"Bevor du liebst, lerne den Schnee zu durchqueren, ohne eine Spur zu hinterlassen."
Eine Zen-Weisheit am Beginn eines Buches über Sinne, und gleichzeitig über Nicht-Sinne. John, Mitte 20, ist taubblind. Er sieht nichts, und hört nichts. So schwer dieses am Anfang begreifbar ist, so tief führt die Sprache den Leser in seine Welt:
Es ist nicht nur das lesen, verstehen; es ist das Begreifen, dass Taubblinde 7 Sinne haben: Sie tasten, sie schmecken, sie riechen, sie haben einen Sinn für Vibration, Rythmus, Dauer und für das, was sie "Schatten" nennen: Die Ahnung eines Körpers, eines Hindernisses, eines Menschen. Sie hören niemanden kommen, sie erkennen sie an der Schwingungen der Schritte im Boden, ihrem Geruch und ihren Händen. Sie orientieren sich nach den "Schatten" der Häuser und Mauern, der Sonne am Körper, den Vibrationen der Autos. Sie sprechen und hören mit den Händen: Buchstaben, Gebärden, die Vibration des Halses ihres Gegenübers. Und die Finger des Gesprächspartners sind die Tonfarbe des Gespräches: vulgär, schleppend, müde, ungeduldig, gereizt, steif, eloquent, erblindet, stolpernd.
Es ist ein Buch, durch das man nach durchlesener Nacht mit anderen Augen in die Sonne blinzelt, und mit neuen Ohren lauscht.