Amerikaner sind heute überall auf der Welt, auch wenn mancher das gar nicht so gerne sehen will, und das nicht nur im nahen und mittleren Osten. Amerikaner sind von der Hautfarbe her weiß, schwarz, braun, rot und gelb - kurz und gut, fast alle menschlichen Rassen können sich als Amerikaner fühlen. Aber als echte? - Darüber lässt sich inzwischen trefflich streiten, besonders weil man nun so gut wie sicher weiß, dass der „Rote Mann" eben nicht von Anbeginn der Menschheitsgeschichte an den neuen Kontinent bevölkerte. Rene Oth möchte uns in seinem 2006 erschienen Buch darüber informieren, dass die Besiedlung bzw. die Entdeckung Amerikas durchaus eine verzwickte Geschichte ist, in der mehr „global players" mitgespielt haben, als bisher angenommen.
Herr Oth führt brav die einzelnen Mitspieler auf, sein Überblick über mögliche Kandidaten, die wo und wann von woher mitgespielt haben, entspricht modernem, heute gültigem Wissenstand. In einer Mischung aus Vermittlung historischer Fakten und dem (wenig geglückten) Versuch, romanhaft historisch authentisch von der ersten Besiedlung zu berichten, informiert den Leser sachlich korrekt über die „salad bowl", die Amerika tatsächlich von Anfang an war. Insofern gebührt dem Autor großes Lob als demjenigen, der in vielfältiger Weise den jetzigen Forschungsstand referiert. Leider geschieht das in einer sprachlichen Weise, die weh tut: Vom Gebrauch von der Mutter über die Töchter unpässlicher Wörter abgesehen („verschrecken" statt korrekt „abschrecken", sprachlich seltsam beschädigter Schädel" etc.) abgesehen nervt der Autor durch unzählige Wiederholungen des ein und desselben Inhalts: Mitochondrien und deren energetisch genetische Grundlage werden ebenso wie die molekulare Bestimmtheit und die Vererbung in der maskulinen Linie der Y-Chromosomen mehrfach kurz hintereinander erwähnt, dass es selbst den biologisch unbedarften Leser nervt. So geht es oft weiter: Im ersten Satz wird ein wissenschaftlich korrekter Sachverhalt angemessen beschrieben, im direkt folgenden wird der gleiche Sachverhalt noch einmal genauso wiederholt. Für wie blöd hält der Autor seine Leser? Liegt es daran, dass einzelne kurze Vorträge zu einem Buch zusammengedrängt wurden? Liegt es daran, dass der Autor die Sache selbst naturwissenschaftlich noch nicht richtig durchschaut hat? Wenn er Pinguine am Nordpol ansiedelt, lässt sich dieser Verdacht so leicht nicht von der Hand weisen.
Kurz und gut - sprachlichen Mängel zum Trotz (wo bleibt in diesem Verlag eigentlich ein kompetenter Lektor ?!) kann ich dieses Buch empfehlen, weil es in bündiger Form mit wissenschaftlichem Anspruch (na ja!) unter erfreulicher Ausschaltung einer dummen , die Wissenschaft verhöhnenden „political correctness" Erkenntnisse zusammenfasst, die einfach verdammt interessant sind, und das nicht nur für Amerikaner. In einer sprachlichen und inhaltlichen Überarbeitung ist Herrn Oths Buch eines der Bücher, die nicht umsonst geschrieben worden sind