwinden seines Schwagers vor fünf Jahren lechzt förmlich nach Aufklärung.
Währenddessen muss sich Ellen mit dem Verschwinden eines zehnjährigen Mädchens auseinandersetzen und stößt bei der Suche nach ihr auf einen teuflisch gut organisierten Kinderschänderring, der scheinbar schon seit Jahren ungestraft schalten und walten kann...
In "Beweiskette" steht diesmal nicht allein Hal Challis im Fokus der Story, sondern Ellen Destry muss hier ihr Können als leitende Beamtin unter Beweis stellen und dabei ihre meist lustlosen und unwilligen Kollegen auf die Spurensuche schicken.
Dabei lässt der Autor uns an der oft komplexen und enervierenden Ermittlungsarbeit der Polizei teilhaben, die hier detailreich und intensiv beleuchtet an den Leser gebracht wird und aufzeigt, wie selbst die gewieftesten Beamten auf korrekte und einwandfreie Laborarbeit angewiesen sind.
Gekonnt prangert Disher an, wie falsche Sparmaßnahmen in verschiedenen behördlichen Zuständigkeitsbereichen fatale Folgen haben kann und sich negativ auf die zuvor so mühsame Recherche der Polizeiarbeit auswirkt.
Da präsentiert uns der Autor auch recht ausgefeilte Nebendarsteller in Gestalt einiger Polizeibeamter, die nicht nur die ganze Bandbreite unterschiedlicher Charaktere verkörpern, sondern auch ihre voneinander abweichende Einstellung zum Job hier unverblümt zur Sprache kommt.
Da gibt es den alten und völlig desillusionierten Polizisten, der seiner Arbeit mehr oder weniger mechanisch und gewohnheitsmäßig nachgeht, zum anderen als erfrischender Gegenpart eine junge und motivierte Ermittlerin, die durch ihre Zähigkeit und gesunden Ehrgeiz gefällt.
Diese Diskrepanz wird hier außerordentlich effektiv, aber auch authentisch und ungekünstelt von Garry Disher aufs Papier gebracht und zieht sich auch wie ein roter Faden durch den Roman.
Dabei gewährt uns der Autor auch immer wieder einige kleinere Einblicke in das private Umfeld der Ordnungshüter und lässt uns auch aus deren Perspektive immer mal wieder am Geschehen teilhaben.
Alle Protagonisten, ob gut oder böse, zeigen sich hier psychologisch gut beleuchtet, was wiederum so das Salz in der Suppe ist und den Leser wirklich in den Bann zieht und auch vielfältige Emotionen dabei auslöst.
Mit brisanten Themen wie Kindesmissbrauch und Jugendgewalt in sozialen Brennpunkten mit kriminellem familiärem Hintergrund liegt Disher wirklich am Puls der Zeit und trifft somit auch zielgenau den Nerv des Lesers und gewährt den schonungslosen Blick auf eine scheinbar rechtschaffene und unbescholtene Gesellschaft, die solche Problematik gerne als nicht existent unter den Teppich kehrt.
Einmal mehr überzeugt Garry Disher hier mit seinem nüchternen und prägnanten Schreibstil und stellt dabei eigentlich nur das Wesentliche in den Fokus. Personen und Handlungsstränge zeigen sich auf das Wichtigste reduziert und als Leser kann man sich so mühelos und gradlinig eben darauf konzentrieren und seine alleinige Aufmerksamkeit richten.
Kurzum: Alles präzise und wirkungsvoll auf den Punkt gebracht und das Ergebnis:
Ein packender und fesselnder Schmöker, der den Leser mit reichlich Spannung und Nervenkitzel versorgt!