Das großartige zweite Spock's-Beard-Album beginnt mit Titeltrack - Beware Of Darkness - das im Original aus der Feder von George Harrisons stammt. Gerade in diesem Song wird deutlich, wieso die Stimme von Neal Morse so häufig als "beatlesque" bezeichnet wird, denn der Klang seiner Stimme lässt schon eine deutliche Verwandtschaft mit - George Harrison, John Lennon und Paul Mc Cartney - erkennen. Unabhängig davon bringt es, die mittlerweile durch den Einstieg des japanischen Ausnahmekeyboarders - Ryo Okumoto - von einem Quartett zu einem Quintett gewachsene Band fertig, diesem Lied eine völlig neue Note zu versetzen, so dass man bei Hören das Gefühl hat, einen völlig anderen Titel zu hören. Stark.
Gleich darauf, darf sich der neue Mann an den Tasten im zweiten Song - Thoughts - richtig auszeichnen. Auf den nun folgenden sieben Minuten wirbelt er nicht nur ziemlich viele komplexe Sounds aus seinen Keyboards heraus, sondern mit ihnen auch gleichzeitig unsere Gedanken durcheinander. Die Band erfreut in diesem Stück mit unzähligen Taktwechseln sowie filigraner Instrumentenbeherrschung.
Mit - The Doorway - folgt als Drittes einer der für mich schönsten Longtracks, die die Band jemals produziert hat. Elfeinhalb Minuten lang präsentieren uns die Bärte ein traumhaftes Melodieerlebnis, wie es schöner nicht sein könnte. Das instrumental gehaltene, und ein wenig spanisch angehauchte - Chataqua - lässt den Hörer dann weiter träumen von einer anderen Welt, bevor ihn die fünf Musiker wieder in die reale Welt zurückholen und ihn mit, auf den turbulenten Spaziergang des Windes, nehmen. Auf - Walking On The Wind - wird wie gewohnt auf allerhöchstem Niveau gerockt und so stark geprogt, das unweigerlich die Hände anfangen den Takt mitzuschlagen, oder die Gitarrenriffs zu imitieren.
Waste Away - ist dann ein etwas kürzerer, um nicht zu sagen "singletauglicher" Song, der mit einer traurigen aber sehr positiven Textbotschaft besticht. Obwohl sich der Hörer schon seit einiger Zeit im schönsten Musikhimmel befindet, ist erst jetzt die Zeit für den längsten Titel des Albums gekommen. Time Has Come ' ein Song, der sich über sechzehneinhalb Minuten durch sämtliche Musikgenres zieht, und alles besitzt, was ein klassischer Prog-Song haben muss, nämlich Virtuosität, geniale Melodien und Songstrukturen, Abwechslungsreichtum, Überraschungsgeist, Tiefe und Spontaneität beendet dieses Album regelrecht bombastisch. Die zwei Demoversionen von - The Doorway und Beware Of Darkness - auf der Special Edition sind eine schöne Zugabe und Alternative zu den Originalen. Dafür gibt es natürlich "Fünf Sterne".